Gipfeltreffen der Malerstars
Das Zusammentreffen zweier Kunst-Giganten ist wohl die spannendste und reizvollste Ausstellung in diesem Herbst. Pablo Picasso, einer der bedeutendsten Malerstars des 20. Jahrhunderts, der in seinen Experimenten leichthändig und lustvoll die Kunst revolutionierte, tritt in dieser Schau in einen Dialog mit dem schwermütigen Existentialisten Francis Bacon, dessen Werk sich ebenso in die Kunstgeschichte eingeschrieben hat.

Im Zentrum der beiden: der Mensch und seine Abgründe. Unter dem Eindruck des Spaniers fasste der britisch-irische Künstler den Entschluss, Maler zu werden. Sein Leben lang sollte er mit dieser großen Vaterfigur ringen – und letztlich danach streben, sie zu übertreffen. Für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wollte Bacon das sein, was Picasso für die Erste war: Chronist des Menschseins in all seiner Zerrissenheit.

Aus den Trümmern des 2. Weltkriegs hervorgegangen, hielt Bacon das seelische Beben seiner Zeit fest. Berühmt wurde der 1909 in Irland geborene Künstler für seine verzerrten Figuren, von den schreienden Päpsten bis zu den verdrehten Liebespaaren. Obwohl Picasso selbst nicht von Bacon beeinflusst war, verfolgte auch er dessen Karriere aufmerksam.

Wie anders der künstlerische Ansatz der beiden war, zeigt sich nicht zuletzt am schieren Umfang ihres Werks. Während der Autodidakt Bacon, der im Nachkriegsengland zur queeren Ikone aufsteigt, am Ende seines Lebens knapp 600 Werke hinterließ, waren es beim akademisch ausgebildeten Frauenschwarm und Vielarbeiter Picasso rund 50.000.

Was die beiden eint, ist die intensive Neugier an allen Facetten der menschlichen Existenz. Rund 70 Schlüsselwerke aus internationalen Museen und Privatsammlungen illustrieren in der Ausstellung „Picasso-Bacon“ in der Albertina in Wien die Gemeinsamkeiten der beiden Meister und die Bedeutung Picassos für die nachfolgende Künstlergeneration.
TV-Beitrag: Stefanie Simpkins