Cecilia McGough hält ein Plakat hoch, das für einen differenzierten Umgang mit Schizophrenie und gegen deren Stigmatisierung wirbt.
ORF/Pangloss Films
Heute spricht Cecilia McGough offen über ihr Leben mit Schizophrenie und engagiert sich gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen.
'Bewusst gesund: Unter Druck - Wie Stress uns krank macht'

kreuz & quer

Mysterium Psyche - Von Dämonen und Diagnosen

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Zu allen Zeiten und in allen Kulturen suchen Menschen nach Erklärungen für Halluzinationen, Ängste und andere Gemütszustände, die heute als „psychische Erkrankung“ bezeichnet werden. Doch was gilt überhaupt als krank und warum? Die neue Dokumentation „Mysterium Psyche – Von Dämonen und Diagnosen“ von Edna Alburquerque und Peter Yost (ORF-Bearbeitung: Sabine Aßmann), die „kreuz & quer“ im Rahmen der ORF-„Bewusst gesund“-Initiative „Unter Druck – Wie Stress uns krank macht“ zeigt, folgt der Einordnung, Bewertung und Behandlung von Erkrankungen der Psyche quer durch die Geschichte. Zugleich erzählen drei betroffene Frauen offen von ihrem Leben mit Schizophrenie, mit einer Zwangsstörung und mit einer seltenen Autoimmunerkrankung.

Von der antiken Humorallehre über religiöse Vorstellungen von Besessenheit bis hin zur modernen Hirnforschung: Die Geschichte psychischer Erkrankungen ist eine Geschichte wechselnder Erklärungsversuche. Im Umfeld des griechischen Arztes Hippokrates entsteht die Vorstellung, dass das Gehirn der Sitz von „Wahnsinn“ und wirren Gedanken sei. Doch was als krank oder normal gilt, ist stets auch von gesellschaftlichen Normen und kulturellen Vorstellungen geprägt. Im 19. und 20. Jahrhundert wird verstärkt nach biologischen Ursachen geforscht. Man hat entdeckt, dass die damals weit verbreitete sogenannte „Progressive Paralyse“ keine Form von Wahnsinn ist, sondern vielmehr Folge einer Syphiliserkrankung der Betroffenen. Das weckt die Hoffnung, auch andere, wenn nicht gar alle psychischen Erkrankungen auf körperliche Ursachen zurückführen zu können. Sigmund Freud wiederum nimmt unbewusste Erfahrungen und Konflikte in den Fokus.

Bis heute bleibt das Verhältnis zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren komplex. „Wir wissen mehr als je zuvor, aber es gibt immer noch vieles, das wir nicht wissen“, erklärt etwa der Psychiater Jeffrey Lieberman in der Dokumentation. Was das letztlich für das Leben von Betroffenen bedeutet, zeigen drei Geschichten: Cecilia McGough lebt seit ihrer Kindheit mit Halluzinationen und spricht heute offen über ihre Schizophrenie. Ginny Fuchs kämpft mit einer schweren Zwangsstörung und sucht mit Hilfe ihrer Therapeutin nach Wegen, ihre Zwänge zu kontrollieren. Bei Lorina Gutierrez wiederum entpuppen sich vermeintlich psychiatrische Symptome als Folge einer seltenen Autoimmunerkrankung. Die Erfahrungen der drei Frauen machen auch deutlich, wie schwer es für Betroffene sein kann, sich zu öffnen und Hilfe zu suchen. Denn bis heute sind psychische Erkrankungen oft mit sozialer Stigmatisierung verbunden.

Die Dokumentation ist Teil des ORF-Programmschwerpunkts rund um den Welttag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober, der das öffentliche Bewusstsein für psychische Erkrankungen stärken und zu einem offenen Umgang mit dem Thema beitragen will.

Gestaltung

Edna Alburquerque

Peter Yost

Redaktion

Irene Klissenbauer