Österreichs immaterielles Kulturerbe:
ORF/Galore Films
Den Giggeler darf nur ein Unverheirateter spielen. Er steht für Fruchtbarkeit und neckt Hexen und Dorfschöne.
kulturMONTAG

Österreichs immaterielles Kulturerbe:

Von Brauch und Spiel

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Die Dokureihe widmet sich Bräuchen, Fertigkeiten und Traditionen, die nicht in Museen aufbewahrt, sondern von Menschen gelebt und weitergegeben werden.

Was tun, wenn der Winter nicht weichen will, Kinder an ihre guten Vorsätze erinnert werden müssen und die Weinernte eingebracht ist? Österreich kennt darauf seit Jahrhunderten eine ebenso einfache wie kreative Antwort: Man rastet aus!

In der Folge „Von Brauch und Spiel“ stellt Regisseurin und Produzentin Alexandra Venier mit ihrem Team drei Traditionen aus unterschiedlichen Regionen vor: das Öblarner Krampusspiel in der Steiermark, das Blochziehen in Fiss in Tirol und den Perchtoldsdorfer Hiataeinzug in Niederösterreich.

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Erntedank wird in Perchtoldsdorf seit Jahrhunderten gefeiert

Das Öblarner Krampusspiel ist kein gewöhnlicher Krampuslauf, sondern eines der letzten steirischen Volksschauspiele. Wenn Luzifer predigt, der Tod an die Vergänglichkeit erinnert und der heilige Nikolaus die Höllenbrut in ihre Schranken weist, treffen christliche Belehrung, vorchristliche Rituale und Theaterdonner aufeinander. Die Texte des Spiels wurden über Generationen mündlich weitergegeben.

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Das Öblarner Krampusspiel diente im 18. Jahrhundert vor allem der geistlichen und katholisch-religiösen Belehrung

In Fiss wird der Winter mit schwerem Gerät vertrieben: Alle vier Jahre ziehen rund 60 Männer einen etwa 30 Meter langen und sechs Tonnen schweren Zirbenstamm auf einem Schlitten durch das Dorf. Begleitet wird der „Bloch“ von Hexen, Bärentreibern und weiteren Figuren.

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Das Fisser Blochziehen gilt als Überbleibsel vorchristlicher Frühlings- und Fruchtbarkeitsfeste. Mit seinen überlieferten Ritualen bietet es im Dorfkern von Fiss ein begeisterndes Schauspiel.

Die kunstvollen Masken schnitzt der Fisser Bildhauer Siegfried Krismer; die Frauen des Dorfes schminken und kostümieren die Darsteller und verfassen Gstanzln über die Ereignisse der vergangenen Jahre.

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Bildhauer Siegfried Krismer, Jahrgang 1944, fertigt die meisten historischen Gesichtsmasken (Larven) für die Figuren des Umzugs

Der Perchtoldsdorfer Hiataeinzug erinnert an die Weinhüter, die einst die reifenden Trauben bewachten. Höhepunkt des Erntedankfests ist die mehr als drei Meter hohe und rund 80 Kilogramm schwere „Pritschn“. Der Pritschnträger muss sie durch den Ort tragen und dabei immer wieder rotieren lassen. Nach der Festmesse werden die Missgeschicke des vergangenen Jahres in Gstanzln besungen.

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Im Zentrum des Festes stehen die Weinhüter, „Hiata", die jedes Jahr eine einzigartige Erntekrone, die so genannte „Pritschn“, mit einem prächtigen Einzug in die Kirche tragen

Ob als Volksschauspiel, winterliches Ritual oder Erntedankfest: Die Bräuche bleiben lebendig, weil Menschen ihre Rollen übernehmen, Wissen weitergeben und gemeinsam dafür sorgen, dass das Spiel von Neuem beginnen kann.

Regie
Alexandra Venier
Stefan Domnanovich

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