
Österreichs immaterielles Kulturerbe
Von Freuden und Taumel
Die vom ORF koproduzierte Dokureihe Österreichs immaterielles Kulturerbe widmet sich Bräuchen, Fertigkeiten und Traditionen, die bis heute Teil des Alltags sind und zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehören. Regisseurin Alexandra Venier und ihr Team stellen in jeder Folge drei Traditionen aus unterschiedlichen Regionen Österreichs vor. Dabei begegnen sie Menschen, die überliefertes Wissen bewahren und neu interpretieren.
Die Folge Von Freuden und Taumel führt zur Wiener Heurigenkultur, zum Kranzelreiten nach Weitensfeld in Kärnten und zur Stinatzer Hochzeit im Burgenland. Was diese drei Bräuche verbindet, ist die Freude am gemeinsamen Feiern.

Beim Wiener Heurigen geht es um Wein, Essen und Musik und um eine ungezwungene Form des Zusammenseins. Schlichte Holztische, ein Föhrenbusch vor dem Haus und der Hinweis „ausg´steckt“, gehören ebenso zum Bild, wie die Musik. Genau genommen bezeichnet „Heuriger“ den jungen Wein der letzten Ernte. Der Ort, an dem er ausgeschenkt wird, heißt Buschenschank. Die Dokumentation besucht traditionsreiche Betriebe wie die 10er Marie in Ottakring, wo bereits seit 1740 ausgeschenkt wird, und stellt ihnen neue Formen der Buschenschank gegenüber.

Jutta Ambrositsch lotet mit ihrer „Buschenschank in Residence“ neue Möglichkeiten aus, während Winzer Fritz Wieninger und Spitzenkoch Juan Amador mit „Hans & Fritz“ Tradition und zeitgemäße Küche verbinden. Sängerin Agnes Palmisano und die Bravour Schrammeln führen zur musikalischen Seite der Heurigenkultur, die mit Dudler und Schrammelmusik seit jeher auch ein Ort des künstlerischen Austausches ist.

In Weitensfeld im Kärntner Gurktal steht mit dem Kranzelreiten ein Brauch im Mittelpunkt, dessen Überlieferung bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Eine Pestepidemie soll damals den Ort beinahe ausgelöscht haben. Nur drei Bürgersöhne und ein Burgfräulein sollen überlebt haben. Weil alle drei Männer die eine Frau heiraten wollten, musste ein Wettlauf entscheiden. Der Überlieferung nach geht das Kranzelreiten auf diesen Wettlauf zurück.

Bis heute übernimmt die Dorfgemeinschaft zu Pfingsten für mehrere Tage traditionelle Rollen und folgt einem geregelten Ablauf. Reiter ziehen durch die Straßen, singen Gstanzln und treten schließlich zum traditionellen Wettlauf an. Das Kranzelreiten gehört bis heute zu den wichtigsten gemeinschaftlichen Ereignissen des Ortes.

Im südburgenländischen Stinatz verbindet die traditionelle Hochzeit Sprache, Volkslieder, Tänze und Handwerk der burgenländischen Kroatinnen und Kroaten. Männer tragen Pfauenfedern am Hut, Frauen eine aufwändige Hochzeitstracht, und die gesamte Dorfgemeinschaft feiert mit. Eine zentrale Rolle spielen Kränzler und Kränzlerin, die das Brautpaar begleiten und den Hochzeitszug anführen. Zur Tradition gehört auch der handgefertigte Kranz der Kränzlerin. Nach der Trauung wird die Straße zum Festplatz: Es wird gesungen und getanzt, Gläser zerspringen und sollen dem jungen Paar Glück bringen.

Die Tradition geht auf jene Kroatinnen und Kroaten zurück, die im 16. Jahrhundert im Zuge der Türkenkriege ins heutige Burgenland umgesiedelt wurden. Bis heute werden Sprache, Musik und Handwerk weitergegeben – auch wenn sich einzelne Elemente der Hochzeit im Lauf der Zeit verändert haben.
Österreichs immaterielles Kulturerbe - Von Freuden und Taumel zeigt drei unterschiedliche Traditionen, die eines gemeinsam haben: sie bleiben erhalten, weil Menschen sie weitergeben, pflegen und immer wieder neugestalten.
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