Dok 1

Arm in Österreich

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Lisa Gadenstätter besucht Menschen, die von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen sind.

Statt zu überlegen, ob am Heiligen Abend Fisch oder Fleisch serviert werden soll, wissen viele Menschen hierzulande nicht, ob es überhaupt etwas zu essen gibt. Arm ist nicht nur, wer obdachlos auf Bahnhöfen übernachten muss. 17,5 % der Menschen in Österreich haben so wenig Geld zur Verfügung, dass es oft an Wesentlichem fehlt. Für sie sind die Weinachtstage noch dramatischer, als es ihr Alltag ohnehin schon ist. Denn sie leben an der Armutsgrenze – oder sogar darunter. Auch 350.000 Kinder in Österreich leben in dieser Spirale, aus der man nur schwer entkommt.

Ein Portrait von Christian, im Hintergrund sieht man angeschnittene gelb und orange Häuser.
Neulandfilm/ORF
Christian hat es aus der Obdachlosigkeit geschafft.

Für Lisa Gadenstätter ist das Thema eine Herzensangelegenheit. In dieser Dok 1 trifft sie auf Menschen, deren Armut unbemerkt ist, für die aber schon eine defekte Waschmaschine, eine offene Stromrechnung oder ein plötzliches gesundheitliches Problem zur größten Herausforderung werden. Sie kämpfen ums Überleben und haben dennoch ihre Lebensfreude nicht verloren.

Pensionistin Anita hat ihr Leben lang gearbeitet und dennoch reicht ihre Rente nicht. Große Unterstützung bietet ihr das Caritas Projekt Le+O, wo man für ganz wenig Geld Lebensmittel bekommt. Aber auch kostenlose Beratung, zum Beispiel Hilfe bei der Buchung eines Impftermins. Lisa Gadenstätter begleitet Anita zur Ausgabestelle und lernt Freiwillige kennen, die dabei auch ein liebevolles Wort in die Einkaufstasche packen.

Philipp 'Ringo' Nussbaumer am Grill für Obdachlose.
Neulandfilm/ORF
Philipp 'Ringo' Nussbaumer am Grill für Obdachlose.

Philipp „Ringo“ Nussbaumer und sein Schützling Christian mussten in der Vergangenheit für kurze Zeit selbst am eigenen Leib verspüren, was es heißt, obdachlos zu sein. Die Erfahrungen von damals haben sie geprägt und nun helfen sie Wohnungslosen, das Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Andrea Roschek von der Pannonischen Tafel hält Kartonsteigerl mit Salaten in der Hand.
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Die „Pannonische Tafel“ ist Andrea Roscheks Lebenswerk.

Wie wichtig sozialer Kontakt ist, zeigt auch die „Pannonische Tafel“ im Burgenland. Das Wohnzimmer des Projekts ist ein Ort, an dem das Gespräch, aber auch Kunst, Kultur und Unterhaltung jenen Teil des Lebens abdecken sollen, der für arme und armutsgefährdete Menschen oft unerreichbar scheint.

Die letzten Monate haben besonders Familien mit Kindern an ihre Grenzen gebracht. Die alleinerziehende Petra und ihr 12-jähriger Sohn Ivan können sich trotz Petras Teilzeitanstellung kaum die alltäglichen Ausgaben leisten. Ivan wächst mit Verzicht auf, dennoch ist seine Mutter „die größte Heldin“ für ihn.

Auch für die syrischen Eltern Zeyad und Manal, die mit ihren drei Kindern in zwei Zimmern wohnen, ist das Leben trotz großer Dankbarkeit ein Hürdenlauf. Nachtdienste des Vaters und Homeschooling ohne technische Ausstattung erschweren den Alltag. Der Verein „PCs für Alle – Spenden statt Wegwerfen“ unterstützt betroffene Familien, um die Situation ein wenig erträglicher zu machen.

Peter Bernscherer in seiner Werkstatt.
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PCs für alle sind das Ziel von Peter Bernscherer.

Frauen sind besonders stark von Armut bedroht. Doch auch Männer rutschen in diese Falle. Der Akademiker Ingomar ist Vater einer 6-jährigen Tochter. Um sich um sie zu kümmern, wollte er Arbeitsstunden reduzieren. Sein Arbeitsgeber sagte nein, Vollzeit oder gar nicht. Heute kämpft er jeden Tag ums Überleben und eine sorglose Kindheit für Johanna. Aber Geschenke stehen auch dieses Jahr nicht auf der Einkaufsliste. Der Sozialmarkt „SOS Ballon“ versucht, mit günstigen Spielsachen in Fällen wie diesen trotzdem eine Bescherung zu ermöglichen.

Karl Frank sitzt mit Lisa Gadenstätter in einem Kaffeehaus an einem Tisch und wird interviewt.
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Karl Frank erzählt bei einem Caffè sospeso von seinen Erfahrungen mit Armut.

Karl Frank trifft Lisa Gadenstätter bei einem „Caffè Sospeso“ im Tachles. Hier können Gäste einen Extrakaffee bestellen, den dann Bedürftige ausgeschenkt bekommen. Nach Jahrzehnten im Arbeitsleben geriet Karl Frank aus gesundheitlichen Gründen in eine prekäre finanzielle Situation. Er unterstützt heute mit seinem Wissen ältere Menschen und Menschen mit mentaler Beeinträchtigung und macht als Vortragender für die Armutskonferenz auf deren Situation aufmerksam.