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VPS 20:15

AUT

Stereo

16:9

ORF 2 Europe

Länge: 1h 44min

UT

Wiederholung am
01.09.2019, 23:58

tv.orf.at/menschenundmaechte

'80 Jahre Beginn 2. Weltkrieg'

Menschen & Mächte

Sondersendung mit Fokus auf den Krieg in Europa, der Sowjetunion und den USA

Am 1. September 1939 beginnt der 2. Weltkrieg und
damit das größte Massensterben des 20. Jahrhunderts. Im zweiten „Menschen und Mächte“ Spezial am 1. September 2019 von 20.15 – 22.00 werden die Kriegsereignisse in Europa durch Korrespondentenberichte analysiert. Hitlers Eroberungsfeldzüge in West-, Nord,- und Südeuropa, der Feldzug gegen die Sowjetunion und die Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten mitsamt apokalyptischer Niederlage des Dritten Reiches im Mehrfrontenkrieg im Mai 1945.

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Dazu kommen bisher wenig beleuchtete Themen wie die Schweiz im 2. Weltkrieg, die Kriegsfinanzierung, Österreicher im See- und Luftkrieg oder die Unterhaltung der Frontsoldaten durch Theatergruppen. Die beiden „Menschen & Mächte“ Spezial verstehen sich auch gleichzeitig als Psychogramm der Kriegsgeneration. Im Studio analysiert Hugo Portisch.

Das Fundament des totalitären Staates ist die Lüge

So beginnt auch die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts mit einer Propagandalüge. „Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurück geschossen.“ verkündet Adolf Hitler am 1. September 1939. Um den Angriffskrieg zum Verteidigungskampf zu manipulieren muss Polen als Aggressor und Verursacher des Krieges vorgeführt werden.

AUSCHWITZ Ankunft APA 19991130_PD5022.HR

Die „Appeasement“- Politik ist gescheitert

Hitler, der Politik grundsätzlich und Außenpolitik im speziellen ausschließlich vom Standpunkt der Unterwerfung betreibt, wird von Frankreich und England - den Siegermächten des 1. Weltkrieges - erst nach dem Einmarsch in Polen militärischer Widerstand entgegengesetzt. Doch bis dahin ist die Wehrmacht zur besten Kampfmaschine Europas für zeitlich begrenzte, kurze Kriege hochgerüstet. Bis dahin ist ein ganzes Volk uniformiert, Österreich und das Sudetenland in „Blumenkriegen“ erobert und trotz gegenteiliger Versprechen auch der Rest der Tschechoslowakei geschluckt. Die in den westeuropäischen Staatskanzleien praktizierte Politik der Kompromisse um den Frieden in Europa zu erhalten, die so genannte „Appeasement“- Politik ist mit der Unterwerfung Polens als endgültig gescheitert zu betrachten.

Deutsche Paris Parade 1940 APA 20100125_PD4221.HR

Der Angriffskrieg wird zum Vernichtungskrieg

Vor dem großen Sterben an den russischen Fronten lag die Phase militärischer Erfolge, die Unterwerfung großer Teile Europas. Nicht erst ab 1941, im geplanten Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion, sondern bereits im September 1939 in Polen wird der Angriffskrieg zum Vernichtungskrieg.

Luftaufnahme eines Bombenangriffs auf Graz im April 1945. Foto NARA USA csm_news_120702ss-kaserne_4b46f29212

Eroberung europäischer Staaten

Die schnelle Eroberung europäischer Staaten wie Polen, Norwegen Frankreich, Belgien, die Niederlande oder Griechenland, die binnen weniger Wochen erfolgten Kapitulationen, erweckten auch bei vielen Skeptikern vorerst den Eindruck der Unbesiegbarkeit der Wehrmacht und ihres obersten Kriegsherrn. Nach der Unterwerfung Frankreichs befindet sich Hitler am Höhepunkt seiner Macht. Seine Stärke ist die militärische Schwäche seiner Gegner.

