
Klang der Erinnerung - Orchesterspuren von München bis Tel Aviv
Ein Orchester, von dessen Existenz heute kaum jemand weiß, steht im Zentrum dieser Dokumentation. Im Herbst 1931 gründete der Dirigent Franz Adam in München das „Nationalsozialistische Reichs-Symphonie-Orchester“. Das aus arbeitslosen Musikern zusammengestellte Orchester entwickelte sich bald zu einem Instrument nationalsozialistischer Propaganda.

Franz Adam, seit 1930 NSDAP-Mitglied, suchte die Nähe des Regimes und sicherte seinem Orchester schließlich staatliche Unterstützung. Ab 1936 war es in die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ eingegliedert. Die Musiker spielten auf Reichsparteitagen, tourten in Bussen durch deutsche Städte, traten in besetzten Gebieten und Lazaretten auf – bis das Orchester 1945 mit dem Ende des Krieges aufgelöst und Franz Adam interniert wurde.

Der Regisseur Axel Fuhrmann stellt dieser Geschichte die Entstehung des „Palestine Symphony Orchestra“ gegenüber, das 1936 vom polnischen Geiger Bronisław Huberman in Tel Aviv gegründet wurde. Das Orchester bestand aus jüdischen Musikerinnen und Musikern, die Bronisław Huberman vor dem drohenden Holocaust retten konnte. Mit der Staatsgründung Israels 1948 wurde daraus das Israel Philharmonic Orchestra.

Der Film zeichnet die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte beider Orchester nach und begleitet Joseph Bastian, den Chefdirigenten der Münchner Symphoniker, und den Geiger Linus Roth bei ihrer Spurensuche in München, Nürnberg und Tel Aviv. Sie erzählen von Musik als Propaganda, aber auch als Rettung und Zeichen von Humanismus. Denn während das „NS-Reichssymphonieorchester“ nach 1945 von der Bildfläche verschwand, wurde das Israel Philharmonic Orchestra zu einem Symbol des Überlebens – heuer blickt es auf 90 Jahre Orchestergeschichte zurück.
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Regie
Axel Fuhrmann