
Universum Spezial
Das große Herz Amerikas - Die Great Plains
Heute lebt die indigene Bevölkerung teils in Reservaten, die Zahl der Bisons ist dramatisch zurückgegangen. Die Tatsache, dass es sie überhaupt noch gibt, grenzt an ein Wunder - Ende des 19. Jahrhunderts waren sie beinahe ausgestorben. Doch jetzt sorgt ein neues Bewusstsein für einen Schulterschluss von Naturschutzorganisationen, Ureinwohnerinnen und Ureinwohnern und sogar Landwirtschaftsunternehmen. Die Great Plains der Vergangenheit sollen, zumindest im Kleinen, wieder auferstehen.
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Im Vorfeld der Fußball-WM 2026, die in Kanada, den Vereinigten Staaten und Mexiko ausgetragen wird, zeigt ein „Universum Spezial“ einen der beeindruckendsten und auch international bedeutendsten Naturräume des amerikanischen Kontinents. Dabei geht es auch um die bewegte Geschichte dieser Ebenen, um die Menschen, die hier leben und um die Bemühungen, diesen einzigartigen Lebensraum zu retten.
Verlust des Ökosystems führt zu Naturkatastrophe
Für Kenneth „Tuffy“ Helgeson, auch als Singender Adler bekannt, geht es um mehr als nur Naturschutz – es geht um die Identität ganzer Völker, die vor Jahrhunderten dem Kolonialismus der europäischen Siedler zum Opfer fielen. Auch Jason Baldes, vom Stamm der Shoshonen, sieht in der Wiederansiedlung der Bisons eine Chance, entstandene Schäden an Natur und Mensch wieder gutzumachen.

Die Siedler, die sich nach der Lewis & Clark Expedition von 1804 über die Great Plains ausbreiteten, begannen im großen Stil die tief verwurzelte Vegetation zu zerstören und Landwirtschaft zu betreiben. Das Ökosystem der weiten Ebenen wurde grundlegend verändert. Während der „Indianerkriege“ Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Bisons, die als Lebensgrundlage der indigenen Stämme dienten, aus ebendiesem Grund an den Rand ihrer Existenz gejagt. Ihre Zahl ging von rund 60 Millionen auf weniger als eintausend zurück. Wenige Jahrzehnte später wurden die Konsequenzen dieses Handelns spürbar. 1934 sorgten Dürre und Windstürme für die größte Naturkatastrophe, die der amerikanische Kontinent je erlebt hatte: die „Dust Bowl“. Aufgrund der Erosion, die der Mensch verursacht hatte, erhoben sich riesige Staubwolken in die Lüfte. Die Folgen waren Atemwegserkrankungen, Fluchtbewegungen und Hungersnot.
Bison als Schlüsselfigur und Hoffnungsträger
Trotzdem wird die Ausbeutung der Landwirtschaft bis heute vorangetrieben. Organisationen wie American Prairie versuchen dagegenzuhalten und haben sich mit den indigenen Völkern zusammengetan, um die ursprüngliche Natur der Great Plains zumindest in einigen Regionen wiederherzustellen. Unterstützung kommt dabei von manchen Großgrundbesitzerinnen und -besitzern, wenn auch viele Rancher den Naturschutzbemühungen skeptisch gegenüberstehen.

In erster Linie geht es darum, die Bisons, die einst hier so zahlreich waren, wiederanzusiedeln. Sie gestalteten den Lebensraum der Prärien, indem sie Böden verdichteten, Pfützen entstehen ließen und so das Wachstum von Insekten, Pflanzen und anderen Lebewesen unterstützten. Die Verteilung der Samen, die sich in ihrem Fell sammelten, sorgte für die Verbreitung von Pflanzenarten. Das alles kam einer Vielzahl von Tierarten zugute. Dazu gehörten u. a. Präriehunde, Schwarzfußiltisse sowie viele Vogelarten. Sie alle litten unter dem Verschwinden der Bisons. Mit der Rückkehr dieser Schlüsselspezies soll hier die natürliche Balance wiederhergestellt werden – was auch den großen Raubtieren wie Bären und Wölfen zugutekommen wird.

Noch ist es ein weiter Weg, doch die ersten Erfolge sind vielversprechend. In dem preisgekrönten Film von Regisseur Thierry Robert werden die vielen Zusammenhänge, die das Leben in den Great Plains prägen, beleuchtet. „Universum Spezial“ zeigt nicht nur die eindrucksvolle Natur dieser Ebenen, die sich über das Herz des amerikanischen Kontinents von Kanada bis nach Mexiko erstrecken; es werden auch die Kultur der indigenen Völker sowie die Bemühungen vieler Menschen dokumentiert, dieses große, wilde Herz des amerikanischen Kontinents für zukünftige Generationen zu bewahren.