
Dok 1
Kranke Politiker
Politikerinnen und Politiker sollen führen, Krisen bewältigen und jederzeit funktionieren. Doch was passiert, wenn sie im Amt krank werden? Wenn ein Regierungsmitglied eine Krebsdiagnose erhält oder in ein Burn-out schlittert, ein Bundespräsident im Krankenhaus um sein Leben kämpft oder eine neurologische Erkrankung nicht länger zu verbergen ist?

Krankheit gehört zur Privatsphäre, wird bei Menschen in politischen Spitzenämtern aber zur öffentlichen Angelegenheit. Wenn eine Politikerin oder ein Politiker während der Amtszeit erkrankt – was bedeutet das medizinisch, rechtlich, politisch und medial? Wie sehr sind Krankheit und Politik überhaupt vereinbar?

In Dok 1 spricht Lisa Gadenstätter mit Politikerinnen und Politiker, die während ihrer Amtszeit erkrankt sind und dennoch weitergearbeitet haben.

Finanzminister Markus Marterbauer macht es vor: Er spricht öffentlich über seine Krebserkrankung und will trotz Therapie im Amt bleiben. Im Gespräch mit Lisa Gadenstätter gibt er persönliche Einblicke.

Hans Peter Doskozil ließ sich nach Jahren mit einer schweren Kehlkopferkrankung den Kehlkopf entfernen und kehrte mit Stimmprothese in die Politik zurück. Wie verläuft sein Comeback?

Martin Leonhardsberger, Bürgermeister der niederösterreichischen Stadtgemeinde Mank, erkrankte an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Trotz Diagnose kandidierte er erneut für das Amt des Bürgermeisters und gewann die Wahl. Derzeit befindet er sich in Krebstherapie und arbeitet weiter.

Claudia Klimt-Weithaler, Abgeordnete zum steiermärkischen Landtag und Klubobfrau des KPÖ-Landtagsklubs, spricht offen über ihr Burn-out und die Entscheidung, nach Monaten im Krankenstand ihre politische Belastung neu zu organisieren.

Ganz anders Norbert Hofer: Seine Behinderung nach einem schweren Paragliding-Unfall und eine neuerliche Erkrankung im Jahr 2010, wurden zwar öffentlich thematisiert, über die konkreten gesundheitlichen Folgen sprach er aber selten.

Historische Beispiele zeigen, wie sehr sich der Umgang mit kranken Politikerinnen und Politikern verändert hat: Thomas Klestil, Alois Mock und Bruno Kreisky hielten ihre Erkrankungen lange geheim oder spielten sie herunter. Edith Mock erzählt, wie sie als Ehefrau die Erkrankung ihres Mannes miterlebt hat und wie damals mit diesem Thema umgegangen wurde.

Auch Expertinnen und Experten wie die Strategieberaterin Heidi Glück, der Verfassungsexperte Harald Eberhard, der Gesundheitspsychologe und Managementberater Cornel Binder-Krieglstein und der Journalist Herbert Lackner kommen zu Wort.
