22:38

VPS 22:30

AUT

Stereo

16:9

ORF 2 Europe

Länge: 55min

UT

tv.orf.at/menschenundmaechte

'Zum Holocaust-Gedenktag am 27.1.'

Menschen & Mächte

DIE KINDERRETTERIN UND DER MASSENMÖRDER

In Österreich ist sie kaum bekannt, ihre mutigen Rettungsaktionen während des 2.Weltkrieges weitgehend vergessen: Diana Budisavljević, vor 130 Jahren am 15. Jänner 1891 in Innsbruck als Diana Obexer geboren. Sie erlebt den Angriff der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien, der sich im April 2021 zum achtzigsten Mal jährt, in Zagreb.

Im Bild: Diana Budisavljević - Familienalbum, Foto: ORF/privat

Ein Vernichtungskrieg

Einmarsch und Bombardierung folgen Massenmorde und Deportationen von Serben, Juden und kroatischen Gegnern des Ustascha-Regimes. In Kroatien kollaboriert das faschistische Ustascha-Regime unter Ante Pavelic mit den deutschen Besatzern. Mehrere Terrorlager werden errichtet, darunter das KZ Jasenovac. Zu dieser Zeit lebt Diana Budisavljević mit ihrem Ehemann und den gemeinsamen Kindern in Zagreb. Sie ist mit einem aus Kroatien stammenden serbischen Arzt verheiratet, den sie 1917 in Innsbruck kennengelernt hatte.

Im Bild: Opfer Franz Böhmes – Serbien, Foto: ORF/Muzej Jugoslavije.

Mindestens 7500 serbische Kinder werden aus den Ustascha-KZs gerettet

Diana Budisavljević hört, dass in den Lagern viele Kinder an Unterernährung, Diarrhoe und Typhus sterben. Nach langwierigen und schwierigen Verhandlungen mit den Ustascha-Behörden, aber auch einzelnen deutschen Offizieren, darf sie serbische Kinder aus den Todesmühlen herausholen und sie an kroatische Familien übergeben, die sie adoptieren und zu Katholiken machen. Das ist die Bedingung des Ustascha-Regimes unter Ante Pavelic. Der mutigen Frau sollte es mit Hilfe von Wehrmachtsoffizieren wie Gustav von Kocian und anderen engagierten Helfern gelingen, mindestens 7500 serbische Kinder aus den Ustascha-KZs zu holen und damit vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Im Bild: Serbische Kinder im Lager Sisak/ Foto: ORF/Muzej Jugoslavije.

Doku-Gestalter Zoran Dobric fand noch ehemals gerettete Kinder, heute beeindruckende Zeitzeugen, die ihm über ihre Erlebnisse berichteten.

Im Bild: Jelena Radojčić -von Diana Budisavljevi gerettet, Foto: Im Bild: Jelena Radojčić -von Diana Budisavljevi gerettet/ Foto: ORF/Zoran Dobric

Diana rettet Leben, ein anderer Österreicher vernichtet Leben.

Von April bis Mai 1941 wütet der steirische Wehrmachtsoffizier Franz Böhme im besetzten Jugoslawien. Nach seinem Einsatz in Polen und Frankreich, wofür er mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurde, schickte ihn Hitler persönlich in das unterworfene Jugoslawien. Dort soll er den bewaffneten Widerstand der jugoslawischen Freiheitskämpfer unter Führung von Jozip Broz Tito niederschlagen. Böhme befiehlt blutigen, maßlosen Revanchismus für im Kampf mit den Partisanen getötete Wehrmachtssoldaten. Bis zu 30 000 Serben, Juden, Roma werden ermordet, überwiegend Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder.

Im Bild: Franz Böhme, Foto: ORF

Franz Böhme und Diana Budisavljević zwei Österreicher auf unterschiedlichen Seiten.

Während Böhme, 1947 in einem der Nürnberger Folgeprozesse angeklagt, vor der Verhandlung Selbstmord beging, wurde Diana Budisavljević nach dem 2.Weltkrieg weitgehend vergessen. Sie kehrte mit ihrem Ehemann 1972 nach Innsbruck zurück. Erst lange nach ihrem Tod, sie starb 1978 in Innsbruck, werden ihre mutigen Rettungsaktionen bekannt.

Im Bild: Jasenovac – Denkmal, Foto: ORF/Zoran Dobric.

ORF-Dokumentarist Zoran Dobric, mit strengen Corona-Einreise und Ausreisebestimmungen in Serbien, Kroatien, Bosnien und Österreich konfrontiert, hat diese beeindruckende Dokumentation unter schwierigsten Bedingungen gedreht. Zudem fand er bisher unbekannte Dokumente und Fotos. Seine Recherchen machen auch die Motive und Beweggründe des Handelns von Frau Budisavljevic`deutlich. Dobric: „Diana war eine enorm mutige Frau, deren Zivilcourage gerade auch heute Vorbild ist.“

Eine „Menschen und Mächte“ Dokumentation von Zoran Dobric.