THEMENMONTAG

Der Irrsinn mit der Milch - global, billig, ruinös

In der modernen Landwirtschaft werden Kälber mit Ersatzstoffen aus Pflanzenöl, zum Beispiel Palmöl, gefüttert, weil selbst Billigmilch noch zu teuer ist. Gleichzeitig produziert Europa riesige Milchüberschüsse... .

ORF-III-Themenmontag: Der Irrsinn mit der Milch - global, billig, ruinös

Dokumentation, 2017

Der Irrsinn mit der Milch - global, billig, ruinös

ORF/ZDF/Katarina Schickling

Um den Milchpreis zu stabilisieren, haben die EU allein 2016 350.000 Tonnen Milchpulver aufgekauft.

Der Irrsinn mit der Milch - global, billig, ruinös

ORF/ZDF/Katarina Schickling

Joghurt aus europäischem Milchpulver ist viel billiger als heimischer Joghurt.

Montag, 8.3.2021, 22.45 Uhr
Wh. Di 01.45 Uhr und 04.40 Uhr

Dank üppiger EU-Förderungen für die Landwirte produzieren wir in Europa jährlich einen kräftigen Milchüberschuss.

Überschüssige Milch wird zu Milchpulver verarbeitet, das war auch schon früher so. Die EU kauft im Rahmen der sogenannten Marktintervention in großen Mengen Milchpulver auf und lagert es ein. Auf 350 000 Tonnen Milchpulver wurde im Jahr 2016 die Interventionsmenge erhöht - Milch, für die es in Europa keine Abnehmer gibt. In Afrika gibt es sie: die Nachfrage nach Milchprodukten ist dort in den vergangenen zehn Jahren rapide gestiegen, vor allem nach Milchpulver, das den größten Teil des europäischen Milchexports ausmacht.

Für Länder wie Kamerun hat die Milchschwemme aus Europa verheerende Folgen. Denn vielversprechende Ansätze eigener Milchwirtschaft werden im Keim erstickt. Molkereien, zum Teil sogar finanziert von europäischen Entwicklungshilfegeldern, stehen leer, weil die Bauern keine Milch anliefern. Denn sie wissen, dass ihre Milchprodukte mit denen aus Europa, die ja indirekt subventioniert werden, preislich nicht konkurrieren können. „Das ist nicht fair“, sagt Hayatou El Hadji Souley, ein kamerunischer Milchproduzent. „Wir müssen doch unsere heimische Produktion steigern, um die Lebensbedingungen der Menschen hier zu verbessern.“ Genau das fordern auch deutsche Entwicklungshilfe-Politiker: Die Lebensbedingungen im subsaharischen Afrika sollen verbessert werden, damit die Menschen nicht als Wirtschaftsflüchtlinge nach Europa kommen.

Der Irrsinn mit der Milch geht noch weiter: Auf der Euro-Tier Messe in Hannover, der weltweit größten Messe für Nutztierhaltung, erfährt Reporterin Katarina Schickling, dass Kälber in unserer modernen Landwirtschaft keine Milch mehr bekommen, stattdessen Ersatzstoffe aus Pflanzenöl, zum Beispiel aus dem umstrittenen Palmöl. Denn für die Kälber ist selbst die Billigmilch noch zu teuer.

Für Landwirt Erwin Reinalter aus dem Allgäu gab es keinen Ausweg mehr aus den roten Zahlen. Trotz aller Anstrengungen, seinen Betrieb immer wieder zu modernisieren, trotz Marktintervention. Die letzten Milchkühe musste er verkaufen, nur ein paar Kälber bleiben. 50 Cent für den Liter Milch - das hätte gereicht, um seinen Hof zu retten. Doch das hätte auch für den Verbraucher einen höheren Preis an der Supermarktkasse bedeutet. Mit Preisdumping - so das Fazit der Dokumentation - ist eine gesunde Milchwirtschaft, die keine Verlierer hinterlässt, nicht zu haben.

Regisseurin: Katarina Schickling
Dokumentation, 2017


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