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ORF

Die besten 10 im August 2026

Die Jury hat aus den unzähligen Neuerscheinungen ihre Lieblingsbücher gewählt.

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Luft nach unten_Buchcover
Zsolnay

1. Tamara Štajner (35 Punkte) NEU

Luft nach unten“, Zsolnay

Eine Musikerin, die verzweifelt versucht ein Kind zu bekommen, steht im Zentrum von Tamara Štajners neuem Roman. Lesende erfahren von dem Wunsch aus einem Brief, den die Protagonistin an ihre Mutter schreibt, aber nie abschickt - zu zerrüttet ist deren Beziehung. Angesiedelt zwischen Wien und dem Balkan, spielen verschiedene Frauenfiguren eine Rolle in „Luft nach unten“. Es sind Mütter und Töchter; ihnen hat Štajner auch ihren Roman gewidmet, Männern hingegen räumt die Autorin lediglich Nebenrollen ein. Der Roman erzählt von vererbten Traumata und beschreibt sämtliche Gefühle in Zusammenhang mit einem unerfüllten Kinderwunsch, von Verzweiflung bis Wut. „Luft nach unten“ ist auch der Titel des Textes gewesen, für den Štajner beim Bachmann-Wettbewerb 2024 den Kelag-Preis erhalten hat. 1987 im slowenischen Novo mesto geboren, ist die Autorin im Alter von 18 Jahren nach Wien gekommen und hat sich auch als Bratschistin in Ensembles für zeitgenössische Musik einen Namen gemacht. „Luft nach unten“ ist Štajners zweiter Roman.

Buchcover Königin der Nacht
Rowohlt

2. ex aequo: Lukas Bärfuss (14 Punkte)

„Königin der Nacht“, Rowohlt

Der vielfach ausgezeichnete Schweizer Schriftsteller legt mit seinem neuen Roman ein weiteres höchstpersönliches Buch vor. In „Königin der Nacht“ widmet sich Lukas Bärfuss seiner Mutter. Schonungslos schreibt er über eine empathielose Frau, die sich nicht um ihren Sohn – den jungen Bärfuss - kümmert. Ausgangspunkt des autobiografischen Romans ist der Tod der Mutter, die verarmt in der Dominikanischen Republik gestorben ist. Bärfuss schildert anhand seines Einzelschicksals eine Gesellschaft, die alleinerziehende Mütter vor Hürden stellt. Mit „Königin der Nacht“ legt Bärfuss einen herausfordernden Roman vor, der sich dennoch versöhnlich liest. Tod und Suizid sowie gewaltvolle und kriminelle Milieus zählen zu den zentralen literarischen Themen des Büchner-Preisträgers.  

Winesburg, Ohio
Manesse

2. ex aequo: Sherwood Anderson (14 Punkte)

„Winesburg, Ohio“, Manesse
Übersetzung: Eike Schönfeld

Mit „Winesburg, Ohio" ist jetzt ein Klassiker der amerikanischen Moderne in deutscher Neuübersetzung von Eike Schönfeld zu lesen. 1876 in Camden im Bundesstaat Ohio geboren, hat Sherwood Anderson 1919 mit der Veröffentlichung seiner romanartigen Sammlung an Porträts unterschiedlicher Charaktere, die im fiktiven Örtchen Winesburg leben, für einen Skandal gesorgt. Der US-amerikanische Schriftsteller blickt dabei hinter die Fassade einer kleinstädtischen Gesellschaft und thematisiert anhand vieler Figuren Themen wie außerehelichen Sex, Einsamkeit und Sehnsucht. Dennoch - oder gerade deshalb - ist das Buch zu einem Bestseller avanciert. „Eines der schönsten und melancholischsten Werke der amerikanischen Literatur“, heißt es in Daniel Kehlmanns Nachwort. Sherwood Anderson war Autor mehrerer Kurzgeschichten, Romane und Gedichte und 1941 in Panama gestorben.

