Die Frau als Mensch
Männliches Imponiergehabe ist Ulli Lust seit Kindertagen suspekt. Mit ihrem aktuellen Buch „Die Frau als Mensch“ beleuchtet die gebürtige Wienerin mit Wohnsitz in Berlin 10 000 Jahre menschlicher und gesellschaftlicher Entwicklung – und rückt dabei die Frau ins Zentrum ihrer Graphic Novel.

Statt um namhafte Protagonist:innen der Weltgeschichte dreht sich „Die Frau als Mensch“ um ein sonst wenig beleuchtetes Thema: die Rolle der Frau in der Eiszeit. Akribisch begibt sich Lust auf eine prähistorische Spurensuche, hinterfragt die dominante Geschichtsschreibung und räumt anhand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse mit den Mythen über die Steinzeitfrau auf.

„Die Frau als Mensch“ ist ein visuelles Manifest und ein künstlerischer Aufschrei gegen die Unsichtbarkeit der Frauen in der Geschichte. Frauen als Jägerinnen, Künstlerinnen, Schöpferinnen – Ulli Lust entlarvt patriarchale Mythen und zeigt: In der Steinzeit gab es mehr Gleichberechtigung als wir denken.

Ihr Werk reiht sich ein in die große Tradition feministischer Künstlerinnen in Österreich, die Grenzen überschreiten und historische Narrative neu schreiben – von Valie Export und Maria Lassnig bis zu Elke Silvia Krystufek.

Während Themen wie Rückschritte in der Emanzipation, Misogynie und Femizide aktuell Schlagzeilen bestimmen, liefert „Die Frau als Mensch“ den Stoff für eine längst überfällige Diskussion.
TV-Beitrag: Nico Weber