Überfällige Wiedergeburt
Vor 17 Jahren erschütterte ein schweres Erdbeben die Hauptstadt der mittelitalienischen Region Abruzzen. Der Wiederaufbau von L‘Aquila ist längst noch nicht vollendet.

Als ein wichtiger Schritt in die erhoffte „Wiedergeburt“ wurde der Stadt 2026 der Titel „Kulturhauptstadt Italiens“ verliehen. Mit mehr als 300 Veranstaltungen - von Konzerten über Performances, Ausstellungen bis zu Diskussionsveranstaltungen und Lesungen - wird das Kulturhauptstadtjahr gefeiert und sollen Gäste aus aller Welt angelockt werden.

Der Legende nach ist der Stadtverbund von L‘Aquila im 13. Jahrhundert durch den Zusammenschluss von 99 Burgen entstanden, weswegen es heute in der Stadt 99 Kirchen, 99 Plätze und 99 Brunnen geben soll. In ihrer gut acht Jahrhunderte währenden Geschichte wurde die Stadt von sechs schweren Beben heimgesucht, von den vielen kleineren ganz zu schweigen.

Das vorerst letzte Beben ereignete sich in der Nacht zum 6. April 2009. Um 3.32 Uhr wankte der Boden in der Stadt ganze 38 lange Sekunden. Das Erdbeben der Stärke 6,3 zerstörte zahlreiche Gebäude der Stadt, dazu weitere 64 Kleinstädte, Dörfer und Weiler. Auch die Kirche der Heiligen Seelen an der Piazza del Duomo hielt den Erdstößen nicht stand. Die prächtige spätbarocke Fassade wurde beschädigt. Die Kuppel stürzte durchs Dach auf den Altar.

309 Menschen starben, mehr als 1600 wurden verletzt. 80.000 Menschen in L‘Aquila und Umgebung waren obdachlos, 60.000 Gebäude zerstört oder so stark beschädigt, dass sie nicht mehr bewohnbar waren. 17 Jahre nach dem Beben ist die Altstadt zwar noch immer eine Baustelle, aber der quirlige Alltag ist zurückgekehrt.

Der kulturMONTAG mit einem Lokalaugenschein.
TV-Beitrag: Bernt Koschuh