Schlaraffenland der Zukunft
Vier Jahre lang war der Tiroler Fotograf Gregor Sailer für sein jüngstes Projekt unterwegs – von der Arktis bis nach Afrika. Mit seiner Großformatkamera hat er Orte besucht, die kaum jemand zu sehen bekommt: vollautomatisierte Insektenfarmen, abgelegene Gewächshäuser und wissenschaftliche Forschungsinstitute, in denen an der Ernährung der Zukunft gearbeitet wird.

„Cockaigne“ nennt Sailer seine neue Fotoserie, die aktuell im Naturhistorischen Museum Wien zu sehen ist. Der Begriff stammt aus dem Mittelalter und bezeichnet ein mythisches Schlaraffenland, in dem die Menschen Nahrung im Überfluss haben. Sailer überträgt diese Idee in die Gegenwart und möchte mit seinen Bildern zum Nachdenken anregen. Darüber, wie realistisch dieses Versprechen heute ist.

Seine streng komponierten Aufnahmen zeigen Orte wie eine Algenfarm im niederösterreichischen Bruck an der Leitha und die größte vertikale Insektenfarm in Amiens in Frankreich. Algen, Mehlwürmer, aber auch Mikroorganismen sind als alternative Proteinquellen längst Teil unserer Nahrungskette.

Gleichzeitig führt Sailer in Gegenden, die kaum von diesen Technologien profitieren. In einem der größten und ältesten Flüchtlingscamps der Welt, in Kakuma in Kenia versuchen die Menschen mit einfachen Mitteln, den Boden urbar zu machen, während ein Schiffscontainer 250 Kilometer nördlich des Polarkreises zum Gewächshaus wird.

Von der Food Dessert reist Sailer zum Food Forest in Marokko, wo sich dem Fotografen ein mögliches Gegenbild zur technisierten Vision des Schlaraffenlands eröffnet.

Der kulturMONTAG traf Gregor Sailer in seiner Ausstellung im NHM.
TV-Beitrag: Nicola Eller