22:34

VPS 22:35

AUT

Stereo

16:9

ORF 2 Europe

Länge: 47min

UT

tv.ORF.at/universum

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Universum History

Rätsel der Steinzeit: Vom Jäger zum Bauern

Die Steinzeit ist eine Epoche voller Rätsel. Sie war entscheidend bei der Entwicklung des modernen Menschen. Werkzeuge, vor allem aber riesige Bauwerke aus Stein, etwa das berühmte Stonehenge, sind die einzigen erhaltenen Zeugnisse dieser Zeit.

Der Mensch als Jäger und Sammler

Die Steinzeit war aber auch Wendepunkt der Menschheitsgeschichte: Bis etwa 10.000 vor unserer Zeitrechnung waren die Menschen Jäger und Sammler – dann wurden sie sesshaft. Ackerbau und Viehzucht bedeuteten eine völlig neue Lebensweise und Gesellschaftsstruktur. Der erste Teil der aufwändigen Dokumentationen „Rätsel der Steinzeit“ macht sich auf eine faszinierende Spurensuche in die Vergangenheit der Menschheit.

Jahrhunderttausende-lang lebte der Mensch als Jäger und Sammler. Mit der Sesshaftwerdung um 10.000 vor Beginn unserer Zeitrechnung gab es einen dramatischen Wandel. Denn mit der Sesshaftigkeit änderten sich Ernährung, Fortpflanzung und Lebensweise. Der Mensch wurde zum Ackerbauern und Viehzüchter, begann, in Siedlungen und Dörfern auf engem Raum zu leben, und konnte sich durch das ausreichende Nahrungsangebot sowie das stabile Leben stärker vermehren als zuvor. Mehr noch: Im Neolithikum, der Jungsteinzeit, kam es zu einer ersten Bevölkerungsexplosion, die bis heute anhält, und die unser Leben seither prägt.

ORF/epo film/Toni Nemeth

Im Bild: Standing stones auf Orkney Island.

Mysteriöse Steinbauten

Diese Veränderung sei viel radikaler als der Beginn des digitalen Zeitalters oder die Industrialisierung, meint etwa der renommierte deutsche Prähistoriker Hermann Parzinger. Anhand von Genanalysen der Überreste von Haustieren und menschlicher Skelette konnte die Forschung nachweisen, dass sich die Bauern und ihre Nutztiere vom Nordwesten der heutigen Türkei über ganz Europa verbreitet haben.

Wesentliche Erkenntnisse liefern auch mysteriöse Steinbauten, die der Epoche ihren Namen verliehen haben: Steinreihen, Steinkreise, Steintische und bis zu 20 Meter hohe Monolithen. Wie, von wem und weshalb sie errichtet wurden, ist bis heute nicht vollständig erforscht. 1994 wurde in der Türkei die prähistorische Anlage Göbekli Tepe entdeckt. Der rund 12.000 Jahre alte Fundort besteht aus, rund 20 Tonnen, schweren Steinquadern, die mit kunstvollen Tierreliefs verziert sind. Göbekli Tepe gilt als Symbol für den Beginn der Jungsteinzeit und könnte auch die Megalith-Bauten in Europa inspiriert haben, die als Grab- oder Kultanlagen dienten. Große Wanderbewegungen aus dem Nahen Osten könnten diesen Kultur-Austausch ermöglicht haben. Schon Jäger und Sammler benutzten Seewege, um ferne Gegenden zu erkunden, später auch Bauern aus der Ägäis und Südanatolien. Sie besiedelten im Laufe von etwa 5000 Jahren weite Teile des heutigen Europas, von Malta über Nordfrankreich bis zu den britischen Inseln.

ORF/epo film/Toni Nemeth

Im Bild: Prof. Dr. Johannes Müller (Institut für Ur- und Frühgeschichte, Uni Kiel).

In Ungarn, Österreich oder Süddeutschland gibt es hingegen kein einziges Großsteinmonument, dafür Kreisgraben-Anlagen. So entdeckten Forscher mit Hilfe der Luftbildarchäologie in den 1980er Jahren im Donauraum kreisförmige Bodenveränderungen. Im Weinviertel konnten bislang 40 Kreisgraben-Anlagen nachgewiesen werden, eine davon in Puch bei Heldenberg.

Der erste Teil der Dokumentation „Rätsel der Steinzeit“ zeigt in Luftaufnahmen das imposante Ausmaß der Kreisgraben- und Steinbau-Anlagen. 3D-Animationen illustrieren fiktive Alltagsszenen. Renommierte Wissenschafter und Wissenschafterinnen erläutern die jüngsten Erkenntnisse über die Erforschung der Steinzeit, Experimentalarchäologen demonstrieren, wie die Menschen damals gelebt haben könnten.

ORF/epo film/Toni Nemeth

Im Bild: Steinreihen von Carnac, Frankreich.

(2. und letzter Teil am 25. September, ORF 2)