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VPS 22:35

DEU

Stereo

16:9

Länge: 44min

UT

Wiederholung am
21.01.2019, 12:08

tv.ORF.at/universum

Universum History

Die ersten Amerikaner - Sensationsfund in Brasilien

Wer waren die ersten Menschen am amerikanischen Kontinent? Seit den 1930er Jahren galt das Rätsel eigentlich als gelöst. Die bisherige Lehrmeinung – die „Clovis First“-Theorie – besagt, dass vor ungefähr 12.000 Jahren Großwildjäger aus Asien den amerikanischen Kontinent zu Fuß erreicht haben – konkret über die Beringstraße, die damals noch eine Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska bildete.

ORF/ZDF/Stefan Zengerle

Im Bild: Erste Hinweise auf das Alter der Zeichnungen in der Serra da Capivara ergaben sich aus den Motiven. Kannten die ersten Amerikaner Riesenfaultiere, Riesengürteltiere und Säbelzahnkatzen aus eigener Anschauung?

Die Besiedelungsgeschichte Amerikas

Demnach folgten die eiszeitlichen Asiaten den Herden und besiedelten daraufhin Amerika von Nord nach Süd. Doch nun ist alles anders – die Besiedelungsgeschichte Amerikas muss, so scheint es, völlig neu geschrieben werden, wie die „Universum History“-Dokumentation „Die ersten Amerikaner – Sensationsfund in Brasilien“ von Peter Prestel und Saskia Weisheit am Freitag, dem 18. Jänner, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt.

Sensationelle Funde in Brasilien lassen nämlich darauf schließen, dass es lange vor den ersten Asiaten bereits Menschen auf dem Kontinent gab. Menschen, die nicht aus Asien stammten und die sich nicht aus Nordamerika Richtung Süden ausgebreitet haben, sondern direkt im Süden gelandet sind. Ausgerechnet in den unendlichen Weiten Brasiliens ist ein neuer archäologischer Hotspot entstanden. Die Serra da Capivara im brasilianischen Bundesstaat Piauí ist das neue Eldorado einer Generation von Amerika-Forschern und -Forscherinnen, die ihre wissenschaftlichen Ergebnisse nicht mehr mit der Clovis-Theorie in Einklang bringen können. „Man denkt, alles ist erforscht, und plötzlich sind dann wieder Grundfragen da“, sagt Markus Reindel vom Deutschen Archäologischen Institut. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Brasilien, Frankreich und Nordamerika ist er einem der größten Geheimnisse der Menschheitsgeschichte auf der Spur.

ORF/ZDF/Stefan Zengerle

Im Bild: Das Team des französischen Archäologen Eric Boîda (2.v.r.) erbrachte schließlich den letzten Beweis: Die ersten Amerikaner siedelten in Brasilien.

Die prähistorische „Schatzkammer"

Sensationelle Funde in den gewaltigen Urwäldern im Nordosten Brasiliens lassen sich auf ein Alter von bis zu 50.000 Jahren datieren. Holzkohle, von französischen Experten analysiert, ist somit mindestens zehn Jahrtausende älter als Clovis. Steinwerkzeuge und Sedimentspuren sind teilweise mehr als 30.000 Jahre alt. Und ein etwa 10.000 Jahre alter Schädelknochen weist typische afrikanische Merkmale auf. All das sind Funde, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Dass in der Serra da Capivara schon Jahrtausende vor Clovis Menschen gelebt haben, fand die brasilianische Archäologin Niède Guidon bereits in den 1980er Jahren heraus, als sie eine prähistorische „Schatzkammer“ mit mehr als 40.000 Felszeichnungen entdeckte. Für ihre Veröffentlichungen erntete sie damals nur Spott. Verspottet wurde auch der amerikanische Archäologe Thomas Dillehay, der im chilenischen Monte Verde auf Artefakte stieß, die um mindestens 2.000 Jahre älter waren als Clovis. In Drohbriefen wurde er aufgefordert, seine Aussagen zu widerrufen.

Mit den neuen Forschungsergebnissen, die auch von US-Amerikanern bestätigt werden, dürfte der Glaubenskrieg beendet sein. Auch in Nordamerika sind Archäologen mittlerweile fündig geworden. „Wir finden gerade heraus, dass wir keine Ahnung hatten“, sagt Jessi Halligan von der Florida State University. Mit Taucheranzug und Sauerstoffflasche fand sie im Aucilla River etwa 14.550 Jahre alte Spuren einer prähistorischen Kultur. Sie glaubt, dass noch viele Überraschungen bevorstehen – vor allem an Orten, an denen bisher niemand mit interessanten Funden gerechnet hat.

ORF/ZDF/Stefan Zengerle

Im Bild: Die erste künstlerische Darstellung eines Kusses.

Wer also waren also die ersten Amerikaner und Amerikanerinnen? Wie und warum sind sie nach Amerika gelangt? Und aus welchem Grund sind sie fast spurlos wieder verschwunden? „Universum History“ begibt sich auf eine spannende Spurensuche ins brasilianische Hinterland und zeigt – eingebettet in prächtige Landschaftsaufnahmen mit Säbelzahntigern und Riesenfaultieren – die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft, die sich die Erforschung der weit verstreuten Fundstellen in den heute fast menschenleeren geheimnisvollen Weiten Ostbrasiliens zur Aufgabe gemacht hat.