22:34

VPS 22:35

AUT

2-Ton Stereo

16:9

ORF 2 Europe

Länge: 45min

UT

Wiederholung am
12.10.2020, 12:15

tv.ORF.at/universum

'100 Jahre Volksabstimmung Kärnten'

Universum History

Kärnten-Folge der „Universum History“-Zeitgeschichteserie „Unser Österreich“ „Ein Jahrhundert unterm Mittagskogel / Stoletje pod Jepo“

Im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts „100 Jahre Kärntner Volksabstimmung“ mit u. a. der Übertragung des Festakts aus dem Wappensaal des Landhauses am 10. Oktober 2020 ab 9.55 Uhr in ORF 2 (Details unter presse.ORF.at) zeigt „Universum History“ am Freitag, dem 9. Oktober, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Dokumentation „Unser Österreich: Kärnten – Ein Jahrhundert unterm Mittagskogel / Koroška – Stoletje pod Jepo“.

Im Bild: Making of Familienfoto der Ressmans: Franc Ressmann sen. mit seiner Frau, seinen 8 Kindern und der Großmutter.

Im Mittelpunkt des Films von Robert Schabus und Andrina Mračnikar (szenische Regie) steht die außergewöhnliche Geschichte der kärntnerisch-slowenischen Familie Ressmann aus Ledenitzen/Ledince. Die „Universum History“-Produktion wird im Zweikanalton (deutsch und slowenisch) ausgestrahlt. Der Film entstand als Koproduktion von ORF, Graf Film und BMBF, gefördert von Zukunftsfonds der Republik Österreich, Land Kärnten und Carinthia Film Commission. Gedreht wurde u. a. in Klagenfurt, Ledenitzen, Petschnitzen, Finkenstein, Camporosso, Malborghetto, Pischeldorf und Maria Saal.

Mit „Alte Heimat Kärnten“ folgt um 23.20 Uhr ein „Menschen & Mächte“-Roadmovie des ehemaligen ORF-Reporters und Axel-Corti-Preisträgers 2020, Friedrich Orter.

Menschen im Bann des Nationalismus – die Geschichte Kärntens im 20. Jahrhundert ist davon dramatisch geprägt. Inmitten eines Kulturraums, der italienische, slowenische und deutsche Einflüsse hat, die hier über Jahrhunderte zusammenkamen, sorgte der Nationalismus für Narben, die erst mit dem Verständnis für ein vielsprachiges Europa langsam verheilen. Im 7. Jahrhundert als Karantanien von den Slawen gegründet, war es bis zum Ende der Donaumonarchie ein Kronland, das auch Gebiete des heutigen Italien und des heutigen Slowenien umfasst. Mit der Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg sorgte der Nationalismus des 20. Jahrhunderts für eine gespaltene Gesellschaft.

Mittendrin im Geschehen eines Jahrhunderts: der Hof der Familie Ressmann im Rosental am Fuß des Mittagskogels, eines Karawanken-Gipfels an der Grenze zu Slowenien und nahe Italien – eine Region, die im Lauf der Zeit gleich mehrfach militärisch umstritten war. Im Ersten Weltkrieg entstand unweit von hier die Front gegen Italien. Mit dem Ende der Monarchie lag ihr Hof in einem Gebiet, das vom neu gegründeten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen beansprucht wurde und erst nach der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 bei Österreich blieb.

Im Bild: Produzent Klaus Graf (li.) im Gespräch mit Hans Rehsmann, dem Enkel von Franc Ressmann sen.

Ausgrenzung aus dem eigenen Heimatland

ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner: „Österreichische Geschichte des 20. Jahrhunderts spürbar und begreifbar machen“

„Die österreichische Geschichte des 20. Jahrhunderts spürbar und begreifbar zu machen, ist unser erklärtes Ziel dieser Reihe“, sagte ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner und führte weiter aus: „Geschichte ist auch das, was Menschen oder Familien in einer größeren gesellschaftlichen Entwicklung erleben, wie jede große politische Entscheidung in einer Wechselwirkung Auswirkungen auf den einzelnen Menschen hat. Genau diese Schnittstelle macht Geschichte begreifbar und nahe. Am Ende dieser Doku-Reihe soll ein besseres Verständnis über die regionalen und nationalen Vorgänge der letzten 100 Jahre stehen: ein Gesamtbild, das aus vielen Schicksalen zusammengesetzt ist. Mein Dank gilt allen, die diese Idee umsetzten und dieses Wissen unserem Publikum weitergeben.“

Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser: „Es ist ein Muss, diesen Film zu sehen“

Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser dankte und gratulierte dem ORF und dem Filmteam für die großartige Umsetzung von „Unser Österreich – Kärnten/Koroška“: „Dieses ‚Universum History‘ ist ein Muss. Die Produktion ist deshalb so einzigartig, weil sie Geschichte anhand konkreter persönlicher Familienschicksale erlebbar macht. Der Film gehört gesehen, weil es gelungen ist, die Geschichte der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Durch die Unterstützung dieser Produktion investiert Kärnten über die eigene Geschichte in die Zukunft.“

