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Papst in der Slowakei: Zwischen Jubel, Gedenken und Verwunderung

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Papst in der Slowakei | Papst in Budapest | Minoritenkirche an Piusbruderschaft | Erinnerungen an Jozsef Mindszenty | „Göttliche Komödie“

Papst in der Slowakei: Zwischen Jubel, Gedenken und Verwunderung

Es war ein rund viertägiger Besuch von Papst Franziskus, der im Vorfeld teils für Rätselraten und Verwunderung gesorgt hatte: seine Visite in der Slowakei, wo sich zwar mehr als zwei Drittel der Bevölkerung zum katholischen Glauben bekennen, viele aber – vor allem Kleriker – dem Pontifex distanziert bis kritisch gegenüberstehen.

Sein Programm absolvierte Franziskus unbeirrt davon „nach Plan“: In der Hauptstadt Bratislava traf er mit der Staatspräsidentin und Vertretern und Vertreterinnen der Zivilgesellschaft zusammen.

Eindringlich warnte er vor einer Spaltung der Gesellschaft, in der Slowakei und im Rest Europas. Solidarität bekundete der Pontifex bei einem Treffen mit der jüdischen Gemeinde in der slowakischen Hauptstadt.

Viele sehen darin so etwas wie einen „Wiedergutmachungsversuch“ für dunkle Kapitel in der Geschichte der katholischen Kirche des Landes, als der Priester Jozef Tiso in seiner Funktion als Staatspräsident – von 1939 bis 1945 – mit Nazi-Deutschland kollaborierte.

Bei einem Besuch in einer Roma-Siedlung in der Stadt Kosice im Osten des Landes prangerte Franziskus die Ausgrenzung der Roma in der Slowakei an. Also auch hier wieder, wie schon so oft auf seinen Reisen, eine Begegnung des Papstes mit Menschen am Rand der Gesellschaft.

Bericht: Maresi Engelmayer, Länge: 7 Minuten

Der Pontifex in Budapest: Kurzvisite anlässlich des Eucharistischen Weltkongresses

Dass Papst Franziskus und der national-konservative ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán einander nicht grün sind, ist kein Geheimnis. In zentralen Fragen wie etwa der Flüchtlingspolitik liegen ihre Standpunkte weit auseinander.

Am vergangenen Sonntag kam Franziskus nun nach Budapest – nicht, wie ausdrücklich betont wurde, um einen Staatsbesuch zu absolvieren, sondern zum Abschlussgottesdienst des Eucharistischen Weltkongresses.

Wer bei diesem Kurzbesuch eine große Papstschelte erwartet hatte, wurde freilich enttäuscht. Aber auch alle, die sich erhofft hatten, Franziskus würde einer „Verteidigung des christlichen Abendlandes“ à la Orbán seinen Segen erteilen, kam nicht auf seine oder ihre Kosten. Feine Ohren vernahmen in den Reden des Papstes sehr wohl Kritik und Mahnung.

Bericht: Christian Rathner, Länge: 2 Minuten

Der „sture“ Kardinal: Erinnerungen an Jozsef Mindszenty

Auch sein Name wurde erwähnt im Lauf des Kurzbesuchs von Papst Franziskus in Budapest: Kardinal Jozsef Mindszenty. Den einen gilt er bis heute als unbeugsame Symbolfigur im Kampf gegen den Kommunismus, die offen gegen Ungerechtigkeiten auftrat, dafür in einem Schauprozess verurteilt, inhaftiert und gefoltert wurde. Andere teilen die Einschätzung, er wäre durch seine „Sturheit“ zum Hindernis in späteren Dialogversuchen des Vatikan mit den kommunistischen Herrschern in Ungarn geworden.

Faktum ist: Mindszenty stellte sich anlässlich des Aufstandes gegen das kommunistische Regime 1956 an die Seite der Aufständischen, fand nach der Niederschlagung des Aufstands für viele Jahre Zuflucht in der US-amerikanischen Botschaft. Dort besuchte ihn – in diplomatischer Mission – auch Kardinal Franz König mehrfach.

1971 schließlich ging Mindszenty ins Exil nach Österreich, wo er 1975 starb. Sein Leichnam wurde vorerst in Mariazell bestattet. Nach dem Abzug der sowjetischen Besatzungsmacht aus Ungarn im Jahr 1991 fand er in seiner Heimat, in Esztergom, seine letzte Ruhestätte.

