Der Sound des arabischen Frühlings
Während Menschen rund um den Erdball vom Corona-Virus geplagt sind, lässt sich Ägypten, ja sogar der gesamte arabische Raum leidenschaftlich gerne von einem ganz anderen Virus infizieren. Mahraganat oder Electro-Shaabi ist die Musik der marginalisierten Jugend aus Kairos Außenbezirken. Sie ist das Sprachrohr einer enttäuschten Generation und gleichzeitig der Soundtrack ihrer ausgelassenen Partys.
„Shaabi“ bezeichnet auch die ausgelassene Art dazu zu tanzen und zu feiern – auf den Straßen, zwischen den Häusern, mit der ganzen Nachbarschaft. Unterlegt mit elektronischen Beats, vulgärer Sprache und einer ungesunden Dosis Autotune wird daraus Electro-Shaabi oder eben Mahraganat-Musik. Entstanden ist die Musikrichtung in den 2000er-Jahren, als ein paar DJs auf alten Computern mit kostenloser Software volkstümliche Musik mit Techno mixten.
Sie legten vor allem bei Hochzeiten und Straßenfesten in den ärmeren Vierteln Kairos auf – dort, wo heute Massen an jungen Männern ekstatisch zu den Beats tanzen, Bengalo-Feuer schwenken und pogen. Wie viele kreative Strömungen wuchs die Szene nach der Revolution 2011 rasant.
Sie ist der Hiphop Ägyptens, gefürchtet von den Konservativen und den Machthabern. Wie im Rap wird bei Mahraganat nicht nur über Frauen, Alkohol und Drogen gesprochen. Die Musik thematisiert auch die Perspektivlosigkeit, die Armut und den Alltag am Rande einer Gesellschaft, deren Mehrheit diese Menschen eigentlich repräsentiert.
Ein seismografischer Sound, von dem sich auch unser Korrespondent Karim El-Gawhary anstecken hat lassen.
TV-Beitrag: Karim El-Gawhary