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DEU

Stereo

16:9

Länge: 1h 30min

UT

Wiederholung am
15.09.2018, 03:34

tv.ORF.at/universum

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Universum History

Krieg der Träume - Teil 1: Gewinner und Verlierer

11. November 1918. Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Für Millionen von Menschen in Europa beginnt eine Reise ins Ungewisse. Der Krieg hat die alte Ordnung der Monarchien und Imperien hinweggefegt. Nun muss die Landkarte neu gezeichnet, die Welt neu geordnet werden. Es beginnt ein intensives, leidenschaftliches Ringen um die beste Utopie: ein „Krieg der Träume“.

Der Friede macht Europa zu einem Labor neuer Ideen, neuer Hoffnungen und neuer Gesellschaftsentwürfe. Aus dem Friedhof des Ersten Weltkriegs ersteht eine Zeit, wie es sie lebendiger, widersprüchlicher und aufregender zuvor nie gab. Das Ringen um eine neue Ordnung prägt das Leben der Menschen Tag für Tag. Sie alle sind sich nur in einem einig: Eine Rückkehr zur alten Welt mit ihrer Kultur, ihren Institutionen und ihren Eliten ist für immer unmöglich. Wie aber weiter? 16 europäische Nationen geben sich im Jahr 1919 eine Verfassung als demokratische Republiken oder parlamentarisch kontrollierte Monarchien. 20 Jahre später sind fast alle Staaten Süd¬, Mittel¬ und Osteuropas zu einer autoritären Staatsform übergegangen. Nur in wenigen Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Schweden und der Tschechoslowakei hält sich die parlamentarische Demokratie. Die Demokratie, die wir heute für den Kern unserer Identität als Europäer halten, scheitert nur 20 Jahre nach ihrer Geburt. Denn von Anfang an befindet sich die Vision eines friedlichen, auf Interessenausgleich und Freundschaft bedachten demokratischen Europas im Wettstreit mit zwei anderen, äußerst mächtigen Utopien – Kommunismus und Faschismus.

(c)ORF/Looks Film/Ricardo Vaz Palma

Im Bild: Michalina Olszańska als Pola Negri.

Den Kampf dieser drei Ideologien, dieser Träume von einer besseren, gerechteren Welt und ihr Ringen um die Herzen und Köpfe von Millionen von Menschen, erzählt die Fernsehserie „Krieg der Träume“. Die Filme, die „Universum History“ am Freitag, dem 14., Dienstag, dem 18., und Freitag, dem 21. September, jeweils um ca. 22.30 Uhr in ORF 2 zeigt, folgen den Lebenswegen ausgesuchter Protagonisten, überwiegend jungen Frauen und Männern aus Frankreich, Deutschland, Polen, Österreich, Großbritannien, der Sowjetunion und Italien, die auf der Suche nach einem neuen Leben sind und von einer besseren Welt träumen. Als Quelle für die Drehbücher dienten ihre Aufzeichnungen: Tagebücher, Memoiren, Briefe, aber auch Biografien. Die Erlebnisse dieser Protagonisten wurden aufwendig inszeniert und mit dokumentarischem Film¬ und Fotomaterial zu einer packenden Dramaserie verdichtet. In ihr werden die Geschichten der Protagonisten vertikal in den einzelnen Folgen und auch horizontal über die ganze Serie hinweg erzählt. So zeichnen die Filme eine Mentalitätsgeschichte der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Die Frage ist, wie und warum sich die Mentalität von Millionen Europäern im Verlauf dieser 21 Jahre zwischen 1918 und 1939 so veränderte, dass ein neuer Krieg möglich wurde. Immer wieder zeigen sich dabei auch Parallelen zur heutigen politischen Situation, in der Europa und die Demokratie erneut in die Krise zu geraten drohen. Entwickelt von Showrunner Jan Peter und Produzent Gunnar Dedio (LOOKSfilm) ist „Krieg der Träume“ der Beitrag von ARTE, ARD und ORF zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs.

(c)ORF/Looks Film/Jürgen Rehberg

Im Bild: Natalia Witmer als Marina Yurlova und Jakub Koudela als Hauptmann Kappel.

1918. Kriegsende. Die verheerende Bilanz: fast zehn Millionen gefallene Soldaten, dazu etwa 20 Millionen Verwundete. Die Anzahl der zivilen Opfer wird auf weitere sieben Millionen geschätzt. Wie sollte es jetzt weitergehen? Was bedeutete das Wort Friede nach dieser „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“? Eines war sofort klar: Niemand konnte in sein altes Leben zurückkehren, einfach so weitermachen wie bisher – alles musste völlig neu gedacht und erfunden werden. Was die Menschen nach dem „Krieg der Waffen“ erwartete, war nicht der ersehnte Friede, sondern ein „Krieg der Träume“, ein Ringen um neue Gesellschaftsideen und Konzepte des Zusammen¬Lebens. Demokratie, Kommunismus, Faschismus – die Utopien einer neuen Welt, die vor dem Krieg teils nur auf dem Papier skizziert waren, traten nun gegeneinander in Wettstreit. Alles schien offen und möglich, nichts war erprobt, nichts ausgeschlossen. Mit dieser entscheidenden und spannenden Phase der Geschichte befasst sich die dokumentarische Dramaserie „Krieg der Träume“.

