Wachablöse im KHM

Jonathan Fine übernimmt den Musentempel

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Seit Wochen wurde gerätselt, die Gerüchteküche ordentlich angeheizt, jetzt ist die Katze aus dem Sack: Jonathan Fine, zurzeit Direktor des Weltmuseums in Wien wird der neue Herr im Reich der Kunst – und der kulturhistorischen Sammlungen, die zu den größten und bedeutendsten der Welt zählen.

Jonathan Fine
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Insgesamt hatten sich 20 Personen für die Stelle beworben, davon 10 Männer und 10 Frauen, 6 aus Österreich und 14 aus dem Ausland. Der gebürtige New Yorker wolle sich brennenden Themen, mit denen sich Museen heute auseinandersetzen müssen, stellen, sich gesellschaftlichen Fragen widmen und dennoch nicht die ureigenen Aufgaben vergessen. Damit hat er Staatssekretärin Andrea Mayer überzeugt. Am 1. Jänner 2025 ist es dann so weit, wenn sich Langzeit-KHM-General-Direktorin Sabine Haag in den Ruhestand begibt. Dann hat die Bregenzerin 15 Jahre lang das Kunstimperium, das mit einem satten Budget von 24 Millionen Euro ausgestattet ist, geleitet.

Sabine Haag im KHM
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Kritische Stimmen monieren, dass Haag - abgesehen von ihrem Herzensprojekt, der Kunstkammer - das Kunsthistorische Museum eher verwaltet als gestaltet hat. Bauliche Veränderungen, wie zum Beispiel den Eingangsbereich besucherfreundlicher zu gestalten oder auch die Ausstellungsflächen zu erweitern, all das wollte Haag zwar in Angriff nehmen, doch es fehlte zum einen an Geld, zum anderen scheiterte es am Unwillen der Burghauptmannschaft. Schätze aus fünf Jahrtausenden birgt das Haus am Ring, das Kaiser Franz Joseph 1891 feierlich eröffnen ließ. Von der Zeit des Alten Ägypten über die griechische Antike bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. In der Gemäldegalerie sind die Superstars der Kunstgeschichte versammelt: einzigartige Meisterwerke von Arcimboldo, Bruegel, Caravaggio, Raffael, Rubens, Velázquez und Vermeer. Zum KHM-Museums-Verband zählen u.a. die kaiserliche Wagenburg, Schloss Ambras in Innsbruck, die Hof Jagd- und Rüstkammer oder auch das Weltmuseum in der Neuen Burg.

Weltmuseum innen
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Jenes Museum, das er 2021 übernommen hatte, war für Fine sichtlich kein Stolperstein, sondern ein Passierschein für das Reich am Burgring.

Der 54-Jährige ist in Manhattan aufgewachsen, in einer Zeit als die Mülltonnen brannten und im Central Park Dealer wohnten. Geld spielte in Jonathan Fines Familie keine Rolle und so studierte er Jus in Chicago und arbeitete als Jurist im Bereich der Menschenrechte. Davor hatte er ein Studium der Geschichts- und Literaturwissenschaften abgeschlossen, ehe er sich der Kunst- und Kulturwissenschaft zuwandte. Sein Schwerpunkt ist die Afrikanische Kunst.

Jonathan Fine vor dem KHM
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Was die Kunstschätze in seinem neuen Wirkungsbereich betrifft, ist das KHM ein Museum von Weltrang. Doch hat es in den letzten Jahren, trotz imposanter und viel beachteter Sonder-Ausstellungen, wie von dem britischen Superstar Lucian Freud oder aktuell „Die nackten Meister“ von Zeitgenosse Georg Baselitz im internationalen Ranking an Weltgeltung verloren. Wie lässt sich ein solches Haus ins die Zukunft katapultieren und die Wahrnehmung stärken? Welche Visionen hat der neue Herr der Alten Meister? Welche Baustellen will er in Angriff nehmen? Was fasziniert ihn an Caravaggio, Cellini & Co? Darüber spricht Peter Schneeberger live im Studio mit Jonathan Fine.

TV-Beitrag: Harald Wilde

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