ORF-Kärnten-Landesdirektorin Karin Bernhard: „Film macht klar, dass Mehrsprachigkeit Türen öffnen kann“

ORF-Kärnten-Landesdirektorin Karin Bernhard: „Der ORF Kärnten ist schon seit Jahrzenten als das ‚Alpe-Adria-Studio‘ bekannt und hat sich zum Ziel gesetzt, die Grenzen zu seinen Nachbarländern gedanklich für alle zu öffnen. Das Verständnis für die Kultur, die Vielfalt der Natur und die Besonderheiten der Menschen, die so nah an unserer Grenze leben, soll hier geweckt und verstärkt werden. In der Geschichte Kärntens kam es immer wieder zu Konflikten aufgrund der Mehrsprachigkeit in unserem Bundesland. Es herrschte die Angst über das Anderssein vor, des Nichtverstehens, aber auch der ständigen Ausgrenzung im eigenen Heimatland. Mit dieser ‚Universum History‘-Sendereihe wird eindrucksvoll dokumentiert, welche Konflikte sich innerhalb von 100 Jahren in einem kleinen Lebensraum abgespielt haben und dass erst im Laufe der Jahre mit dem EU-Gedanken das Konfliktpotenzial seine Kraft verloren hat. Diese Dokumentation macht vor allem klar, dass Mehrsprachigkeit Türen öffnen kann, wenn man das Land sowie die Kultur achtet und sich vor allem mit den dort lebenden Menschen intensiv auseinandersetzt.“

Produzent Klaus Graf: „Familie Ressmann war für uns ein Glücksfall“

Produzent Klaus Graf dankte dem ORF für das Vertrauen, als nicht auf Dokus spezialisierte Produktionsfirma diese sehr familienbezogene Geschichte erzählen zu können: „Es ist ein Privileg, dass wir Geschichte aufgreifen und für die Nachwelt im Bild behalten können. Die Familie Ressmann war für uns ein Glücksfall, die Ehrlichkeit und Authentizität, wie sie ihre Geschichte erzählt haben, war beeindruckend.“ Darüber hinaus zeigte sich Graf vom schauspielerischen Talent in der Familie – Franc Ressmann sen. wird im Film von seinem Enkel Hans Ressmann dargestellt – begeistert.

Im Bild: Juli 1945: Die Familie Ressmann kehrt nach ihrer Deportation im April 1942 wieder auf den Tratnikhof zurück. In der Mitte ist Franc sen., der von seinem Enkel Hans gespielt wird.

Das Familienschicksal der Ressmanns

Der Film begleitet ein außergewöhnliches Familienschicksal vom Ersten Weltkrieg bis heute. Der Lauf des 20. Jahrhunderts wird über vier Generationen anhand der Geschichte der kärntnerisch-slowenischen Familie aus Ledenitzen/Ledince erzählt: Die Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg von Franc Ressmann senior wurden von seinem Sohn Franc junior als Buch unter dem Titel „Rod pod Jepo“ (deutsch: „Eine slowenische Chronik aus Kärnten 1914–1945“) herausgegeben. Franc junior und seine Brüder Joško und Hajnžek berichten von ihrer Kindheit und Jugend im aufkeimenden Nationalsozialismus. 1942 wird die Familie Ressmann, wie Hunderte andere kärntnerisch-slowenische Familien auch, in ein Zwangsarbeitslager des NS-Regimes deportiert.

Ihr Zuhause, der Tratnikhof im Rosental, wird von sogenannten „Optanten“ aus Camporosso im Kanaltal übernommen. Diesen deutsch- und slowenischsprachigen Altösterreichern wurde angeboten, Italien zu verlassen und „heim ins Reich“ auf die frei gewordenen Höfe der deportierten Kärntner Sloweninnen und Slowenen zu siedeln. Nach Kriegsende kehren alle Mitglieder der Familie Ressmann heim auf ihren Hof. Die Kanaltaler Optanten gehen zurück nach Italien. Die Ressmanns, traumatisiert von Aussiedlung und Lagerhaft, müssen sich im Europa der Nachkriegszeit neu orientieren. Der Konflikt um die slowenische Minderheit in Kärnten schwelt lange und bricht im „Ortstafelsturm“ 1972 wieder mit Gewalt an die Oberfläche, ein verstörendes Erlebnis auch für Stefan Ressmann, heute Bauer am Tratnikhof. Es dauert Jahrzehnte, bis das Europa ohne Grenzen und das Dreiländereck Kärnten/Slowenien/Friaul als bereichernder, offener Kulturraum erlebt wird, was Stefan und seine Tochter Theresia, zweisprachige Volksschullehrerin, heute mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft Südkärntens blicken lässt.

Im Bild: Das Team bei den Dreharbeiten: Regisseur Robert Schabus, Kameramann Lukas Gnaiger, Stefanie Feodorow (Continuity), Tonmeister Georg Ulbing.