Regime-Kritiker
Wegen „Propaganda gegen das Regime“ saß er immer wieder für Monate im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran ein, ein jahrzehntelanges Berufs-, Ausreise- und Interviewverbot wurde verhängt. Nichts davon hat Jafar Panahi davon abgehalten, weiterzumachen. Im Gegenteil, mit seinem jüngsten Film „Ein einfacher Unfall“ hat der iranische Regisseur bei den Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme gewonnen und ist für die Golden Globes nominiert.

Bei den „Gotham Awards“ Anfang Dezember in New York, einem der ersten Oscar-Anzeiger der Saison, wurde Panahis Film zum Abräumer des Abends – mit drei Preisen für die beste Regie, das beste Originaldrehbuch und den besten internationalen Film. Dass „Ein einfacher Unfall“, der als Frankreichs Kandidat ins Oscar-Rennen geschickt wurde, auch gewinnen könnte, liegt somit im Bereich des Möglichen.

Für Jafar Panahi wäre diese Trophäe ein weiterer Höhepunkt seiner ungewöhnlichen Karriere, wurde er doch auch schon mit einem Goldenen Löwen für seinen Film „Der Kreis“ aus dem Jahr 2000 und einem Goldenen Bären 2015 für seine dokumentarische Filmkomödie „Taxi Teheran“ ausgezeichnet.

Zumal die aktuellen, neu entflammten Proteste im Iran das Regime noch repressiver agiert. Panahi stellt für den Konflikt ein eindrückliches Beispiel dar. Denn jener wird nicht nur auf dem politischen Parkett, auf Öl- und Schlachtfeldern ausgetragen, sondern auch auf dem Rücken der Kunst. Seine Kreativität wurde stets durch Repressionen ausgebremst, aber umgekehrt auch angetrieben.

Auch seinen jüngsten Film „Ein einfacher Unfall“ hat er, aller Verfolgung und Zensur zum Trotz, heimlich gedreht; Seine Handlung kann sich vielleicht nur einer ausdenken, der in einem System von Unfreiheit und Unterdrückung existieren muss: Sie erzählt von Schuld, Vergeltung, Gerechtigkeit, der Brutalisierung durch ein brutales Regime und von Rache.
Im ausführlichen kulturMONTAG Gespräch mit Christian Konrad zieht Jafar Panahi Bilanz.
TV-Beitrag: Christian Konrad