
Georges Bizet - Carmen
Sie gilt als Inbegriff des Freiheitsdenkens – und als eine der gefährlichsten Figuren der Opernliteratur: Carmen. In der Neuinszenierung der Salzburger Festspiele 2026 wird Bizets Meisterwerk zum Hochspannungs-Drama über Begehren, Abhängigkeit und den Moment, in dem Liebe in Besitz umschlägt.

Ein einziger Blumenwurf genügt – und Don José (Jonathan Tetelman), eben noch pflichtbewusst und verwurzelt in Ordnung und Herkunft, gerät in eine Spirale, der er nicht mehr entkommt.

Ein letzter Ruf aus der Heimat erreicht ihn durch Micaëla (Kristina Mkhitaryan) – doch gegen Carmen (Asmik Grigorian), die sich nicht festlegen lässt, wirkt jede Sicherheit plötzlich fragil. Als Carmen sich abwendet und sich dem Stierkämpfer Escamillo (Davide Luciano) zuwendet, steuert alles auf die Katastrophe zu.

Bizets Musik zeichnet diese Kräfte präzise nach: Josés Linien verdichten sich zum leidenschaftlichen, zunehmend aggressiven Ausdruck, während Carmens Klangwelt mit idiomatischen Farben und populären Anklängen die Aura des Unfassbaren erzeugt – verführerisch und beunruhigend zugleich.

Regie und Choreografie übernimmt Gabriela Carrizo (Peeping Tom): starke Körperlichkeit, poetische Bilder, ein Blick in die Psyche – und auf jene Rollenbilder und Umfelder, die die Dynamik mit antreiben.

Am Pult steht Teodor Currentzis, der Bizets Partitur nicht dekorativ ausstellt, sondern zuspitzt: mit schneidender Präzision, scharfen Kontrasten und einem Puls, der die Musik unter Hochspannung setzt.

Für die Bildregie der TV-Übertragung zeichnet Michael Beyer verantwortlich, durch den Opernabend führen Teresa Vogl (ORF) und Rebecca Donauer (ARTE).