Bericht: Klaus Ther, Länge: 7 Minuten

Überraschende Schenkung: Piusbruderschaft übernimmt Wiener Minoritenkirche

Für die Priesterbruderschaft St. Pius X., kurz auch Piusbruderschaft genannt, war es ein kräftiges Lebenszeichen: Rund 650 Personen zogen am vergangenen Sonntag betend mit Fahnen durch den Ersten Bezirk in Wien. Eine Prozession, die schon lange geplant war. Dass nun auch die Minoritenkirche in das liturgische Feiern nach tridentinischem Ritus eingebunden wurde, ist einer erst kürzlich erfolgten Schenkung an die konservative Bruderschaft zu verdanken.

Eine Schenkung, die möglich wurde, weil sich die Minoritenkirche seit Josef II. in Besitz des Vereins „Italienische Kongregation" befindet und somit, ohne eine Erlaubnis der Erzdiözese Wien zu benötigen, von dieser Kongregation an die Priesterbruderschaft St. Pius X. übergeben werden konnte.

Die Piusbruderschaft sieht sich u.a. als Bewahrerin der bis vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil üblichen tridentinischen Liturgieform. Markant dabei: Der Priester steht mit dem Rücken zum Volk und die Texte werden auf Latein gesprochen.

Doch Papst Franziskus hat erst kürzlich das Feiern dieser „alten Messe“ massiv eingeschränkt. Demnach müssen zumindest die Lesungen in der jeweiligen Landessprache erfolgen. Eine tridentinische Messe, wie sie die Piusbrüder feiern, darf nur noch mit Erlaubnis der jeweiligen Ortsbischofs durchgeführt werden.

Diese Erlaubnis holt die Piusbruderschaft für ihre Gottesdienstfeiern freilich nicht ein und stellt sich damit recht deutlich gegen das Regelwerk der römisch-katholischen Kirche.

Die „Orientierung“ hat über einen Streit, der nun neuen Zündstoff bekommen hat, mit Jürgen Wegner, Prior der Priesterbruderschaft des Distrikts Wien gesprochen und dazu auch Michael Prüller, Pressesprecher der Erzdiözese Wien befragt.

Bericht: Marcus Marschalek, Lorenz Brunner; Länge: 4 Minuten

Solitär schafft Solitär: Dante Alighieris „Göttliche Komödie“

Er gilt als „großer Ungelesener“ der Weltliteratur und dennoch ist er weithin bekannt: Dante Alighieri. In einem Atemzug mit Homer, Ovid und Shakespeare wird er genannt. Zahlreiche Schriftsteller – von Balzac bis Beckett – haben sich auf ihn bezogen.

Künstler wie Sandro Botticelli, William Blake oder August Rodin wurden von seiner Dichtung inspiriert. Dabei ist über Dante selbst erstaunlich wenig bekannt. Er stammte aus Florenz und war ein erfolgreicher Lokalpolitiker, geriet dabei allerdings in zahlreiche Konflikte und musste schließlich ins Exil fliehen.

Um sein Leben ranken sich mehr Mythen als es verbriefte Fakten gibt. Vor allem die Jahre im Exil bleiben rätselhaft. Tatsache aber ist, dass er in dieser Zeit wohl sein bedeutendstes Werk geschrieben hat: Vor 700 Jahren, kurz vor seinem Tod, erschien die „Göttliche Komödie“.
„Dieses Werk ist ein Solitär und es ist das Werk eines Solitärs.

Es ist auch nicht fassbar als Gattung. Es hat kein Vorbild. Es ist ein Werk, das ganz und gar aus sich selbst heraus entstanden ist“, sagt der Romanist Karlheinz Stierle und fügt hinzu: „Dante ist in einer gewissen Weise durch das Exil zu seiner eigenen, ihm selbst verborgenen Identität als großer Dichter gekommen.“ Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Karlheinz Stierle mit Dante Alighieri und dessen Werk.

Zahlreiche Publikationen hat er dazu veröffentlicht, gerade eben arbeitet er an einer neuen. Ein „Orientierung“-Team hat ihn in Saarbrücken getroffen und mit ihm über Dante und sein größtes Meisterwerk, die „Göttliche Komödie“, gesprochen.

Bericht: Karoline Thaler, Länge: 7 Minuten

Moderation

Sandra Szabo

Redaktion

Norbert Steidl