11:07

VPS 11:10

AUT

2-Ton Stereo

Tonspur für Sehbehinderte

16:9

ORF 2 Europe

Länge: 45min

UT

Wiederholung vom
08.10.2019, 20:15

tv.ORF.at/universum

Universum

Die wunderbare Welt des Weingartens

Weingärten sind ein jahrtausendealtes Kulturgut der Menschheit – doch kaum jemand weiß, dass sie auch ein Stück faszinierende Wildnis sind.

Gedreht in eindrucksvollen Weinbergen Österreichs, Deutschlands und Frankreichs porträtiert Franz Hafners neue „Universum“-Dokumentation „Die wunderbare Welt des Weingartens“ diese Naturjuwele und erzählt die Geschichte einer wilden Lebensgemeinschaft, in der Jäger und Gejagte auf engstem Raum miteinander leben – von gefräßigen Blattläusen über emsige Bienenfresser bis hin zum mysteriösen Ginster, der „Großkatze“ des Weingartens.

(c)ORF/Interspot Film/Franz Hafner

Weingärten bieten für eine erstaunlich große Zahl an Tier- und Pflanzenarten Lebensraum: ob Insekten, Vögel, Säugetiere, ob Ameisen, Bienenfresser, Kaninchen, Fuchs oder Dachs. Sie alle sind Teil der „Bühne Weingarten“ – vom Austreiben der Weinreben im Frühjahr über die heißen Sommermonate bis hin zur Weinlese im Herbst und den ersten Schneeflocken im Winter.

Angelockt vom unwiderstehlichen Geruch frischer Weinblätter kommen Rehe und ihre Kitze aus dem Wald: einmal, um die Blätter zu fressen, dann ein zweites Mal, um die süßen Trauben zu verzehren. Marienkäfer schützen die Reben vor Blattläusen. Sie fressen bis zu 50 pro Tag – wenn sie sich der Angriffe der Ameisen erwehren können. Denn Blattläuse trinken den Saft der Pflanzen, dabei verwerten sie nur die Aminosäure und scheiden Wasser und Zucker aus – den sogenannten „Honigtau“. Den lieben die Ameisen – sie „melken“ die Blattläuse regelrecht und verteidigen sie aus Leibeskräften gegen die Angriffe der Marienkäfer.

Eine Kaninchenmutter schützt ihre schlafenden Jungen vor dem Eindringen einer Eidechse in ihren Bau. Im Frühling spielen junge Kaninchen und Baby-Füchse unbekümmert miteinander. Innerhalb weniger Wochen wird aus dem Spiel jedoch erbarmungslose Jagd. Kurzsichtige Dachse stoßen gegen Weinstöcke, unterwegs zum Plündern von Rothuhn-Nestern. Hyperaktive Spitzmausmännchen kämpfen im Frühling wie Titanen gegeneinander – um ein Revier zwischen den Weinstöcken – und fliehen im Herbst mit ihren jungen Familien vor der Ernte, wobei jeder sich am Vorderen festhält, damit sie nicht auseinandergetrieben werden und einander womöglich aufgrund ihrer schwachen Augen nicht mehr finden. Raffiniert fängt die Ameisenlöwenlarve ihre Ameisenbeute im Trichter ihrer sandigen Grube; ein Bussard beäugt Feldhamster und Mäuse. Wer von ihnen wird seine Beute? Währenddessen lauert in Südfrankreich der katzenähnliche Ginster nachts zwischen den Reben auf schlafende Amseln und Eidechsen – vor einem Dessert von reifen Trauben.

(c)ORF/Interspot Film/Franz Hafner

Mehr als zwei Jahre dauerten die Dreharbeiten, gedreht wurde in Niederösterreich in Göttweig und der Katastralgemeinde Baumgarten, in Südfrankreich (Vacquières) und in Deutschland (Region Kaiserstuhl im Südwesten von Baden-Württemberg).

(c)ORF/Interspot Film/Franz Hafner

Statements zur Produktion

Alexander Hofer, ORF-2-Channelmanager: „Man muss nicht immer zu den exotischsten, entlegensten Weltgegenden reisen, die größten Wunder sind oft ganz in der Nähe zu entdecken. Das immer wieder aufzuzeigen ist auch ein Verdienst von ‚Universum‘ und ganz besonders dieses filmischen Kleinods.“

Interspot-Film-Produzent Nikolaus Klingohr: „Österreich als Weinland genießt international ein hohes Ansehen und der Wein ist neben seiner kreativ-genüsslichen Komponente auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Umso interessanter ist es für uns, in diesem Film noch einen weiteren spannenden Aspekt zu beleuchten: die Wildnis im Weingarten, der im Alltag der Menschen wenig Beachtung zukommt. ,Universum – Die wunderbare Welt des Weingartens‘ ist zweifellos einer der schönsten Filme, die wir in den letzten Jahren produziert haben.“

