ORF-Bestenliste-Plakat September
ORF

Die besten 10 im September 2026

Die Jury hat aus den unzähligen Neuerscheinungen ihre Lieblingsbücher gewählt.

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Luft nach unten_Buchcover
Zsolnay

1. Tamara Štajner (42 Punkte)

Luft nach unten“, Zsolnay

Eine Musikerin, die verzweifelt versucht ein Kind zu bekommen, steht im Zentrum von Tamara Štajners neuem Roman. Lesende erfahren von dem Wunsch aus einem Brief, den die Protagonistin an ihre Mutter schreibt, aber nie abschickt - zu zerrüttet ist deren Beziehung. Angesiedelt zwischen Wien und dem Balkan, spielen verschiedene Frauenfiguren eine Rolle in „Luft nach unten“. Es sind Mütter und Töchter; ihnen hat Štajner auch ihren Roman gewidmet, Männern hingegen räumt die Autorin lediglich Nebenrollen ein. Der Roman erzählt von vererbten Traumata und beschreibt sämtliche Gefühle in Zusammenhang mit einem unerfüllten Kinderwunsch, von Verzweiflung bis Wut. „Luft nach unten“ ist auch der Titel des Textes gewesen, für den Štajner beim Bachmann-Wettbewerb 2024 den Kelag-Preis erhalten hat. 1987 im slowenischen Novo mesto geboren, ist die Autorin im Alter von 18 Jahren nach Wien gekommen und hat sich auch als Bratschistin in Ensembles für zeitgenössische Musik einen Namen gemacht. „Luft nach unten“ ist Štajners zweiter Roman.

Muttersuchen
Residenz Verlag

2. Peter Henisch (40 Punkte) NEU

„Muttersuchen“, Residenz

Mehr als alle anderen Bücher zuvor habe ihn dieses Buch mitgenommen, sagt Peter Henisch über sein neues Buch. Seit den 1970er-Jahren gilt Peter Henisch als fixe Größe in der heimischen Literaturszene. Der Durchbruch ist ihm vor mehr als 50 Jahren mit dem Roman „Die kleine Figur meines Vaters“ gelungen. In seinem neuen Roman „Muttersuchen“ widmet er sich jetzt seiner Mutter Rosa Henisch. Ihrer Zeit voraus wollte sich die ausgebildete Fotografin nicht mit ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau zufriedengeben. Nach und nach hat sich Rosa Henisch aus der Beziehung zu ihrem Mann, einem bekannten Kriegs- und Pressefotografen, zu befreien versucht. Mit seiner intimen Hommage an seine Mutter legt Henisch zugleich ein spannendes Stück Zeitgeschichte vor, das von den Jahren vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bis in die 1980er-Jahre reicht.

Buchcover von Paulus Hochgatterer
Zsolnay

3. Paulus Hochgatterer (25 Punkte) NEU

„Mio und die Unsterblichkeit“, Zsolnay

Nach sechsjähriger Publikationspause meldet sich Paulus Hochgatterer zurück: In „Mio und die Unsterblichkeit“ erzählt er von einer geheimnisvollen schwarzen Katze namens Mio, die auf den Teenager Ingemar und dessen Familie trifft. Ingemar ist aufgrund einer Muskelatrophie gelähmt, tritt jedoch als Protagonist mit einer reichen und auffallend reifen Gedankenwelt in Erscheinung. Hochgatterer weiß, wovon er schreibt. Als Kinder- und Jugendpsychiater ist er vielen Kindern und Jugendlichen mit Krankheiten begegnet. Im Aufeinandertreffen mit dem rätselhaften Vierbeiner Mio folgt man einem jungen Protagonisten, der über Verlust und Vergänglichkeit nachdenkt – schnörkellos und feinfühlig. Geboren 1961 in Amstetten, lebt Hochgatterer in Wien. Zu seinen literarischen Arbeiten zählen Romane und Krimireihen.

