Vorbote der Zukunft
Lange galt Albanien als weiße Landkarte Europas: abgeschottet und geheimnisvoll, korrupt und krank vom Kommunismus. Noch wird das Land, das 2030 die Vollmitgliedschaft in der EU erreichen will, als Geheimtipp gehandelt. Das Balkanland boomt wie kein anderes in der Region. Der Wandel Albaniens zeigt sich in der Hauptstadt Tirana besonders deutlich. Sozialistische Plattenbauten treffen auf moderne Hochhäuser, kommunistische Vergangenheit auf eine weltoffene Zukunft. Es ist eine Stadt der Gegensätze, historisch, politisch und kulturell.

Ein markantes Bauwerk der rund 600 000 Einwohner zählenden Hauptstadt ist die Pyramide, die wie kein anderes Gebäude den Neuanfang Albaniens symbolisiert. Für die Albaner hat das ungewöhnliche Monument auch eine starke symbolische Funktion, da es den Sieg des Volkes über den Kommunismus darstellt.

Die 1988 von einer Gruppe von Architekten aus Tirana entworfene brutalistische Pyramide wurde in den letzten Tagen des verhassten Regimes errichtet. Sie sollte ein Mausoleum für den kommunistischen Diktator Enver Hoxha sein. Eine Gedenkstätte für einen Diktator, der sein Land mit militärisch sinnlosen Bunkern überzog und Albanien durch seine Autarkie-Politik zum rückständigsten Land Europas machte. Mit dem endgültigen Sturz des Kommunismus im März 1992 wurde das Museum verwüstet; in weiterer Folge diente es der NATO als Stützpunkt, beherbergte Fernsehstudios, Nachtklubs und stand jahrelang leer. Sogar der Abriss wurde überlegt.

Doch 2021 erhielt der niederländische Architekt Winy Maas den Zuschlag für die Revitalisierung des Bauwerks, das im Oktober als Jugendzentrum eröffnet wurde.
Der kulturMONTAG auf den Spuren einer Wandlung.
TV-Beitrag: Christian Wehrschütz