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AUT

Stereo

16:9

Länge: 46min

UT

Wiederholung vom
07.12.2018, 22:34

tv.ORF.at/universum

Universum History

Giuseppe Garibaldi: Der inszenierte Rebell

Giuseppe Garibaldi wird bis heute als Ikone des italienischen Freiheitskampfes verehrt. Doch wie groß ist sein Anteil am Kampf für die Einheit Italiens im 19. Jahrhundert tatsächlich – und vor allem: Was ist bloß Legende?

Das neue „Universum History“ „Giuseppe Garibaldi: Der inszenierte Rebell“ zeigt wie geschickt Garibaldi am Aufbau seines eigenen Mythos mitgearbeitet hat. Wie widersprüchlich seine politischen und ganz persönlichen Haltungen mitunter gewesen sind – privat ein Patriarch, politisch ein Vorkämpfer für Frauenrechte. Und wie raffiniert Giuseppe Garibaldi die Medien für seine Zwecke eingespannt hat.

(c)ORF/pre tv

„Universum History“ zeigt einen Mann, der ein Meister im Spiel mit den Massenmedien war – inklusive der Behandlung seines Privatlebens. Heute weiß die Geschichtsforschung, dass vieles, was Garibaldi etwa über seine erste Frau Anita schrieb, nicht den historischen Tatsachen entspricht. So war Ana Maria „Anita“ de Ribeiro, die Garibaldi 1842 geheiratet hatte, nicht die heroische Kämpferin, als die sie Garibaldi gerne darstellte – sondern am Ende vielmehr eine schwer erkrankte Frau, die die Strapazen von Garibaldis Flucht aus Rom 1849 nicht überlebte.

Die Dokumentation von Regisseur Martin Betz beleuchtet, wie es Giuseppe Garibaldi zustande gebracht hat, auf militärischer Ebene derart viele Erfolge zu feiern. Unterstützung in Form von finanziellen Zuwendungen erhielt Garibaldi von Seiten Großbritanniens, wie der italienische Historiker Fulvio Conti erklärt: „England hatte ein strategisches Interesse an der Entstehung eines italienischen Reiches.“ Die Motive der Briten waren vor allem geostrategischer und wirtschaftlicher Natur: Schließlich hielten sie auf Sizilien das Monopol für den Schwefelabbau und kontrollierten den Weinhandel der Insel.

(c)ORF/pre tv

Mit Hilfe von aufwendig produzierten Reenactments skizziert der Film auch das Privatleben Giuseppe Garibaldis. Das private Chaos in seinem Leben beschreibt die britische Historikerin Lucy Riall: „Im Sommer 1859 verliebt er sich unsterblich in eine junge Frau. Doch gleichzeitig macht er zwei anderen Frauen einen Heiratsantrag und überschüttet zwei weitere Frauen mit Liebeserklärungen. Daneben führt er eine weitere Beziehung fort und hat auch noch ein Verhältnis mit einer italienischen Gräfin. Überall sind also Frauen, und mehr oder weniger jeder von ihnen gesteht Garibaldi seine Liebe.“ Am Ende seines Lebens, nun mit „seinem“ Kindermädchen verheiratet, gibt Garibaldi das Bild des gealterten Patriarchen. In seiner politischen Haltung gegenüber Frauen war Garibaldi jedoch alles andere als konservativ: Bereits 1869 forderte er das allgemeine Wahlrecht für Frauen – eingeführt wurde es in Italien erst 77 Jahre später. Eine Rede Garibaldis ist mit folgendem Wortlaut überliefert: „Es kann keine Modernität, keinen Fortschritt, keine Menschlichkeit geben, wenn die Hälfte des menschlichen Geschlechts Sklave des anderen ist.“

„Giuseppe Garibaldi: Der inszenierte Rebell“ zieht eine klare Trennlinie zwischen Legende und historischer Wahrheit. Erfolgreiche Garibaldi-Biografinnen wie Silvia Cavicchioli und Lucy Riall rücken das Wirken Garibaldis in den Kontext seiner Zeit und erstellen ein Psychogramm eines eigenwilligen Revolutionärs und Abenteurers, der von den politischen Kompromissen, mit denen die Einigung Italiens einherging, schließlich in die Isolation getrieben wurde.

Die Dokumentation entstand als internationale Koproduktion der Produktionsfirma pre tv in Zusammenarbeit mit ZDF/ARTE und BMBWF, gefördert von Media Development, Fernsehfonds Austria und VAM.

Die Sendung ist nach der Ausstrahlung noch 7 Tage lang
in der TVthek als Video-on-Demand zum Nachsehen abrufbar.