Regisseur Franz Hafner („Russlands wildes Meer“) ist für diese „Universum“-Produktion vom Ochotskischen Meer zurück nach West- und Mitteleuropa gekommen. Und er fand die kleine Welt des Weingartens um nichts weniger faszinierend als die Spektakel der Vulkane und Wälder Kamtschatkas: „Die kleinen und die großen Geschichten dieses Films spielten sich im Verborgenen ab. Sie waren auf den ersten Blick unscheinbar, bei genauerem Hinschauen aber voller Dramatik und Schönheit.“

„Universum“-Chef Andrew Solomon: „Es ist Franz Hafner gelungen, aus drei ganz verschiedenen Drehorten in drei Ländern ein reibungsloses Ganzes zu schmieden und dabei eine einheitliche Geschichte zu erzählen, ohne das Typische von jeder Landschaft zu verlieren. Der Film ist so überraschend wie charmant und humorvoll – nicht zuletzt wegen einer wunderbaren internationalen Zusammenarbeit: der Kombination zwischen den Bildsequenzen des Regisseurs und der geistreichen Musik vom Komponisten Emmanuel Blanc.“

(c)ORF/Interspot Film/Franz Hafner

Auch das ORF-Wissenschaftsmagazin Newton beschäftigt sich am Samstag, dem 19. Oktober, mit der Welt der Weingärten.

Es wird ein Wein sein...

Wein scheint einer der wenigen Gewinner des weltweiten Klimawandels zu sein. Die Rebe stammt aus Vorderasien und ist eine wärmeliebende Pflanze. Durch den Temperaturanstieg könnten sich Weinbaugebiete in nördliche und höhere Lagen ausweiten.

Aber wird dieser neue Wein auch schmecken? Wird die Produktion wirtschaftlich sein? Welche neuen Herausforderungen kommen auf die Winzer zu?
„Newton“ fragte Jungwinzer und Wissenschaftler über ihre Strategien für den Wein der Zukunft.

(c)weinobst.at

In der deutschen Weinbau-Hochschule Geisenheim werden die Auswirkungen des Klimawandels mit einer aufwendigen Freiluft-Anlage erforscht. In einem runden Versuchsfeld wird ein 20% höhere Kohlendioxid-Gehalt simuliert, der für 2050 prognostiziert wird. Erste Ergebnisse zeigen: Die Erträge könnten sich steigern, aber die Pflanzen werden empfindlicher auf Wassermangel und Schädlingsbefall.

„Nicht nur den Reben geht es besser, auch den Schädlingen,“ bestätigt Weinforscherin Astrid Forneck, die am Institut für Wein- und Obstbau der Wiener Universität für Bodenkultur Stressbelastungen erforscht, um den Winzern für den Weinbau in einer wärmeren Welt praktische Tipps zu geben. Die Studien zeigen: die Reblaus vermehrt sich mehr. Und in Kärnten gibt es große Probleme mit eingeschleppten Schädlingen wie Zikaden und der Kirschessigfliege. „Wir haben die schlechtesten 4 Ertragsjahre in den letzten fünf Jahren erlebt“ stellt der Lavantaler Weinbauer Herbert Gartner fest.

(c)Monika Riedle-Bauer, HBLA und BA für Wein-und Obstbau Klosterneuburg

Der Klimawandel ist nicht nur mit steigenden Temperaturen, sondern auch mit immer häufigeren Wetterextremen wie Spätfrost, Hitzewellen und Hagelstürme verbunden.
Der Weinviertler Jungwinzer Martin Heinzl aus Deinzendorf bestätigt, dass sich Wetterkapriolen häufen. „Man ist als Winzer sehr gefordert, dem Herr zu werden. Gegen Hagel ist gut, wenn man gut belaubte Weingärten hat, weil die Blätter sind ein kleiner Fallschirm für die Hagelkörner“.

Es zeigt sich: Die Weinproduktion wird teurer. Hagelnetze, Bodenbearbeitung, Bewässerung, intensive Laubarbeit, ausgeklügelter Pflanzenschutz und der richtige Erntezeitpunkt werden immer wichtiger, um ausreichend Ertrag und die gewünschten Aromen zu erzielen. Neue Sorten werden notwendig, meint Rebenzüchter Ferdinand Regner von der Weinbau-Bundeslehranstalt in Klosterneuburg: “Noch haben wir keine neuen Sorten, die extra für den Klimawandel gezüchtet wurden, aber wir haben Versuchspflanzen, die früher zu spät reif gewesen wären, aber jetzt ganz gut passen.“

Die Sendungen sind nach der Ausstrahlung noch 7 Tage in der TVthek als Video-on-Demand zum Nachsehen abrufbar.