zeit.geschichte

An einem Tag im April - Attnang-Puchheim im Bombenhagel

Kurz vor Kriegsende 1945 bricht über Attnang-Puchheim einer der verheerendsten Bombenangriffe im österreichischen Raum herein. Die ORF-III-Neuproduktion kehrt zu den Originalschauplätzen zurück und berichtet detailreich über Ziele, Hintergründe und Folgen des schweren Bombardements.

An einem Tag im April - Attnang-Puchheim im Bombenhagel

Originaltitel: Bombenangriff auf Attnang-Puchheim

ORF/Robert Breber/P. Franz Seiberl

Bombenopfer in einer Kirche.

Samstag, 10.4.2021, 22.00 Uhr
Wh. Mo 02.05 Uhr

Im April 1945 flüchtet der 15-jährige Helmut Böhm vor der herannahenden Roten Armee aus Brünn in Richtung Westen. Ihm an die Hand gegeben ist sein erst zweijähriger Bruder Werner. Erstes Zwischenziel ihrer Flucht ist Attnang-Puchheim im damaligen Oberdonau, wo entfernte Verwandte leben.

Im Zentrum von Attnang-Puchheim liegt der Bahnhof, über den die so genannte Alpenfestung, an deren reale Existenz die Alliierten bis Kriegsende glauben, mit der Westbahnstrecke verbunden ist. Über den Knotenpunkt werden ab 1943 auch Güter für die Produktion von V2-Raketen nach Redl-Zipf transportiert, denn dort hat man einen Triebwerksprüfstand und eine Anlage zur Herstellung von flüssigem Sauerstoff errichtet. Zur Verschleierung werden heikle Transporte nicht mit ihren wahren Zielorten gekennzeichnet, sondern mit „Attnang-Puchheim“ adressiert. Kurz nachdem Helmut und Werner Böhm in Attnang-Puchheim eintreffen, bricht am 21. April 1945 eines der verheerendsten Bombardements des gesamten Luftkriegs über das oberösterreichische Dorf herein. Der Angriff von 300 Flugzeugen, die mehr als 600 Tonnen Bomben auf den Ort abwerfen, tötet 13 Prozent der Bevölkerung und zerstört einen Großteil der Gebäude. Viele der Menschen, die am Bahnhof sterben, können nie identifiziert werden.

An einem Tag im April - Attnang-Puchheim im Bombenhagel

Originaltitel: Bombenangriff auf Attnang-Puchheim

ORF/Robert Breber/Stadtarchiv Attnang-Puchheim

Zerstörte Lokomotive.

Zwei Wochen nach dem verheerenden Angriff endet der Krieg mit dem Einzug US-amerikanischer Truppen. Der Wiederaufbau Attnang-Puchheims dauert Jahrzehnte. Helmut Böhm wird sich aufgrund des Traumas durch das Bombardement ein Leben lang mit den Ereignissen beschäftigen. Über Jahrzehnte hinweg erforscht er Hintergründe und Folgen des Angriffs und wird durch seine Arbeit zu einem bedeutenden und vielzitierten Zeithistoriker. Auch sein Bruder Werner und viele weitere Zeitzeugen, die damals noch Kinder waren, erinnern sich bis heute an Verwebungen des Bombenangriffs mit den Begebenheiten ihres alltäglichen Lebens. Sie erzählen von glühenden NationalsozialistInnen und WiderstandskämpferInnen, vom Schicksal der Häftlinge aus dem Konzentrationslager Ebensee, die am Bahnhof Attnang-Puchheim zur Arbeit gezwungen wurden, und letztlich auch von den erst nach und nach zutage tretenden Fakten des Angriffs selbst.

An einem Tag im April - Attnang-Puchheim im Bombenhagel

Originaltitel: Bombenangriff auf Attnang-Puchheim

ORF/Robert Breber/National Archives Washington

Flugaufnahmen, Bombenangriff.

Regisseur: Robert Breber
Dokumentation, 2020


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