„Krieg der Träume“ verharrt aber nicht nur im Gestern, sondern erzählt von der Entstehung der Welt, in der wir Europäer heute leben. Vieles von dem, was Menschen heute selbstverständlich erscheint, ist erst in jenen 21 Jahren zwischen 1918 und 1939 entstanden, darunter die Demokratie mit allgemeinem Wahlrecht, die Gewaltenteilung und das Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Demokratie konnte sich erst nach einem langen Wettstreit mit anderen mächtigen Utopien und Ideologien und einem neuen Weltkrieg durchsetzen. Die Serie eröffnet den Zuschauern einen Zugang zu diesem Ringen der Ideologien und Utopien in den Herzen und Köpfen von Millionen von Menschen über 13 reale Schicksale. Alle intensiv recherchierten Lebenswege der exemplarisch ausgewählten Protagonisten, die von einem internationalen Schauspielensemble szenisch nachgestellt werden, wurden von dem Aufbruch in eine neue Zeit stark beeinflusst oder haben die Zeitenwende aktiv mitgestaltet. Darunter sind bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten – von der polnischen Schauspielerin Pola Negri, dem späteren Auschwitz¬Kommandanten Rudolf Höß bis hin zu dem französischen Zuhälter und Bordellbetreiber Marcel Jamet, dem italienischen Großindustriellen und Politiker Silvio Crespi oder der englischen Hitler¬Verehrerin Unity Mitford und der österreichischen Ärztin Edith Wellspacher. Das Besondere an dieser Perspektive: Hier kommen Menschen zu Wort, die die Ereignisse selbst erlebt haben, und zwar ohne zu wissen, was am Ende dieser Entwicklung steht. Das ermöglicht sehr persönliche und doch gleichzeitig auch universelle Einblicke in die Tragödie dieser Zeit.

„Krieg der Träume“ entstand in Zusammenarbeit mit ARTE und ARD, dem ORF und vielen internationalen Partnern. Es ist eine gemeinsame europäische Anstrengung aus Anlass des 100. Jahrestags des Endes des Ersten Weltkriegs in einer Zeit, in der Europa neue Krisen drohen. Aktualität und Relevanz dessen, was im Titel konzeptuell „Krieg der Träume“ genannt wurde, sind in der dokumentarischen Dramaserie überall mit Händen zu greifen. Das Projekt steht aber auch für eine über europäische Landesgrenzen hinweg gelungene Kooperation auf dem Gebiet der dokumentarischen Dramaserie, die mit „14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs“ initiiert wurde und jetzt weitergeführt wird. Geschichte wird darin transnational erzählt. Es ist damit ein im besten Sinne internationales und europäisches Projekt.

(c)ORF/Looks Film/Jürgen Rehberg

Im Bild: Jan Krauter als Hans Beimler.

Krieg der Träume – Teil 1: Gewinner und Verlierer

Nach mehr als vier Jahren Krieg muss Deutschland im Herbst 1918 kapitulieren. Am 11. November ruhen die Waffen. Im Jänner 1919 kommen die Sieger in Paris zusammen, um auf der Friedenskonferenz die Zukunft Europas zu verhandeln. Die Deutschen werden gezwungen, einen Friedensvertrag zu unterschreiben, der in weiten Teilen der Bevölkerung für Empörung sorgt.

Hans Beimler erlebt als Obermaat der kaiserlichen Hochseeflotte den Kieler Matrosenaufstand. Zurück in seiner Heimat Bayern kämpft er für die Münchner Räterepublik und eine kommunistische Gesellschaft.
Charles Edward Montague, Chef der britischen Militärzensur, trifft bei Kriegsende im belgischen Mons auf einen deutschen Offizier, der ihn um Schutz bittet. Montague lehnt ab. Wenige Tage später findet er den Offizier ermordet von den eigenen Leuten.
Die Kosakensoldatin Marina Yurlova wird vor einem Erschießungskommando der Roten Armee gerettet. Sie will zurück an die Front, doch ein tschechischer Hauptmann setzt sie in einen Zug nach Wladiwostok. Vor dem russischen Bürgerkrieg will die zarentreue Marina nun in die USA fliehen.
Die Polin Apolonia Chalupiec träumt vom Film. Regisseur Ernst Lubitsch gibt der jungen Frau, die sich Pola Negri nennt, die Hauptrolle in „Carmen“. Pola genießt den Erfolg und das wilde Leben in Berlin.
Marie-Jeanne Picqueray kämpft im Herbst 1918 in Saint-Nazaire mit der Spanischen Grippe. Als sie wieder gesund ist, flieht sie aus der Enge der Provinz nach Paris, wo sie sich in den serbischen Anarchisten Dragui verliebt. Gemeinsam kämpfen sie für eine freie Gesellschaft.
Für Leutnant Rudolf Höß ist die Niederlage Deutschlands eine Katastrophe. Er verachtet die Weimarer Republik. Gleichgesinnte findet er im Freikorps Roßbach, in dem ehemalige Soldaten das Vaterland auf eigene Faust verteidigen.
Minister Silvio Crespi verhandelt für Italien bei der Pariser Friedenskonferenz. Sein Land fordert neue Gebiete in den Alpen und an der Adria. Streit entbrennt um die Hafenstadt Fiume, die US-Präsident Wilson dem neuen Königreich der Serben und Kroaten zuschlagen will.

Die österreichische Protagonistin: Edith Wellspacher gehört zu den ersten Frauen in Österreich, die zum Medizinstudium zugelassen werden. Die politischen Verstrickungen der überzeugten Sozialistin in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg sind privater Natur: Ihr Lebensgefährte ist Jude. Gleichzeitig hat Edith Wellspacher eine Affäre mit einem älteren Kollegen, der sich zwar als Kommunist ausgibt, jedoch Mitglied der NSDAP ist. Kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wird ihr jüdischer Lebensgefährte verhaftet und ins KZ deportiert. Im Sommer 1938 flieht Edith Wellspacher aus Österreich nach Tasmanien.

Die Sendung ist nach der Ausstrahlung noch 7 Tage lang
in der TVthek als Video-on-Demand zum Nachsehen abrufbar.

(2. Teil am 18. September, ORF 2)