Der Fürst & seine Erben
Keine Frage, schon das Cover des neuen Buchs „Der Fürst und seine Erben“ von Starphilosoph Peter Sloterijk ist ein echter Eyecatcher. Es zeigt Donald Trump als mächtigen Renaissance-Fürsten.

Für den 78-jährigen deutschen Publizisten, der in seinen Texten und Aussagen immer wieder gerne provoziert, steht der amtierende US-Präsident vor Wladimir Putin oder Viktor Orbán an der Spitze einer Erbengemeinschaft starker Männer, die Niccolò Machiavellis scharfes Gedankengut in der Gegenwart fortführen. „Politischer Amoralismus“ ist laut Sloterdijk der zentrale Wesenszug des erfolgreichen Herrschertyps. Anders gesagt: bloß keine Skrupel! Fürsten lügen, betrügen und töten von Amts wegen.

Schon länger ist klar, dass der Liberalismus nicht unumstößlich auf dem Thron sitzt und Demokratie und Marktwirtschaft das für alle Zukunft festgeschriebene Regierungsmodell der Welt ist, wie der Geschichtsoptimist Francis Fukuyama nach dem Fall des Eisernen Vorhangs glaubte. Viele Beobachter messen die aktuellen Ereignisse in den USA an den faschistischen Diktaturen. Demgegenüber wendet sich der Philosoph aus Karlsruhe dem Italien der Hochrenaissance zu. Genauer gesagt dem Hand- und Hausbuch aller absolutistischen Alphatiere: „Il Principe“ oder „Der Fürst“, verfasst von Niccolò Machiavelli, der um 1500 ein hoher Staatsbeamter der Noch-Republik Florenz war. Parallelen zwischen Machiavellis Herrschertyp und dem US-Potentaten erkannten schon andere Autoren.

Sloterdijk konzentriert sich allerdings auf einen weniger beachteten Punkt: Wie schaffen es Trump und Co., Gesellschaften für ihre Ellenbogenpolitik zu begeistern? „I am the chosen one“, er sei der Auserwählte, erklärte der frühere Immobilienmogul während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus. Seit den Königen von Babylon oder Roms Gottkaisern à la Nero suchen Staatenlenker Rückhalt für ihr totalitäres Tun. „Führervergrößerung durch Signale aus dem Jenseits“ nennt das der deutsche Philosoph.
Katja Gasser trifft Peter Sloterdijk zum Gespräch über Männer & die Macht.
TV-Beitrag: Katja Gasser