Kunst der Propaganda
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich die Kulturlandschaft in Russland drastisch verändert. Es herrscht Zensur, politische und gesellschaftliche Kritik ist aus Theatern, Filmen und Museen so gut wie verschwunden. Präsident Wladimir Putin nützt die Kulturpolitik, um mit Dekreten den Patriotismus, die nationale Identität und traditionellen Werte zu fördern und Russland vom Westen abzugrenzen.

Dazu passt, dass derzeit ein regelrechter Boom russischer Folklore und Volkskunst herrscht. Ob im Kino, in Museen oder auf der Bühne - überall wird traditionelle Kunst gezeigt, von russischen Märchen bis zu Folklore-Chören.

Auch die zeitgenössische Kunst nimmt sich altrussischer Motive an. Wobei diese Veranstaltungen nicht nur im politischen und ideologischen Trend des Kremls liegen, sondern auch einen Nerv der Bevölkerung treffen. Während sich die einen mittels Folklore und Volkskunst auf die eigenen Wurzeln besinnen wollen, suchen andere darin eine Flucht aus dem Alltag in einem Land de facto im Kriegszustand.

Für Kulturschaffende wiederum ist in Zeiten der Zensur die Volkskunst eine Möglichkeit, ohne politische Risiken Kunst zu machen. Carola Schneider war in Moskau, Sankt Petersburg und in der russischen Provinz unterwegs, hat Folklore-Sängerinnen, Märchen-Ausstellungen, ein heidnisches Volksfest und ein Zeichentrickfilmstudio besucht.

Sie hat mit Besuchern und Kulturschaffenden über den aktuellen Folklore-Boom gesprochen, unter anderem auch mit dem mehrfach für den Oscar nominierten Animatoren-Regisseur Konstantin Bronsit.
TV-Beitrag: Carola Schneider