Buchcover "Alice"
Jung und Jung

4. Marlen Mairhofer (20 Punkte) NEU

„Alice“, Jung und Jung

Mit ihrem Debütroman versetzt Marlen Mairhofer einen Klassiker ins Heute. Aus Lewis Carrolls 1865 erschienenem „Alice im Wunderland“ wird Mairhofers „Alice“. Es geht um das Aufwachsen der Protagonistin Alice, die als junges Mädchen in einer Art Wunderland, das aus der eigenen überbordenden Fantasie entstanden ist, aufwächst, umgeben von Pferdezeitschriften, besten Freundinnen und Zahnlücken. Als „poetischen Relaunch“ des englischen Klassikers kündigt der Verlag „Jung & Jung“ Mairhofers Erstlingswerk an. Die 1991 in Steyr geborene Autorin lebt in Salzburg. Das Manuskript von „Alice“ ist mit dem Theodor-Körner-Förderpreis ausgezeichnet worden. Ihre Dissertation hat Mairhofer über Marlen Haushofer, Ingeborg Bachmann und Hélène Cixous publiziert.

Buchcover von Michael Köhlmeier
Hanser



5. Michael Köhlmeier (19 Punkte) NEU

„Mein privates Glück“, Hanser

„Mein privates Glück“ wird auf dem Cover zwar als Roman bezeichnet, doch legt Michael Köhlmeier damit ein autobiografisches und wohl sein bisher persönlichstes Werk vor. Der Vorarlberger Schriftsteller erzählt darin von seiner Kindheit, die er zwischen Vorarlberg und dem deutschen Coburg verbracht hat. Anders als Köhlmeiers kürzlich verstorbene Ehefrau, die renommierte Schriftstellerin Monika Helfer, hat Köhlmeier seine Familiengeschichte bisher noch nicht in Büchern aufgearbeitet. Jetzt gibt er in aneinandergereihten Anekdoten Einblick in sein Aufwachsen mit einer durch einen Schlaganfall körperlich und seelisch geplagten Mutter und einem kriegstraumatisierten Vater. Köhlmeier ist eine der wichtigsten literarischen Stimmen der Gegenwart und hat bisher mehr als 100 Bücher veröffentlicht. Mit seinen freien Nacherzählungen der „Klassischen Sagen des Altertums“ auf Ö1 hat er in den 1990er-Jahren ein breites Publikum erreicht. Unter dem Titel „Mein privates Glück“ ist auch eine Reihe von Ö1-„Radiogeschichten“ erschienen.

Buchcover von Eva Menasse
Kiepenheuer & Witsch

6. Eva Menasse (16 Punkte) NEU

„Alleinruhelage“, Kiepenheuer & Witsch

Eva Menasse macht ein Haus zum Schauplatz und zur Hauptfigur ihres neuen Romans. Die in Berlin lebende österreichische Schriftstellerin und Historikerin erzählt in „Alleinruhelage“ anhand des Verkaufs eines Wochenendhauses vom Abschied von einer fünfundzwanzigjährigen Zeitspanne, die die Ich-Erzählerin ebenda verbracht hat. Gelegen in der ehemaligen DDR nahe der polnischen Grenze, ist dieses Haus nicht nur Zeuge allerhand Familien- und Liebesgeschichten, sondern erzählt auch die Geschichte nach der Wende 1989 mit. Gelassen und auch wehmütig erinnert sich die Ich-Erzählerin etwa an gescheiterte Beziehungen und an Episoden aus ihrer Heimat Wien, die bis in die NS-Zeit zurückreichen. Mit der Ich-Erzählerin teilt Menasse einige Gemeinsamkeiten und lässt somit auch ein Stück weit in ihr eigenes Leben blicken. Mit „Vienna“ ist der heute 56-jährigen Autorin 2005 der literarische Durchbruch gelungen. Eva Menasse lebt seit mehr als 20 Jahren in Berlin und gilt als wichtige und streitbare Intellektuelle im gesamtdeutschen Sprachraum.

