23:05

Dokumentation

VPS 23:05

AUT 2019

Stereo

16:9

ORF 2 Europe

Länge: 53min

UT

tv.orf.at/dokfilm

dokFilm

Penissimo

(c) ORF

Schon kleine Buben beginnen sich an ihm – oder vielmehr ihn selbst - zu messen, manche hören damit nicht auf, auch wenn sie längst erwachsen sind. Wenn er steht, dann oft für Macht und militante Männlichkeit, kultisch überhöht in Religionen und alten Mythen. Doch wenn er fällt, kann das der Stoff für Dramen sein: Der Penis, zum einen verschämt versteckt wie andererseits als Phallus symbolträchtig zur Schau getragen. Regisseurin Gabi Schweiger, die 2019 "Viva la Vulva" vorlegte, beschäftigt sich nun mit dem vielzitierten "besten Stück" des Mannes. Keine Vermessung, sondern ein – zum Teil durchaus lustvolles – Hinterfragen von Klischees, männlichem Selbstwert und Ängsten und dessen, was es eigentlich bedeutet, ein moderner Mann zu sein.

Beine von vier nackten Männern mit Hüten vor ihren Penissen © NGF Geyrhalterfilm

Die Unsicherheit nagt. Bin ich normal? Was ist normal? "30 Zentimeter, wie vielleicht bisweilen kolportiert, sind es jedenfalls nicht", rückt Psychotherapeut und Männerberater Romeo Bisutti übersteigerte Vorstellungen auf ein realistisches Maß zurecht.

Romeo Bisutti © NGF Geyrhalterfilm

Romeo Bisutti

Ein Klischee bewahrheitet sich denn doch allzu oft: Männer sprechen nicht gerne – jedenfalls nicht über ihre Gefühle. Wenn Männer einschneidende, seelisch belastende Ereignisse wie etwa eine Trennung abtun, als handle es sich um einen verstauchten Fuß, dann macht das etwas mit ihnen: es macht sie krank, konstatiert Patrick Catuz, Kulturwissenschaftler und Produzent feministischer Pornografie. Fakt ist, dass Männer kürzer als Frauen leben, weil sie sich selbst und anderen Schwächen schlecht eingestehen können und wohl auch deswegen den Gang zu Ärzt*innen meiden.

Patrick Catuz im Boxstudio © NGF Geyrhalterfilm

Patrick Catuz im Boxstudio

Der Autor und Journalist Julian Dörr nennt da als Beispiel Umarmungen unter Männern. Weil dies eine gefühlsbetonte, ja zärtliche Geste sein kann, wird sie durch ostentatives Schulterklopfen auch gleich wieder relativiert. Es ist der harte, der militärische Mann, der selbst heute noch zum Idealbild stilisiert wird – die vielen Kriegerdenkmäler in aller Welt geben davon Zeugnis.

Julian Dörr in Berlin © NGF Geyrhalterfilm

Julian Dörr in Berlin

Aus einer vom Krieg geplagten Stadt, aus Damaskus, ist der Literat Jad Turjman vor einigen Jahren nach Österreich geflohen. Mit jugendlichen männlichen Migranten arbeitet er im Rahmen des Projekts Heroes, das Bewusstsein schaffen will – gegen die Unterdrückung von Frauen im Namen der Ehre durch Männer aus patriarchalen Kulturen.

Jad Turjman nach dem Schwimmen © NGF Geyrhalterfilm

Jad Turjman nach dem Schwimmen

Die Mainstream-Vorstellung von Männlichkeit definiere sich vor allem im Ausschlussverfahren, sagt der queere Journalist Steven Meyer: Männlich sei, wer nicht weiblich ist und seine Heterosexualität stets unter Beweis stellt. Homosexuellenfeindlichkeit sei daher immer auch Frauenfeindlichkeit.

Steven Meyer mit Regenschirm © NGF Geyrhalterfilm

Steven Meyer

Für die kulturhistorischen Betrachtungen des Männlichen und Phallischen kommt der französische Sexualwissenschaftler Marc Bonnard zu Wort.

DOKUMENTARFILM IN ÖSTERREICH

dok.at, die Interessensgemeinschaft Österreichischer Dokumentarfilm, ist der einzige professionelle Filmverband in Österreich, der sich gezielt für den Dokumentarfilm einsetzt.
Die Gruppe umfasst sowohl Regisseure und Regisseurinnen als auch Produktionsfirmen und versteht sich als film- und medienspezifische Lobby der Dokumentarfilmschaffenden in Österreich.

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