Bitte liebt Österreich

Christoph Schlingensief-Retro im MAK

Werbung Werbung schließen

Für die einen - als „Peter Pan der Provokation“, „Heiliger Narr“ oder als „genialer Wüterich“ verehrt, von den anderen als „zynischer Provokateur ohne jegliche Substanz“ abgelehnt. Sein Name: Christoph Schlingensief, sein Beruf: subversiver Universalkünstler mit unberechenbarem Hang zur Dreistigkeit.

Christoph Schlingensief Ausstellung im MAK, diverse Zeitungsartikel
ORF

Man hat ihm Aktionismus vorgeworfen, ihn als Medienclown missverstanden. Dabei erinnerte er die zutiefst abgeklärte Kulturszene nur daran, dass Handeln möglich ist, ohne jeden Sinn für Widersprüche über Bord zu werfen. 16 Jahre nach seinem Tod widmen die Wiener Festwochen dem Filmemacher, politischen Aktivisten, Theater-wie Opernregisseur, bildenden Künstler und Bestsellerautor die erste umfassende Ausstellung.

Christoph Schlingensief in Monitoren der Ausstellung im MAK
ORF

Unter dem Titel „Es ist nicht mehr mein Problem!“ im Wiener MAK werden Schlingensiefs radikale Aktionen thematisiert, etwa, als er 1998 mit Mitgliedern seiner Partei „Chance 2000“ Helmut Khols Urlaubsdomizil am Wolfgangsee zum Überschwemmen brachte. 2000, zurzeit der schwarz-blauen Regierung unter Wolfgang Schüssel und Jörg Haider ließ er in Wien in „Big Brother Manier“ mit der Aktion „Ausländer raus“ über zwölf in einem Container eingesperrte Asylwerber abstimmen.

Christoph Schlingensief, Bitte liebt Österreich – Erste österreichische Koalitionswoche, 2000
David Baltzer/bildbuehne.de

Schlingensiefs Werk zwischen Irritation und Erkenntnis sprengte alle Grenzen. Sein ausgeprägtes soziales Gewissen machte ihn zum Nachfolger von Joseph Beuys, dessen Idee der sozialen Plastik ihn bis zuletzt nicht losgelassen hat. Schlingensief glaubte an ihre weltverbessernde Kraft, glaubte daran, dass man die Welt verändern kann, dass man sie sogar verändern muss.  Die künstlerische Auseinandersetzung mit Fremdheitsdiskursen und populistischen Mechanismen macht deutlich, wie aktuell Schlingensiefs Werk ist.

TV-Beitrag: Barbara Pichler-Hausegger

Links: