23:11

Dokumentation

VPS 23:05

AUT 2017

Stereo

16:9 LB

Länge: 51min

UT

tv.orf.at/dokfilm

dokFilm

Ich bin ein schlechter Mensch

(c) ORF

Der Bankräuber und Geiselnehmer Adolf Schandl tanzt gern und gekonnt. Niemand käme dabei auf die Idee, dass der lustige Kerl 80 Jahre alt ist und schon gar nicht, dass er 40 Jahre davon hinter Gittern verbrachte und erst seit kurzem in Freiheit lebt. "Mich sperrt niemand ein", war stets das Motto des mäßig begabten Einbrechers, und wohl auch deshalb hat er seine Haftstrafen stets mit spektakulären Ausbruchsversuchen verlängert.

ORF/Kurt Mayer Film

Adolf Schandl – Lachen nach 40 Jahren Einsamkeit.

Red. Ed Moschitz

1971 wurde Schandls Ausbruchsversuch legendär. Gemeinsam mit zwei weiteren Insassen organisierte er eine spektakuläre Flucht mit Geiselnahme, die bis heute mit den Worten des damaligen Polizeipräsidenten Joschi Holaubek in Erinnerung blieb: "Komm ausse! I bin's, dei' Präsident". Allein dafür kassierte Schandl 19 Jahre Haft, die er wiederum nicht absitzen wollte, weshalb er mit dem Terroristen Ben Ahmed Chaovali und dem Mörder Peter Grossauer einen weiteren Ausbruchsversuch mit Geiselnahme unternimmt. Ein Vorhaben das ebenso scheiterte.

(c) ORF/Kurt Mayer Film

Adolf Schandl bei seiner ersten Verurteilung als Geiselnehmer 1972

Bis heute lebt Adolf Schandl allein und benötigt dafür wenig Raum. Seinen Alltag schafft er mit Bravour und die 28 Quadratmeter im 4. Stock hält er ebenso wie sich selbst picobello in Schuss. Jedoch darf in sein Paradies im vierten Stock nur wer sich zuvor gründlich desinfiziert, denn "die Welt ist voller Dreck". Nach und nach entblättert sich der nette alte Herr mit dem treuherzigen Blick und es tauchen zunehmend verstörende Facetten seiner Persönlichkeit auf.

(c) ORF/Kurt Mayer Film

Adolf Schandl: "In dem Moment wo mich jemand in die Ecke drängt, dann gibt es Probleme, dann wehre ich mich mit meinen Waffen und Möglichkeiten."

Seit seiner endgültigen Freilassung arbeitet Ausbrecherkönig Schandl an seiner letzten Flucht, und die hofft er diesmal ganz legal hinzukriegen. Er will noch einmal nach Australien. In sein Sehnsuchtsland, wo er vor seiner kriminellen Karriere eine Zeit lang gelebt hat. Damals, als in seinem Leben noch vieles in Ordnung zu sein schien. Außer seiner Vorstrafen hat Schandl dem Land seiner Sehnsucht jedoch wenig aufzuwarten. Irritierend ist das aus seiner Sicht aber keinesfalls, denn er, Schandl, hielt sich noch nie für einen Verbrecher.

(c) ORF/Kurt Mayer Film

Adolf Schandl im Tretboot auf der Alten Donau "Hearst schreib doch a Büchel, die G’schicht is wirklich einmalig"

Susanne Freunds Dokumentarfilm zeigt eindrucksvoll wie Adolf Schandl seine Wahrheiten und Welten, je nach Gegenüber und Situation, stets wortgewandt zu interpretieren vermag. Dabei scheint der in die Jahre gekommene Ganove keine Grenzen zwischen Gut und Böse zu akzeptieren. Nur eine: Wer nicht für ihn ist, der muss wohl gegen ihn sein, so sein knappes Resümee.

(c) ORF/Kurt Mayer Film

Adolf Schandl: "Mich sperrt ihr nicht ein für 15 oder 20 Jahr, oder lebenslang, da habt ihr Probleme!"

Mit ihrem Film zeichnet Susanne Freund ein Psychogramm eines Menschen dessen Seele erst sehr spät, außerhalb von Kerkermauern, noch einmal zu erblühen vermag.

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