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„Diktat von Versailles“

Hitler verordnet Aufrüstung und Krieg um Deutschland von der „Schande der Friedensverträge“ zu befreien, vom so genannten „Diktat von Versailles“. Doch schon bald sollte deutlich werden, dass man nach dem Ende dieses Krieges mit noch größerer Schande überhäuft sein würde. Zwischen 1938 und 1945 führt Hitler Blumenkriege, Grenzrevisionskriege, Revanchekriege, Wirtschaftskriege, Eroberungskriege, Rassenkriege und Vernichtungskriege.

Frauen Rüstung 1940 APA 19400101_PD5875.HR

Militarisierung der Gehirne

Für jene Österreicher die ab 1939 wie Schachfiguren an den unterschiedlichsten Fronten hin und her geschoben werden sollten, hatte das Leben im System von Befehl und Gehorsam bereits vorher begonnen. Die gleich nach dem Einmarsch deutscher Truppen einberufenen Rekruten werden durch eine auf Drill, Unterordnung und absolute Befehls- und Führertreue gebaute Ausbildung getrieben. Sie dient der Militarisierung der Gehirne. Psychologisch soll sie den Wunsch nach dem militärischen Ernstfall befördern.

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Mehr als 1,2 Millionen Österreicher werden zur Wehrmacht eingezogen

Rund 250 000 brachte der befohlene Fronteinsatz den Tod. Die Meisten sollten während des Russlandfeldzuges sterben, ebenso während der Rückzugsgefechte gegen die immer größere Übermacht der Roten Armee. So mancher dachte der Krieg werde wohl nach dem Polenfeldzug zu Ende sein, spätestens jedoch nach der erfolgreichen Eroberung Frankreichs. Doch aus der Hoffnung auf einen kurzen Waffengang sollten lange Abschiede von Freiheit und Zivilistenleben werden. Hitlers stetig in Bewegung gehaltene Gewaltspirale wird mit der Kriegserklärung an Amerika am 11. Dezember 1941 zum verordneten Massensterben in einem aussichtslosen Mehrfrontenkrieg.

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Ausleben von Sadismus

Die nationalsozialistische Rassen- und Kriegsideologie ermöglicht das sanktionsfreie Ausleben von Sadismus und moralischer Anarchie, die Entkoppelung des soldatischen Handelns von den Prinzipien des Kriegsrechtes und der Humanität. Die einzige Gegenwirklichkeit bleibt das eigene Gewissen, die persönliche Moral. Wer all das zu Gunsten von Eid, Gehorsam und Befehlstreue über Bord wirft, begibt sich in einen mörderischen Kreislauf stetig steigender Tabubrüche.

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Mentale Ausnahmezustände

Auf der anderen Seite versetzt der verordnete Frontkampf eine überwiegend junge Generation in permanente mentale Ausnahmezustände. Er wird zum elementarsten biographischen Bruch im Leben dieser Männer, bringt die Konfrontation mit Verrohung und den Abbau von Tötungshemmungen. Viele ehemalige Wehrmachtssoldaten haben über diesen inneren Konflikt bis zu ihrem Tod nicht geredet. Andere wiederum detailreich berichtet.

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„Sie müssen der Jugend diesen Krieg unbedingt in Erinnerung rufen"

Sie müssen ihnen sagen was Krieg überhaupt bedeutet, die Meisten wissen ja gar nichts mehr davon“ meinte einer von vielen ehemaligen Wehrmachtssoldat der im Laufe der letzten Jahre von der „Menschen & Mächte“ Redaktion interviewt wurde, der vom Polenfeldzug bis Russland Alles mitgemacht hatte. Die Zeitzeugen spiegeln die unterschiedlichen Interpretationen von Soldatentum und Krieg: von der stetig wachsenden Distanz zu NS- Regime und Wehrmacht über die Anpassung an das Diktat des Faktischen, bis hin zum befehlstreuen, kampfbereiten Soldaten, der Hitlers Kriege als militärischen Befreiungsakt vom Diktat der Siegermächte des 1. Weltkrieges versteht

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Soldatenfriedhof dt.  Langemark Belgien 1940 APA 20071102_PD1385.HR

Redaktion und Konzeption Andreas Novak