Rund um die Burg
Nur zwei Bahn– oder Autostunden von Wien entfernt gilt die slowakische Kulturhauptstadt Trenčín für viele noch als Geheimtipp. Die 54 000 Seelenstadt wirkt wie eine Oase in der kulturellen Wüste eines Landes, betreibt doch die Regierung unter Ministerpräsident Robert Fico und seiner Kulturministerin Martina Šimkovičová drastischen Kunstabbau.

Seit 2023 verschärft Fico, Russlandfreund und EU-Gegner, seinen politischen Kurs. Regelmäßige Proteste gegen die Regierung sind für viele Slowakinnen und Slowaken längst Alltag geworden. Die Wirtschaft befindet sich in einer spürbaren Schwächephase. Hohe Energiekosten, ein lahmer Automobilsektor, geringe unternehmerische Investitionen sowie staatliche Sparmaßnahmen zur Haushaltskonsolidierung bremsen die Konjunktur erheblich aus.

Dabei könnte die Slowakei, mit seinen malerischen Landschaften und hübschen Orten, etwa der diesjährigen Kulturhauptstadt längst als Tourismusziel Österreich gehörig Konkurrenz machen. Unter dem Motto „Awakening Curiosity“ will Trenčín Neugier wecken, hat historische Orte revitalisiert und lädt ein, die kulturelle Vielfalt zu entdecken.

Die Stadt beeindruckt mit ihrer mehr als tausendjährigen Geschichte, mit ihrer romantischen Altstadt samt den bunten Bürgerhäusern und der imposanten, frühmittelalterlichen Burg, die majestätisch über der Stadt thront.

Rund um den zentralen Friedensplatz, Mierové námestie sind barocke Kirchen, Museen und Galerien und eine lebendige Lokalszene angesiedelt. Eine Besonderheit ist die frisch herausgeputzte Synagoge aus 1913 mit Art nouveau- und byzantinischen Elementen: Sie überlebte als Lagerhaus und Pferdestall zweckentfremdet den NS-Terror. Als weltoffen und tolerant präsentiert sich Trenčín mit dem größten Event.

In der zweiten Juli-Woche findet das „Pohoda“-Musikfestival auf dem Militärflughafen statt, der auch ein NATO-Stützpunkt ist. „Pohoda“, was so viel wie „Wohlbehagen“ bedeutet, geht seit mittlerweile 30 Jahren über die Flugfeldbühne. In diesem Jahr gastieren Acts wie der britische Pop/Rock-/Wave-/Gothic-Band „The Cure“.

Und Bürgermeister Richard Rybnicek, ein parteiunabhängiger Freigeist, muss sich unterdessen fragen, wie lange es noch geht.

Denn Veranstalter müssen fortan für eine Nutzungsgenehmigung einen Vertragspassus unterschreiben, „unpolitisch“ zu sein.
TV-Beitrag: Barbara Pichler-Hausegger