
True Stories: Flucht aus dem Paradies - Zwischen Palmenstrand und Kugelhagel
Eine einsame Insel in der Karibik, weißer Sand und rundherum nur das Meer – und plötzlich ein bewaffneter Überfall mitten in der Nacht. Der Traum vom Karibikleben endet Anfang 2021 dramatisch für den Niederösterreicher Christian Gusenbauer. Er lebt in dem kleinen Staat Belize in Mittelamerika den Traum vom Aussteiger-Dasein, bis er plötzlich im Kugelhagel um sein Leben und das seiner Hündin kämpft. Die von Metafilm für den ORF produzierte „True Stories“-Folge „Flucht aus dem Paradies – Zwischen Palmenstrand und Kugelhagel“ von Florian Höllerl erzählt am Donnerstag, dem 10. September 2026, um 20.15 Uhr in ORF 1 und auf ORF ON die unglaubliche Geschichte eines Menschen, der die Reise ins Unbekannte gewagt hat, dem Tod von der Schaufel gesprungen ist und schließlich zu sich selbst gefunden hat.
Neuanfang im Paradies
Belize gilt als Entwicklungsland, staatliche Strukturen sind nur schwach ausgeprägt, zugleich ist das Land wegen seiner Natur und dem Flair bei Expats aus der ganzen Welt sehr gefragt. Anfang 2017 wandert Christian Gusenbauer aus – nach seiner Scheidung und einer langen Karriere als Pharmamanager. Seit Jahren leidet er an Depressionen und braucht eine Auszeit. In dem Küstenort Placencia kauft er sich ein Inselgrundstück und baut eine Touristen-Lodge auf, die er vermietet. Auf der Insel errichtet er zwei Gebäude mit völlig autarker Strom- und Wasserversorgung, Internetanbindung per Satellit – ein perfekter Rückzugsort für Gäste, die vor allem aus den USA kommen.

Als die Welt stillsteht, findet er zu sich selbst
Das Geschäft läuft ab 2018 gut an und Gusenbauer erlebt in dem Land die bislang glücklichste Zeit seines Lebens. Bis die Pandemie Anfang 2020 die Situation schlagartig verändert. Die Touristinnen und Touristen bleiben aus. Für Gusenbauer aber beginnt ein aufregender Lebensabschnitt: Er lebt allein auf sich gestellt auf der Insel, ernährt sich von Fischen und selbstgezogenen Früchten und entwickelt eine völlig neue Beziehung zur Natur und zu sich selbst. Verbunden mit dem Rest der Welt ist er nur über Facebook. „Ich habe meinen inneren Frieden in dieser Zeit gefunden“, sagt er heute.
Kampf ums Überleben
Doch ein Überfall durch eine Drogengang zerstört eines Nachts im Februar 2021 das Idyll in der Einsamkeit der Covid-Lockdowns. Unbekannte feuern mit automatischen Waffen fast 30 Minuten lang auf seine Hütte und auf ihn, um Geld und sein Motorboot zu rauben. Gusenbauer wird 19-mal getroffen. Er verschanzt sich in seinem Bungalow, verbarrikadiert die Tür mit einer Matratze und hält dem enormen psychischen Druck ohne aufzugeben stand. Per Facebook-Live-Stream alarmiert er während des Überfalls die Außenwelt – darunter seine beiden Söhne, die von Österreich aus versuchen, ihm zu helfen. Rasch wird Hilfe vom Festland aus organisiert, eine Spezialeinheit der Polizei eilt zur Insel.

Als die Welt stillsteht, findet er zu sich selbst
Die Angreifer fliehen schließlich mit seinem Boot und etwas Bargeld. Wie durch ein Wunder überleben er und seine geliebte Hündin Marley den Kugelhagel. Doch der Fall ist damit nicht vorbei – bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass eine Drogenbande aus Honduras und Einheimische in den Überfall verwickelt gewesen sein sollen. Die örtliche Polizei deckt die Verdächtigen allerdings und es wird für Gusenbauer immer gefährlicher, im vermeintlichen Paradies zu bleiben. Als die Drohungen immer offensichtlicher und direkter werden, beschließt er, wieder nach Österreich zurückzukehren. Im Mai 2021 verlässt er Belize und kehrt nach Hause, nach Maria Enzersdorf, zurück. Heute leidet er unter einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung und muss um seine soziale Absicherung vor Gericht kämpfen.

Eine „True Story“ über einen Inseltraum, der zum Alptraum wurde und der das Leben von Christian Gusenbauer für immer verändert hat. Im Film erzählt er von seiner Suche nach Glück, Abenteuer und Liebe, die ihn letztendlich zu sich selbst geführt hat.
Buch und Regie: Florian Höllerl