Trink aus! Wir müssen gehen
Ob Punk tot ist, darüber wird schon seit Jahrzehnten spekuliert. Doch dass die „Toten Hosen“, seit mehr als 40 Jahren Deutschlands Vorzeige-Punkband Nummer 1 jetzt ihr letztes Studio-Album veröffentlichen, damit hat die Musikszene nicht gerechnet.

Dass es auf ein geruhsameres Pensionistenleben zugeht, ließ sich seit einigen Monaten zumindest erahnen. Immer wieder veröffentlichte die Band Videos mit Anspielungen. In einem sitzt der Frontmann Campino, mittlerweile 63 Jahre alt, auf einem alten Anglerstuhl am Rhein in seiner Heimatstadt Düsseldorf und sagt, sie wollten noch einmal auf Tour gehen. Und die soll „Trink aus! Wir müssen gehen“ heißen.

Bevor Campino zu Campino wurde, hieß er Andreas Joachim Wolfgang Konrad Frege. Punk schien ihm nicht unbedingt in die Wiege gelegt: Sein Vater war Richter, seine Mutter Lehrerin mit Studium in Oxford. Es war der zwölf Jahre ältere Bruder John, der ihn auf den britischen Punkrock aufmerksam machte. Noch bevor Campino das Abitur bestand, gründete er 1982 mit einigen Schulkameraden „Die Toten Hosen“. Laut, exzessiv und immer dagegen waren die ersten Jahre, eben das, was man sich von einer Punkband erwartet. Ein Album folgte auf das nächste, dazu hunderte Konzerte auf der ganzen Welt.

In den neunziger Jahren war die Band endgültig im Mainstream angekommen. Sie füllte Stadien, ihre Songs liefen im Radio, auf Partys und in Schulbussen. Lieder wie „Alles aus Liebe“ wurden zu Hymnen, auch für Menschen, die sich nicht im Traum als Punkfans bezeichnet hätten. Jetzt also das letzte Studioalbum.

„Wir haben gemeinsam beschlossen, noch mal aus allen Rohren zu schießen und rauszuhauen, was geht“, erzählt Campino im kulturMONTAG-Interview. Und weil es eben auch ohne Tour nicht geht, feuern die „Toten Hosen“ ihre neuen Songs mal laut bis leise auch im Wiener Ernst Happel im Herbst hinaus, ganz so wie man es von ihnen gewohnt ist.
TV-Beitrag: Alexander Bogner