Von der Kuhweide zum Kulturverein
Konservativ, zubetoniert, eine Stadt in depressiven Grautönen, in der der Funke des Jahres 1968 nicht mehr als eine Sternschnuppe war. Das Wien Mitte der 1970er Jahre war nicht mehr als ein Provinzkaff, in dem Tradition nach wie vor großgeschrieben wurde, die Avantgarde erst langsam Einzug hielt und die Alternativ-, Sub- und Jugendkultur leer ausging.

Festgezurrte gesellschaftliche Normen, Arbeitslosigkeit und Chancenlosigkeit lösten Frustration bei der Jugend wie unter Kunst – und Kulturschaffenden aus. Dafür brauchte es Platz und man verschaffte sich mit der heute legendären Arena-Besetzung Luft & Gehör. Vor genau 50 Jahren wurde das soziokulturelle Leben der Stadt gründlich aufgemischt. Künstler, Studenten, Musiker und Autoren solidarisierten sich mit Lehrlingen, Arbeitslosen und Sandlern und besetzten das 70 000 Quadratmeter große Areal des ehemaligen Auslandsschlachthofs mitten in St. Marx. Sie alle träumten einen heißen Sommer lang vom selbstbestimmten Leben und einer selbstverwalteten Jugendkultur.

Auslöser für diese bis heute beispiellose Aktion war der geplante Abriss des St. Marxer Schlachthofs, den die Stadt Wien als Eigentümerin, der Modefirma Schöps für ein geplantes Textilzentrum angeboten hatte. Trotz einer damals bereits sechs Jahre dauernden Kreisky-Regierung dümpelte die Kulturszene im „verschlafen sozialdemokratisch monarchischen Wien”, wie es einst der Architekturpublizist Dietmar Steiner formulierte, noch immer im Nachkriegsmief vor sich hin.

Die Arena-Bewegung ging auf die alternative Kulturinitiative „Festwochen Arena“ zurück, die parallel zu den Wiener Festwochen lief und die „Arenaut:innen“ spontan beschlossen hatten zu bleiben. Mehr als 200 000 Menschen sollen das Gelände während der Besetzung besucht haben und nicht nur Sänger Leonhard Cohen bezeichnete die Arena als „best place in Vienna“, „best place in Europe“, oder „best place in the world“. Heute ist die Arena Österreichs größtes alternatives Kultur- und Kommunikationszentrum.

Mit Zeitzeug:innen wie Beatrix Neundlinger von den „Schmetterlingen“,

Filmemacherin Ruth Beckermann und

Journalist Armin Thurnher blickt der kulturMONTAG zurück auf die 50 – jährige Geschichte.
TV-Beitrag: Nadine Rosnitschek & Stefan Schlager