David Attenborough hält eine winzige Maus auf seinem Zeigefinger.
ORF/BBC/Passion Planet Ltd/Joe Loncraine
Sir David Attenborough beim Auswildern einer Zwergmaus
Zum 100. Geb. v. Sir David Attenborough am 8.5.2026:

Universum

Wildes London - mit Sir David Attenborough

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Sir David Attenborough hat die Welt gesehen. Er hat die eindrucksvollsten Naturschauspiele miterlebt und die letzten unberührten Orte unseres Planeten erkundet. Kaum jemand hat unseren Blick auf die Natur so geprägt wie er. Und doch führt ihn seine vielleicht bedeutendste Reise zurück an den Anfang.

Anlässlich seines 100. Geburtstags am 8. Mai 2026 wendet sich der ikonische britische Naturforscher und Tierfilmer einem Ort zu, der ihm näher ist als jeder andere: seiner Heimatstadt London. In der neuen „Universum“-Dokumentation „Wildes London – mit Sir David Attenborough“ von Joe Loncraine (ORF-Bearbeitung: Birgit Skulski) führt Sir David Attenborough durch diese vertraute und doch überraschende Metropole und zeigt: Tiere nutzen die Gegebenheiten der Stadt, sie passen sich der vom Menschen geschaffenen Welt mit unglaublichem Geschick an und erschließen Nischen, die ihnen ursprünglich niemand zugedacht hat.

Anpassungsprofis im Großstadtdschungel

Neun Millionen Menschen, zweieinhalb Millionen Autos, eine Stadt aus Beton, Stahl und Glas. Was auf den ersten Blick wie ein Gegenentwurf zur Natur erscheint, entpuppt sich als erstaunlich artenreicher Lebensraum: Wanderfalken nisten am Parlamentsgebäude und jagen in den Straßenschluchten wie einst an steilen Felsküsten. Damhirsche verlassen die Randgebiete der Stadt und wagen sich immer weiter ins urbane Zentrum vor.

An den Ufern des Regent’s Canals leben Schlangen, deren Herkunft bis heute Rätsel aufgibt. Und selbst Biber sind zurückgekehrt und gestalten ihre Umgebung neu – mitten im dicht besiedelten Westen der Millionenmetropole. Bei Einbruch der Dunkelheit durchstreifen Füchse die Stadt, immer auf der Suche nach Nahrung. Zwischen Mülltonnen und Gärten haben sie gelernt, sich dem Rhythmus des Menschen anzupassen.

Eine Kröte auf einem nassen Sockel, im Hintergrund rote und gelbe Lichtkreise, die durch Überbelichtung entstanden sind.
ORF/BBC/Passion Planet Ltd/John Brown
Erdkröten wandern jedes Jahr zu ihren Laichgewässern, auch wenn sich die Welt um sie herum längst verändert hat. Viele geraten deswegen unter die Räder.

Doch nicht alle Arten können mit diesem Tempo mithalten. Wenn im Frühjahr Tausende Erdkröten zu ihren Laichgewässern aufbrechen, wird jede Straße zur Gefahr – ein Konflikt zwischen zwei Welten, die denselben Raum beanspruchen und bei dem die Tierwelt allzu oft auf der Strecke bleibt. In Londons Bevölkerung setzt zunehmend ein Umdenken ein. Schon kleinste Adaptierungen können darüber entscheiden, ob eine Art erhalten bleibt. So sägen beispielsweise immer mehr Gartenbesitzer kleine Öffnungen in ihre Zäune. Dadurch entstehen Korridore zwischen den Grundstücken, die Tieren wie dem Igel ihre nächtlichen Wanderungen erst ermöglichen.

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Zeitzeuge für die Metamorphose von London

Gedreht in seinem 100. Lebensjahr ist dieser Film zugleich ein sehr persönlicher Blick Sir David Attenboroughs auf die Veränderungen seiner Heimatstadt. Seit mehr als 70 Jahren lebt er in London und war Zeuge, wie sich das Verhältnis zwischen Mensch und Natur gewandelt hat: Arten verschwanden und kehrten zurück, Lebensräume gingen verloren und entstanden neu und mit ihnen die Erkenntnis, dass auch Städte Teil eines größeren ökologischen Ganzen sind. Londons mehr als 3.000 öffentliche Parkanlagen und rund vier Millionen private Gärten bilden ein weitläufiges Netzwerk, das der Stadt 2019 den Titel „National Park City“ eingebracht hat. Heute gilt London als eine der grünsten Metropolen der Welt und als wegweisend, wie das Zusammenleben von Mensch und Tier künftig gelingen kann.

Die „Universum“-Dokumentation „Wildes London“ – eine Produktion von Passion Planet Limited im Auftrag der BBC in Zusammenarbeit mit WNET – eröffnet eine neue Perspektive auf die pulsierende Megacity und lädt dazu ein, die eigene Umgebung mit anderen Augen zu sehen. Denn die vielleicht wichtigste Erkenntnis dieses Films lautet so einfach wie überraschend: Wer die Wunder der Natur entdecken will, muss nicht ans Ende der Welt reisen. Manchmal geschehen sie direkt vor unserer eigenen Haustür.