zeit.geschichte

Verwüstet, zerstört, entrechtet: Das Novemberpogrom 1938

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Tausende verwüstete Geschäfte und niedergebrannte Synagogen, hunderte Tote, Auftakt für die Zerstörung des jüdischen Lebens in Deutschland und Österreich: ORF III erzählt den Exzess der Gewalt im November 1938 aus der unmittelbaren Sicht von Betroffenen und Augenzeugen.

Der Schauspieler Günter Lamprecht, legendär als Hauptdarsteller in "Berlin Alexanderplatz" und "Tatort"-Kommissar, geriet als achtjähriger Schüler in Berlin selbst in den Strudel der Ereignisse. Er war Sohn eines überzeugten SA-Mannes. Ein Schulfreund stiftete ihn an, mit ihm das Geschäft eines Tabakhändlers in der Nachbarschaft zu plündern. Erst nach dem Krieg realisierte Lamprecht, in welch verkehrter Welt er aufwuchs, und scheut sich heute nicht, dazu auch öffentlich Stellung zu beziehen.

Der bekannte Filmemacher Georg Stefan Troller erzählt, wie seine behütete Welt als 17-jähriger jüdischer Schüler in Wien ein abruptes Ende nahm. Sein Vater wurde verschleppt, die Wohnung von Nachbarn geplündert. Kurz darauf war Troller zur Flucht gezwungen. "Alles war auf einmal infrage gestellt", erinnert er sich heute, "was man lebenslang für selbstverständlich gehalten hatte."

Mit den Novemberpogromen vor über 80 Jahren, später zynisch zur "Reichskristallnacht" verharmlost, eröffneten die nationalsozialistischen Machthaber, nach einem tödlichen Attentat auf einen deutschen Gesandten in Paris, die Menschenjagd auf die zuvor schon entrechtete jüdische Minderheit. Eine bis dahin unvorstellbare Woge der Zerstörung, Brandstiftung und Plünderung offenbarte den menschenverachtenden Charakter des Nazi-Regimes. Die Internierung von 30 000 jüdischen Männern in Konzentrationslagern zielte auf die systematische Vertreibung der deutschen Juden aus dem Deutschen Reich. Teils noch unveröffentlichte Filmfunde, etwa aus Speyer oder Esslingen, belegen, wie die Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger damals im ganzen Land, am helllichten Tag, vor aller Augen geschah.

Regie

Gordian Maugg