
Alarm
Sie wuchs neben einer Feuerwehrstation auf, das Heulen der Sirenen war so etwas wie der Soundtrack ihrer Kindheit: die Faszination für Menschen in ständiger Alarmbereitschaft hat Regisseurin Judith Zdesar nicht mehr losgelassen. In ihrer Doku begleitet sie die freiwilligen Feuerwehrleute von Wiener Neustadt bei Einsätzen, Übungen und in der Wartezeit dazwischen.

Sie schildert eine Welt, in der der Ausnahmezustand Normalität ist; eine Welt in der sich nicht voraussagen lässt, wann ein Einsatz bevorsteht und es doch eine Gewissheit gibt: die nächste Katastrophe kommt bestimmt. „Alarm“ ist ein Film über Grenzerfahrungen, die zusammenschweißen und über Solidarität, die Generationen verbindet.

Unsere Welt steht in Flammen, was ist also naheliegender als jenen ein Denkmal zu setzen, die zur Stelle sind, wenn es wieder einmal brennt, mag sich Regisseurin Zdesar gedacht haben. Doch sie ist nicht nur bei der Feuerbekämpfung mit ihrer Kamera zur Stelle, sondern zeichnet darüber hinaus ein facettenreiches Feld an Arbeitsabläufen und Zuständigkeiten: wie ist die Freiwillige Feuerwehr im Inneren organisiert? Wie wird Nachwuchs rekrutiert und ausgebildet? Wie werden Grenzerfahrungen durch eingeübte Routine bewältigt? Und wie können erlittene Traumata verarbeitet werden?

Eine besondere Herausforderung für die zum Teil sehr jungen Einsatzleute ist es, sich gegen das Ungewisse zu wappnen, in dem sich Abgründe und menschliche Tragödien auftun können. Einer der emotionalsten Momente des Films ist jene Szene, in der eine alleinlebende Frau die Anrufe ihrer Tochter nicht mehr entgegennimmt: eine Tür muss aufgebrochen werden, alles muss sehr schnell gehen, kein Fehler darf unterlaufen. Niemand weiß, was sich hinter der Tür verbirgt.

Judith Zdesar verzichtet freilich auf jedes voyeuristische Spektakel, bedient keine Schaulust. Sie wahrt mit ihrer Kamera Distanz, wo es nötig ist und zollt so den Heldinnen und Helden des Alltags Respekt.
Regie
Judith Zdesar