Kaputt
Reprodukt

4. Alison Bechdel (13 Punkte)

„Kaputt“, Reprodukt
Übersetzung: Katharina Erben

Ein bunter, offener Ort und ein Gegenstück zu dem, wozu die USA durch Präsident Donald Trump und den MAGA-Kult verkommen sind: Das ist die Gesellschaft, die Alison Bechdel in „Kaputt“ zeichnet. In den autobiografisch angelegten Comics denkt die homosexuelle Autorin über die Erderwärmung, Auswüchse des Kapitalismus und weitere existenzielle Krisen nach. Ihre Protagonistin lässt sie auf non-binäre, polyamoröse und asexuelle Charaktere treffen, die sich allesamt sozial engagieren. Jede Seite, jeder Comicstrip in „Kaputt“ ist für Bechdel wie gewohnt hochpolitisch. 1960 in Pennsylvania geboren, ist Bechdel innerhalb der US-amerikanischen literarischen Lesbenbewegung eine wichtige Stimme. Ihre vor zwanzig Jahren erschienene Graphic Novel „Fun Home“ über ihr Coming-Out und die Homosexualität ihres Vaters ist so etwas wie ein Genre-Meilenstein gewesen. Ihr aktueller Comicroman „Kaputt“ ist jetzt in deutscher Übersetzung erschienen.

Transkription
Suhrkamp

5. ex aequo: Ben Lerner (12 Punkte)

„Transkription“, Suhrkamp
Übersetzung: Nikolaus Stingl

Es ist eine Angst, die wohl nur eine bestimmte Generation als existenziell empfindet: Im Zentrum von Ben Lerners neuem Roman steht Max, der offline leben muss, nachdem ihm sein Smartphone ins Waschbecken gefallen ist. Nichts zu fotografieren, nicht andauernd Nachrichten zu schreiben und sich ohne technologische Hilfe durchs Leben navigieren zu müssen, versetzt ihn in Unruhe. Vergegenwärtigt wird ihm die eigene Abhängigkeit durch ein Aufeinandertreffen mit seinem ehemaligen Mentor, einem 90 Jahre alten Philologen, der weitgehend analog lebt. In drei Episoden erzählt Lerner neben der Durchdringung unseres Alltags durch Technologien auch von Vaterschaft und Erinnerungskultur. Zudem legt er mit „Transkription“ eine Verneigung vor Alexander Kluge vor. Vielfach ausgezeichnet gilt der 1979 in Kansas geborene, US-amerikanische Lyriker, Romanautor und Essayist als eine der angesehensten literarischen Stimmen seiner Generation.

Popom_Buchcover
DuMont

5. ex aequo: Johanna Sebauer (12 Punkte) NEU

Popóm“, DuMont

Mit ihrem Debütroman ist Sebauer 2023 ein sofortiger Erfolg gelungen. In „Nincshof“ erzählt die 1988 in Wien geborene Autorin von einem Dorf an der österreichisch-ungarischen Grenze, dessen Bewohnenden sich ein Leben in Ruhe und Freiheit von der Hektik des gegenwärtigen Alltags wünschen, so sehr, dass sie sogar das Vergessenwerden herbeisehnen. 2024 wurde ihre Erzählung „Das Gurkerl“ mit dem Publikumpreis und dem 3-sat-Preis ausgezeichnet. Mit „Popóm“ ist jetzt der zweite Roman der Autorin erschienen. Im Zentrum steht ein junger, verlorener Werbetexter, der eines Tages einem älteren Herrn begegnet und sich sicher ist, dass dieser Mann sein älteres Ich ist. Sebauer versetzt das literarische Doppelgängermotiv ins Heute und erzählt einfühlsam und doch auch komisch von der Suche ihres Protagonisten nach sich selbst. Sebauer hat viele Jahre in Hamburg gelebt und lebt und arbeitet heute in einem kleinen Dorf im Burgenland.

