Von Despoten und Monstern
Einen echten Coup hat der neue Intendant der Hamburgischen Staatsoper Tobias Kratzer mit „Monster‘s Paradise“ gelandet. In ihrer brandneuen Operngroteske schicken sich Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek selbst als Vampirinnen auf eine Reise um die Welt und blicken dabei in die Jauchegruben der Menschheit.

„Ein neues Werk am Puls der Zeit“, jubelt der 46-jährige Opernchef, der selbst die Regie übernommen hat. Darauf hat die Musikwelt schon lange gewartet. Nach ihren legendären Werken „Bählamms Fest“ und „Lost Highway“ sind mehr als 20 Jahre vergangen, seit die mit dem Ernst Siemens Preis ausgezeichnete Komponistin und die Literaturnobelpreisträgerin sich einem gemeinsamen Musiktheater-Projekt gewidmet haben.

In „Monster‘s Paradise“ geht es um menschliches Versagen und um Tabubrüche. Die sozialpolitische Realität sei so bedrückend, dass für Olga Neuwirth die Menschheit vor einem Scheideweg stünde. Für ihre Komposition hat sich die 57-jährige Grazerin von einem ihrer Lieblingsfilme inspirieren lassen: Stanley Kubricks „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben“, eine schwarze Politsatire aus dem Jahr 1964.

Auf ihrem Trip rund um den Globus begegnen die „Vamps“ einem tyrannischen Königs-Präsidenten, in dem sich unweigerlich ein US-amerikanischer Machthaber erkennen lässt, der die Welt ins Wanken bringt.

Einzig das von ihm selbst heraufbeschworene Seemonster namens „Gorgonzilla“ könnte der Heilsbringer sein und den Karren aus dem Dreck ziehen.
Der kulturMONTAG berichtet über die Uraufführung.
TV-Beitrag: Barbara Pichler-Hausegger