Buchcover "Der Graf Luna"
DVB

7. Alexander Lernet-Holenia (12 Punkte) NEU

„Der Graf Luna“, Das Vergessene Buch

Die Neuauflage von „Der Graf Luna“ ist die Wiederentdeckung eines Klassikers: Im 1955 erschienenen Kriminalroman schreibt der zu seinen Lebzeiten viel beachtete Schriftsteller Alexander Lernet-Holenia – seiner Zeit voraus – über Schuld und Mittäterschaft während des Nationalsozialismus. Der Protagonist ist ein Mann adliger Herkunft, der für die Deportation eines anderen in das Konzentrationslager Mauthausen mitverantwortlich ist. Dessen Geist sucht Lernet-Holenias Protagonisten heim und treibt ihn zunehmend in den Wahnsinn. Die Neuauflage des Psychothrillers erscheint zum 50. Todestag des 1897 in Wien geborenen und 1976 ebenda gestorbenen Schriftstellers. Seine Erzählungen, Essays und Lyrik wurden zu seinen Lebzeiten mit großer Aufmerksamkeit gelesen. Lernet-Holenias Biografie gilt heute als umstritten: So legte er etwa 1972 sein Amt als Präsident des österreichischen P.E.N.-Clubs aus Protest gegen die Verleihung des Literaturnobelpreises an Heinrich Böll zurück.

Buchcover von Heinz Strunk
Rowohlt

8. Heinz Strunk (11 Punkte) NEU

„Memories of Heidelberg“, Rowohlt

Heidelberg ist wohl nicht der erste Ort, der einem für einen romantischen Pärchenurlaub in den Sinn kommt. Ausgerechnet dahin schickt Heinz Strunk seine beiden Protagonisten, die ihrer eingeschlafenen Ehe wieder neues Leben einhauchen wollen. Der deutsche Schriftsteller, Musiker und Schauspieler Heinz Strunk steht für Bücher mit komischer und bedrückender Atmosphäre. Darin reiht sich sein neuer Roman „Memories of Heidelberg“ ein. Isolde und Bertram verbringen einen trostlosen Kurztrip in Heidelberg, weit entfernt von jeglicher Romantik. Im Hintergrund schwelt die Sorge um die Schwiegermutter, die im Sterben liegt. Strunk seziert die Paarbeziehung schonungslos und schildert den Ehekonflikt in Verbindung mit grotesken Szenen. 1962 in Bevensen geboren, ist Strunk mit seinem autobiografischen Debütroman „Fleisch ist mein Gemüse“ der große literarische Durchbruch gelungen. Mit „Der goldene Handschuh“ hat er für Aufsehen gesorgt. Kult-Regisseur Fatih Akin hat den Roman rund um den Frauenmörder Fritz Honka verfilmt. Mit seinem neuen Roman „Memories of Heidelberg“ ist Strunk auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis gelandet.

Buchcover von Clemens J. Setz
Suhrkamp

9. Clemens J. Setz (10 Punkte) NEU

„Mein Leben als Noiseband“, Suhrkamp

Romane, Erzählungen, Gedichte und Theaterstücke: Clemens J. Setz’ umfangreiches Werk zeichnet sich durch seine Faszination für das Bizarre aus. Das gilt auch für seinen neuen Erzählband: „Mein Leben als Noiseband“ versammelt 19 Geschichten; im Zentrum stehen geplagte Figuren, etwa aufgrund von Krankheiten, Behinderungen oder seelischen Konflikten. Wieder schreckt Setz vor keinem Tabuthema zurück, schreibt etwa über gewaltvolle Pornografie oder Leichenschändung; einmal mehr widmet er sich den Abgründen des Menschen. Die titelgebende Erzählung ist in einem Club angesiedelt, dort macht der Protagonist sogenannte „Noise“-Musik, bei der Geräusche künstlerisch verarbeitet werden. Clemens J. Setz ist 1982 in Graz geboren und vielfach ausgezeichnet worden. Er zählt zu den jüngsten Büchner-Preisträgern in der Geschichte. Kürzlich hat er den Großen Österreichischen Staatspreis, die höchste Auszeichnung der Republik für Kunst- und Kulturschaffende, erhalten.

 

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