Der Gemeindebau - Eine Institution schreibt Geschichte (2/2)

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Der Zweite Weltkrieg stellt eine Zäsur dar - auch für den Sozialen Wohnbau Österreichs. Erst 1947 nahm die Stadt Wien ihre Wohnbautätigkeit wieder auf. Die Nachkriegszeit mit ihren Babyboomern war wieder gezeichnet von Wohnungsknappheit. Es war wichtig, möglichst viel Wohnraum in möglichst kurzer Zeit zu errichten. Bis 1970 wurden auf diese Weise 96.000 Wohnungen geschaffen. Die Gemeindebauten waren aber mehr als nur günstiger Wohnraum. Sie und ihre Bewohner gingen im Laufe der Zeit als Topos - verewigt in Filmen, Serien und Liedern - in das Bewusstsein der Österreicher über.
Von Wolfgang Ambros' "Du bist die Blume aus dem Gemeindebau" bis zu Harald Sicheritz' bitterböser Kultkomödie "Muttertag". Und auch Karl Markovics' vielfach preisgekrönter Film "Atmen" wurde in einer Wohnhausanlage am Rennbahnweg im 22. Bezirk gedreht. Der Soziale Wohnbau war Zeit seines Bestehens Innovationsträger. Auch das erste Hochhaus der Gemeinde Wien war ein Gemeindebau. Das Matzleinsdorfer Hochaus (1954-1957) im 5. Bezirk war mit seinen fast 70m Wiens modernster Gemeindebau mit Zentralheizung, Müllabwurf auf jeder Etage und Tanzcafé im Dachgeschoß. Entsprechend hoch war die Promi-Dichte. Neben Fernsehdirektor und späterem Bürgermeister Helmut Zilk wohnte auch der damalige Kurier-Chefredakteur Hans Dichand eine Zeit lang im Matzleinsdorfer Hochhaus. Auch das berühmte "Hundertwasserhaus" (1983 - 1985), Anziehungspunkt für Touristen und Kunst-Interessierte Wiener gleichermaßen, ist ebenfalls ein Gemeindebau. Heute besitzt die Stadt Wien ca. 220.000 Gemeindewohnungen und ist somit die größte Hausverwaltung Europas.