
ansichtssache
Familienbande - Fluch oder Segen
Für die 64jährige Pensionistin Verena aus Innsbruck ist ihre Familie Alles. Ihre Ehe, ihre Kinder, Enkel und Eltern sind ihr heilig. Familie ist für sie ein Netz, das auffängt - im Leben und im Alter. Und sie ist ein Ort, an dem sich die Generationen stark machen, statt sich schwach zu reden.

Die 39jährige Buchhändlerin Bianca in Wien sieht das komplett anders. Sie lebt bewusst allein, ohne Kinder, Kontakt zur Verwandtschaft hat sie kaum. „Familie bedeutet für mich eine emotionale Achterbahnfahrt“, sagt sie und setzt lieber auf ihre Freunde und Freundinnen, die sie sich aussuchen kann.

Verena lebt in einem Mehrgenerationenhaus, kümmert sich – und wird selbst getragen. „Familie bedeutet Geborgenheit, dass jemand da ist und sich um jemanden kümmert“ -gerade im Alter, ist Verena überzeugt.
Und wenn sie sagt: „Ich verstehe nicht, wie man sich gegen Kinder entscheiden kann“, trifft das Bianca ins Mark. Und Bianca hält dagegen: Familie müsse man sich aussuchen können und fordert: „Man muss den Generationenvertrag überdenken, der muss auch funktionieren, wenn ich keine Kinder bekommen möchte“.


Eine Woche lang tauchen die beiden in die Welt der jeweils anderen, gehen auf Tuchfühlung und nehmen sich kein Blatt vor den Mund. Ein zwischenmenschliches Experiment mit emotionalen Einblicken in fremde und vertraute Lebenswelten, hitzigen Schlagabtäuschen und überraschenden Wendungen.
Reportage 45 min, AUT2026, Regie: Manuel Obermeier, Produktion: neulandfilm im Auftrag des ORF; SV: Matthias Euba