Die neue Barbarei
Matthes & Seitz

5. ex aequo: Viktor Jerofejew (12 Punkte) NEU

Die neue Barbarei“, Matthes & Seitz
Übersetzung: Beate Rausch

Was sich anfangs wie ein Essay über die russische Gegenwart liest, mündet ins Surreale und Fantastische: In seinem neuen Roman verzerrt Viktor Jerofejew die politische Gegenwart ins Absurde. In Episoden erzählt „Die neue Barbarei“ von der personifizierten „Russischen Schuld“. Mit ihr reist der Ich-Erzähler, wohl ein Alter Ego Jerofejews, ins „himmlisch-unterirdische Moskau“. Dort trifft Russlands Vergangenheit gewaltvoll und grotesk auf die Gegenwart des Landes. Bekannte Figuren treten auf – real oder verfremdet – von Stalin über Putin und Rilke bis hin zu den großen russischen Klassikern Puschkin und Tolstoi. Mit seinem neuen Roman legt der Moskauer Schriftsteller erneut einen hochpolitischen Text vor. Jerofejew zählt zu den bekanntesten Schriftstellern Russlands und zu den schärfsten Kritikern von Präsident Wladimir Putin. Immer wieder haben die Texte des widerständigen Autors für Empörung gesorgt und ihn Anfang der 2000er-Jahre wegen angeblicher Russlandfeindlichkeit vor Gericht gebracht. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine lebt er im Berliner Exil.

Buchcover Bruchlinien
Kremayr & Scheriau

8. ex aequo: Gernot Rainer (10 Punkte)

„Bruchlinien“, Kremayr & Scheriau

Mit „Kampf der Klassenmedizin“ hat Rainer bereits ein viel beachtetes Sachbuch vorgelegt, jetzt veröffentlicht der in Klagenfurt geborene Lungenfacharzt seinen Debütroman. „Bruchlinien“ handelt vom gesellschaftlichen Umgang mit der Corona-Pandemie. Rainer begleitet darin mehrere Protagonisten und Protagonistinnen während der beispiellosen Krise der jüngsten Vergangenheit und beschreibt anhand ihrer Geschichten das Konfliktpotenzial, das der jeweilige Umgang mit der Pandemie mit sich gebracht hat – selbst im kleinsten Kreis der Familie. Rainer zeigt in seinem Roman, dass viele Brüche der damaligen Zeit bis heute nachwirken. Neben seiner literarischen Tätigkeit betreibt Rainer eine Wahlarztordination in Wien. Immer wieder übt er Kritik am heimischen Gesundheitssystem und dessen Fokus auf Effizienzsteigerung, der dazu führt, dass Patientinnen und Patienten mehr und mehr auf der Strecke bleiben.

Schokoladenblut
Hoffmann & Campe

8. ex aequo: Radka Denemarková (10 Punkte)

Schokoladenblut“, Hoffmann & Campe
Übersetzung: Eva Profousová

10 Jahre lang hat Radka Denemarková an „Schokoladenblut“ gearbeitet. Der neue Roman der tschechischen Autorin handelt von den großen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts. Denemarková zeigt anschaulich, wie der damals aufkeimende Nationalismus, die Emanzipationsbewegungen und der Ausbeutungskapitalismus unsere Gegenwart bis heute beeinflussen. Für ihren historischen Roman hat die Autorin und Übersetzerin eine unkonventionelle Erzählform gewählt: Sie verwebt die Biografien der tschechischen Nationaldichterin Božena Němcová, der französischen Frauenrechtlerin George Sand und des amerikanischen Ölmagnats John D. Rockefeller zu einem lautmalerischen Sprachkunstwerk mit eigenwilliger Syntax. Radka Denemarková gilt als „Grande Dame“ der tschechischen Gegenwartsliteratur. Ihre Bücher wurden in 25 Sprachen übersetzt und setzen sich stets literarisch hochwertig mit totalitären und patriarchalen Systemen auseinander. Für ihre kritische Beschäftigung mit China wurde Denemarková 2017 mit einem lebenslangen Einreiseverbot belegt.

 

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