Fledermaus unter dem Regenbogen
Pünktlich zum „Pride Month“ sorgt die Wiener Volksoper für Aufsehen. Tom Neuwirth, der ehemalige ESC-Sieger besser bekannt als Conchita Wurst, steht als „Frosch“ in der legendären „Fledermaus“ auf der Bühne.

Es ist eine echte Kultrolle und sicher eine der schillerndsten Figuren des Strauß-Klassikers. Die Rolle des betrunkenen Gerichtsdieners Frosch, die eine reine Sprechrolle ist, wird traditionell von prominenten Schauspielern verkörpert. Etwa von Hans Moser oder Karl Farkas, von Peter Simonischek oder Michael Niavarani, von Stefanie Reinsperger oder Sigrid Hauser.

Nun darf man also auf Tom Neuwirth gespannt sein, der wohl eine ganz eigene Note in diesen gemütlichen, korrupten wie tiefenentspannten Charakter bringen wird. Dem „Hochprozentigen“ nicht abgeneigt, ist der Frosch trotz oder gerade wegen seines Zustands ein scharfer Beobachter. Als Philosoph und Komödiant bringt er die herrschenden Verhältnisse zwischen Amtsschimmel und menschlichen Schwächen pointiert auf den Punkt.

Mit einer modernen, queeren Perspektive will Intendantin Lotte de Beer der Operette frischen Wind einhauchen. Gleichzeitig ein klares Zeichen für Vielfalt setzen, gerade in einer Zeit, in der queeres Leben international erneut vermehrt unter Druck gerät. In einer eigens für die Volksoper geschaffenen Textfassung von Jürgen Bauer und Moritz Franz Beichl gerät die „Fledermaus“ zu einem hochaktuellen, pointierten und humorvoll-bissigen Spiel über Liebe, Identität und gesellschaftliche Normen.
TV-Beitrag: Julia Fellerer