Erbe Österreich

Die Habsburger in Mariazell

Otto Habsburg konnte, da er Österreich damals nicht betreten durfte, nicht hier heiraten, feierte aber hier mit seiner Frau die Silberne und die Goldene Hochzeit und Karl Habsburg heiratete hier Francesca Thyssen-Bornemisza.

Erbe Österreich: Die Habsburger in Mariazell

Dokumentation, 2021

Die Habsburger in Mariazell

ORF/Ran Film

Basilika Mariazell

Dienstag, 6.4.2021, 20.15 Uhr
Wh. 23.45 Uhr, Mi 02.15 Uhr,
Do 00.45 Uhr

Mariazell und Habsburg – eine langwährende historische Verbindung, die in dieser ORF-III-Neuproduktion erstmals in ihrem ganzen Glanz erzählt wird.

Bis heute besucht Karl Habsburg-Lothringen regelmäßig die Basilika in Mariazell, um vor den Gnadenaltar zu treten - so wie das seine Ahnen über die Jahrhunderte auch gemacht haben. Hier hat der Enkel des letzten österreichischen Kaisers Karl I. 1993 geheiratet.Sein Vater Otto und seine Mutter Regina wurden 2011 in einer offen Trauerfeier unter großer Anteilnahme der Mariazeller Bevölkerung verabschiedet. All die Jahrzehnte nach dem Ende der Monarchie war Mariazell für ihn der „einzig logische Ort“ für diese Familienfeierlichkeiten.

Die Habsburger in Mariazell

ORF/Ran Film

Karl Habsurg-Lothringen mit Adjudant in der Basilika Mariazell.

Die Habsburger in Mariazell

ORF/Ran Film

Fritz Jares als Kaiser Franz Joseph.

Karl Habsburgs Großmutter Zita Habsburg-Lothringen durfte Österreich erst 1982 wieder betreten, nachdem sie und ihre Familie mit dem Untergang der k.u.k.-Monarchie gezwungen waren, ins Exil zu gehen. Eine der ersten Stationen ihrer Heimkehr war Mariazell: sie empfand es als „Gnade, hier sein zu dürfen.“

Die gesellschafts- und kirchenpolitischen Zerwürfnisse der Reformation und Gegenreformation im 16. Jahrhundert haben dazu geführt, dass die Habsburger die Durchsetzung des Katholizismus zur obersten Priorität ihrer Politik gemacht haben. Dabei hat Mariazell eine wesentliche Rolle gespielt - vor allem in symbolischer Hinsicht. Im 17. Jahrhundert dann wurde der Wallfahrtsort unter Kaiser Ferdinand III. zum Reichsheiligtum erklärt und die Kirche barockisiert. Fortan haben zahlreiche Mitglieder der Herrscher-Dynastie die Gnadenmutter in der Basilika aufgesucht - in privaten wie staatspolitischen Anliegen, die oftmals untrennbar miteinander verbunden waren. Die Pietas Austriaca, die österreichische Frömmigkeit, galt ihnen als wichtigste ihrer Tugenden.

Die Habsburger in Mariazell

ORF/Ran Film

Elfriede Scherer (Maria Theresia).

Unter Maria Theresia fand diese Frömmigkeit ihren letzten Höhepunkt: davon zeugen ihre Stiftungen an die Mariazeller Kirche, etwa das silberne Abschlussgitter beim Gnadenaltar, das dessen Bedeutung als Ort des offiziellen Österreich zum Ausdruck bringt. Pater Michael Staberl, der Superior von Mariazell, führt im Film durch die Basilika und zeigt die wichtigsten Geschenke und Votivgaben, die von den Habsburgern dargebracht wurden. Die 16-fache Mutter Maria Theresia hat der Mariazeller Mutter Gottes für ihre zahlreichen Nachkommen gedankt. Ihr Sohn und Thronfolger Kaiser Joseph II. stand in aufklärerischer Tradition und hat im Rahmen seines kirchenpolitischen Kahlschlags auch die Wallfahrten verboten. Ebenso ließ er das Mutterkloster von Mariazell, Stift St. Lambrecht, aufheben. Kaiser Franz I. ließ die Wallfahrten und Prozessionen Schritt für Schritt wieder zu. Von da an verlagerte sich die Habsburgische Frömmigkeit im 19. Jahrhundert zunehmend in den privaten Bereich.

Kaiser Franz Joseph I. hat Mariazell in seiner knapp 70-jährigen Regentschaft nur dreimal besucht, und doch zeugen die Bilder von seinem letzten Besuch im September 1910 von der immer noch vorhandenen Verbundenheit zum religiösen Zentrum seines Reiches. Pater Michael Staberl: „Mariazell ist ein Ort, wo die Habsburger mit ihren Völkern Begegnung gepflogen haben.“ Die innigen Bande zwischen der Familie Habsburg und Mariazell währen bis heute.

Erzherzog Johann war die treibende Kraft in der Industrialisierung der Steiermark. Mit 14 Jahren hatte er das Mariazellerland erstmals besucht, sein Interesse galt fortan auch der bäuerlichen Lebenswelt. Als einziger Habsburger ist er hier schließlich sesshaft geworden. 1818 erwarb er den Brandhof nahe Mariazell, ein uraltes Bauerngut, und ließ es zu einem Herrensitz ausbauen. „Im 40. Jahr meines Lebens beschloss ich, Johann, Erzherzog von Österreich, in den schirmenden Alpen mir ein Haus der Ruhe, einfach und prunklos zu bauen“, schrieb er. Bis heute ist das Anwesen im Familienbesitz.

„Wenn man durch den Gnadenaltar nicht emotional berührt ist, dann muss man innerlich ein Eiskasten sein“, stellt Karl Habsburg-Lothringen fest. Gerade so viele Menschen aus den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie - jährlich machen sich 1 Million Pilger auf den Weg nach Mariazell - erleben immer noch eine gleichsam emotionale wie spirituelle Ergriffenheit im Angesicht der Magna Mater Austriae.

Regisseure: Alfred Ninaus und Fritz Aigner
Dokumentation, 2021


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