Elefantendame Suda malt mit Pinsel ein Landschaftsbild, ein Kollege steht ihr Modell.
ORF/Doclights GmbH/Text und Bild Medienproduktion/Robert Sigl
Ein Elefant malt, ein anderer steht Modell. Ist das tatsächlich möglich? Dass Elefanten intelligent sind, wissen wir, aber sind sie tatsächlich zu solch kreativen Leistungen fähig?

Universum

Tierische Kunst - Die wilde Talenteshow

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Suda hat eine Vorliebe für Landschaftsbilder. Sie malt mit dem Pinsel auf Leinwand, manchmal steht ihr sogar ein Kollege Modell. Nichts Ungewöhnliches – nur handelt es sich bei der Künstlerin um eine Elefantendame.

Ist das echtes Talent? Können Tiere wirklich kreativ sein? Universum geht dieser spannenden Frage nach und findet im neuen Naturfilm „Tierische Kunst – Die wilde Talenteshow“ von Volker Arzt und Robert Sigl (ORF Fassung: Leyla Movahedi) verblüffende Verhaltensformen in der Luft, an Land und unter Wasser.

Rund 80 Drehtage in sieben Ländern waren die Filmemacher Volker Arzt und Robert Sigl unterwegs, um die „Wilde Talenteshow“ der Tiere zu dokumentieren. Doch der Ausgangspunkt für den Film lag ganz nahe, erinnert sich Volker Arzt: „Zuerst war es eine Kreuzspinne vor dem Küchenfenster, dann ein Kanarienvogel, später Katze und Pudel – die kognitiven Fähigkeiten der Tiere haben mich seit jeher interessiert: Können sie denken, fühlen, träumen? Oder läuft alles nach genetisch vorgegebenen Mustern ab? Deshalb war es für mich ein Riesengeschenk, diesen Film zusammen mit Robert machen zu dürfen! Wir haben uns gefragt: Gibt es so etwas wie Kunst auch bei Tieren?"

Schon bei der Definition, was Kunst ist, scheiden sich die Geister. Sie ist mehr als eine kreative Ausdrucksform, die ästhetisch ansprechende Objekte schafft. Denn sie kann Gedanken oder Gefühle für andere erfahrbar machen, Bedeutungen transportieren, Fragen stellen oder sogar Gesellschaftskritik äußern. Nur Menschen sind dazu fähig.

Die Kunst der Verführung

Aber ist das wirklich so? Schließlich gibt es Tiere, die ihre musische Begabung schon im Namen tragen. Ihre Bühne sind die Wiesen und Wälder: Singvögel! Und die haben sogar schon Wolfgang Amadeus Mozart aus einer Schaffenskrise geführt – genauer gesagt hat ihn ein besonderer Vogel inspiriert, sein zahmer Star.

Musikalisches Talent beweisen aber auch Buckelwale vor der Küste Hawaiis. In der Paarungszeit tragen die Männerchöre einen kunstvollen Wal-Song mit mehreren Strophen vor, der mit bis zu 190 Dezibel durch den Ozean schallt. Das ist laut genug, um Weibchen zu beeindrucken, die hunderte Kilometer entfernt sind.

Ein Buckelwal schwimmt knapp unter der Wasseroberfläche.
ORF/Doclights GmbH/Florian Graner
Buckelwale haben eine empfindliche Haut - Kämpfe mit Rivalen, Begegnungen mit Orcas und Seepocken hinterlassen ihre Spuren. Ihr Winterquartier liegt in vor Hawai'i, wo sie sich paaren und ihre Kälber zur Welt bringen.

Weißhandgibbons singen hingegen miteinander: Sie verkünden ihre monogame Partnerschaft, indem sie ein Duett anstimmen. Was auch dazu dient, die Grenzen ihres Reviers in den Regenwäldern Südostasiens abzustecken.

Ein Weißhandgibbon mit rötlichem Fell singt.
ORF/Doclights GmbH/Text und Bild Medienproduktion/Robert Sigl
Ein Weißhandgibbon singt im Regenwald von Thailand. Diese Affenart lebt monogam, ihre Beziehung untermauern beide Geschlechter mit kunstvollen Duettgesängen. Zusätzlich grenzen sie so auch ihr Revier ab.

Nicht nur mit Gesang, auch mit anderen Kunstformen lassen sich Weibchen verführen. Im Regenwald Neuguineas stellt der Strahlenparadiesvogel sein Gefieder zu einem regelrechten Ballerina-Röckchen auf, bevor er die Tanzfläche zum Beben bringt.

Auf einem Ast sitzt ein schwarzer Vogel mit blauen Augen und einem weißen Fleck auf der Stirn. An jeder Kopfseite trägt er drei verlängerte Schmuckfedern.
ORF/Doclights GmbH/Text und Bild Medienproduktion/Brian McClatchy
Der Strahlenparadiesvogel lebt in West-Papua und baut seine Balzarena auf dem Waldboden auf, wo er sich den Weibchen als verführerischer Tänzer präsentiert

Buntbarsche wiederum errichten perfekte Sandkegel am Grund des Tanganjikasees in Ostafrika. Je harmonischer und glatter, desto attraktiver sind diese Paarungshügel für Weibchen, die dort ihre Eier ablegen sollen. Baukunst, deren einzige Bestimmung ist, ihren Architekten in Szene zu setzen.

Wie kreativ sind Tiere?

Tiere singen, tanzen oder vollbringen architektonische Spitzenleistungen. Doch drücken sie auf diese Weise ihr Innenleben oder Ideen künstlerisch aus? Oder handelt es sich lediglich um angeborene Verhaltensmuster? Wenn gestalterische Tätigkeiten Vorteile bei der Partnersuche und damit für die Fortpflanzung versprechen, dann zahlen sich solche aufwändigen Strategien aus. Und wer dabei persönlichen Stil entwickelt oder kreativ wird, kann aus der Masse hervorstechen.

Eine kleine Hütte aus Ästchen am Waldboden, davor Plastikmüll in blau, rot und gelb in farblich sortierten Häufchen.
ORF/Doclights GmbH/Text und Bild Medienproduktion/Robert Sigl
Kaum zu glauben, aber das hier ist kein farblich sortierter Müllhaufen, sondern eine wahre Kunstinstallation. Sie ist das Werk des Hüttengärtners, einer Laubenvogelart aus West-Papua.

Regisseur Robert Sigl bringt es noch einmal auf den Punkt: „Tierische Kunst findet man überall auf der Welt, nur ist sie für die Tiere keine Kunst, sondern einfach Teil ihres Lebens und Überlebens. Umso schöner, dass wir Menschen vieles davon ansprechend finden. Wahrscheinlich liegen auch die Anfänge menschlicher Kunst im Werbeverhalten um das andere Geschlecht. Menschen sind eben auch ,nur‘ Tiere.“

Fest steht, dass die Natur und ihre Lebewesen schon seit Beginn der Menschheitsgeschichte als künstlerische Inspirationsquelle dienen. Damals wie heute liegen die Wurzeln von Kunst oft im aufmerksamen Blick auf unsere Umgebung. Und somit sind die Wechselwirkungen zwischen Tierreich und Menschenwelt nicht von der Hand zu weisen – nicht nur bei Mozarts Klavierkonzert in G-Dur.

Eine Produktion von NDR Naturfilm/doclights im Auftrag des NDR, in Zusammenarbeit mit WDR, SWR, arte und ORF.