zeit.geschichte

Baumeister der Republik - Die Landeshauptleute: Theodor Kery

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Theodor Kery prägte in seinen zwei Jahrzehnten als Landeshauptmann das Burgenland wie kaum ein anderer Politiker. Die ORF-III-Neuproduktion zeichnet das Bild eines Landerneuerers, der alle Höhen und Tiefen einer langen Politikerlaufbahn mitmachte. Er gilt als der Modernisierer des als rückständig geltenden Landes zwischen Neusiedl und Güssing, das in seiner Amtszeit einen enormen Aufschwung erlebte. Nachdem 1964 das Land die SPÖ gewählt hatte, wurde Kery zwei Jahre später zweiter roter Landeshauptmann. Insgesamt vier Mal konnte er der SPÖ die Absolute sichern. Trotz toller Wahlerfolge spitzte sich in jenem Jahr aber auch die innerparteiliche Kritik an seinem autoritären Führungsstil zu. Sie mündete in den berühmten "drei Fragen" des damaligen Jungfunktionärs Josef Cap: "Stimmt es, dass dein Einkommen wirklich um so vieles größer ist als das Einkommen des Bundeskanzlers? Stimmt es, dass du trotzdem verbilligten Strom beziehst? Stimmt es, dass du gerne mit Pistolen schießt?" Kery überstand Caps Inquisition, fünf Jahre später jedoch verlor er die Absolute. Er zog sich daraufhin ins Privatleben zurück. In den 1990er Jahren stand er noch einmal im Scheinwerferlicht, als er wegen falscher Zeugenaussage in der Waldheim-Affäre verurteilt wurde. Er hatte bestritten, dass Fred Sinowatz 1985 im SPÖ-Parteivorstand angekündigt hatte, die österreichische Bevölkerung auf Waldheims "braune Vergangenheit" aufmerksam machen zu wollen. Dabei teilte Kery diese mit dem umstrittenen Bundespräsidenten. Obwohl 1918 als Sohn eines ungarischen Kleinadeligen unter dem Namen Kery Tivadar in eine christlich-konservative Familie geboren, trat er später der SA und der NSDAP bei. Nach dem Krieg durfte er deswegen als "Minderbelasteter" erst ab 1947 als Lehrer in Kobersdorf arbeiten. Ab dann wandte er sich der SPÖ zu, für die er ab 1951 im Landtag und ab 1962 in der Landesregierung saß. 2010 starb Theodor Kery 91-jährig.

Regie

Wolfgang Winkler