21:18

VPS 21:20

AUT

Stereo

16:9

ORF 2 Europe

Länge: 49min

UT

Wiederholung am
02.09.2019, 11:12

tv.orf.at/menschenundmaechte

'80 Jahre Beginn 2. Weltkrieg'

Menschen & Mächte

„Blutiges Edelweiß“

„Ich wünsch es keinem, so einen Krieg mitzumachen!“ Der Oststeirer Peter Riedl hat ihn als Gebirgsjäger im 2. Weltkrieg mitgemacht und überlebt. Die „Soldaten mit dem Edelweiß“ galten als „Elite-Truppe“ der Wehrmacht, zäh und kampfstark. Immer wieder begingen Gebirgsjägereinheiten aber auch schwere Kriegsverbrechen, im Partisanenkampf oder auf der griechischen Insel Kefalonia.

im  Bild: Peter Riedl - Gebirgsjäger 1944 - (c) Peter Riedl

Robert Gokls Menschen & Mächte-Dokumentation erzählt die Geschichte der österreichischen Gebirgsjäger im Zweiten Weltkrieg, mit bisher unbekannten Archivbildern und Zeitzeugen-Erinnerungen. Die Dreharbeiten führten Gokl von den Gebirgsstellungen des 1. Weltkriegs bis zu den Einsatzorten im 2. Weltkrieg etwa ins norwegische Narvik am Polarkreis und nach Griechenland.

Soldatenfriedhof in Narvik - (c) ORF

Mythos der Gebirgsjäger als tapfere und opferbereite Verteidiger der Heimat

An der Italienfront, festigte sich der auf die Tiroler Standschützen unter Andreas Hofer zurückgehende Mythos der Gebirgsjäger als tapfere und opferbereite Verteidiger der Heimat, der österreichischen Berge und Grenzen. Er lebte dann im Bundesheer der Ersten Republik unreflektiert weiter. Am 1. April 1938 gingen große Teile des Bundesheeres in drei Gebirgsjäger-Divisionen der Wehrmacht auf. Die 1. Gebirgsjägerdivision, auch als „Edelweiß-Division“ bezeichnet, nannte Hitler „seine Garde-Division“. Die zweite wurde in Innsbruck zusammengestellt, die Dritte, ebenfalls überwiegend aus Österreichern bestehend, in Graz. Siegfried Schüssler ist Enkel und Sohn von Kärntner Gebirgsjägern. Sein Großvater kämpfte im 1. Weltkrieg am Plöckenpass, sein Vater im 2. Weltkrieg an der Ostfront. Darüber berichtet Schüssler in dieser Dokumentation.

Reise zu den Schauplätzen von Hitlers Eroberungskriegen

Die Betrachtung und Analyse der Kampfeinsätze der überwiegend aus Österreichern bestehenden Gebirgsjägerdivisionen kommt einer Reise zu den Schauplätzen von Hitlers Eroberungskriegen gleich. Von Polen nach Norwegen. Die weiteren Einsätze führten von Murmansk bis Kefalonia und Kreta, vom Kaukasus bis Monte Cassino, vom Balkan bis an den Atlantik. Begleitet von teils schweren Verlusten und Kriegsverbrechen. So wurden auf der griechischen Insel Kefalonia mehr als 5000 Kriegsgefangene erschossen. Verantwortlich dafür Teile der 1. Gebirgsjägerdivision

Kommeno, der Tatort eines Massakers

Am anderen, am südlichen Ende Europas in Griechenland, liegt das Bauerndorf Kommeno, der Tatort eines Massakers. 1943 ermordeten Gebirgsjäger der 1. Division mehr als 300 Männer, Frauen und Kinder, am Morgen nach einer Dorfhochzeit. Kommeno wurde niedergebrannt, später wiederaufgebaut. Die Erinnerung an die mordenden Gebirgsjäger lebt jedoch bis heute weiter. „Die Deutschen haben eine Handgranate durchs offene Fenster geworfen. Meine beiden Brüder wurden getötet. Ich habe als Einzige überlebt“ erzählt Dimitra Apostolou.

Opfer eines Massakers in Kommeno - (c) Konstantina Kosma/ORF

Vergessen und Verdrängen war nun angesagt

Nach Kriegsende und Gefangenschaft kehrten die Überlebenden zurück in ihre Heimat. Obwohl der Mythos während des 2. Weltkrieges gehörige Sprünge bekommen hatte und zum „Blutigen Edelweiß“ mutierte, setzte sich die unreflektierte Verklärung der Gebirgsjäger, die Betrachtung als „Paradetruppen der Sauberen Wehrmacht“ vor allem in den Kameradschaftsverbänden und auch im Bundesheer der 2. Republik fort. Kein Wunder auch, Erwin Fussenegger etwa, bis 1970 ranghöchster Offizier des Bundesheeres gehörte der 2. Gebirgsjägerdivision an. Die Gewaltexzesse, meist nach Partisanenangriffen oder der Gefangennahme von Kameraden als Revancheakte begangen, wurden in den wenigsten Fällen gerichtlich aufgearbeitet. Die Bilder der Gewalt lassen sich jedoch nicht verdrängen, sie erscheinen in den Träumen und prägen die Erinnerung. Ebenso die Brutalisierung vieler junger Bauernbuben auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges. In der Doku „Blutiges Edelweiß“ berichten die letzten noch lebenden Gebirgsjäger, aber auch die überlebenden Opfer über das Kriegsgeschehen.

Opfer eines Massakers in Kommeno - (c) Konstantina Kosma/ ORF

Ein Film von Robert Gokl