zeit.geschichte

Wuchteln, Schmäh, Politsatire - Geschichte des österreichischen Kabaretts

Eine ORF-III-Neuproduktion; die Geschichte des österreichischen Kabaretts, kommentiert von aktuellen Größen der Kabarettszene wie Michael Niavarani, Angelika Niedetzky, Joesi Prokopetz, Andrea Händler, Lukas Resetarits, Florian Scheuba, Werner Sobotka, Erwin Steinhauer und Andreas Vitasek.

zeit.geschichte: Wuchteln, Schmäh, Politsatire - Geschichte des österreichischen Kabaretts 1961 - 1978 (3/3)

Doku-Reihe, 2020

zeit.geschichte: Wuchteln, Schmäh, Politsatire - Geschichte des österreichischen Kabaretts 1945 - 1961 (2/3)

Doku-Reihe, 2020

zeit.geschichte: Wuchteln, Schmäh, Politsatire - Geschichte des österreichischen Kabaretts 1918 - 1945 (1/3)

Doku-Reihe, 2020

21.12.20 zeit.geschichte Wuchteln, Schmäh, Politsatire - Geschichte des österreichischen Kabaretts 1918 - 1945 281220

ORF/Neulandfilm/Thomas Sessler Verlag/Peter Kurz

Gerhard Bronner.

Montag, 28.12.2020, 20.15 Uhr

Wh. Di 00.10 Uhr, Do 08.25 Uhr,
Sa 02.25 Uhr und 09.00 Uhr,
Mo 00.05 Uhr

Teil 1: 1918 - 1945

1918 ist Österreich vom Ersten Weltkrieg gezeichnet. Das einstige Habsburgerreich ist auf „den Rest“ Österreich zusammengeschrumpft. Kabarett wird vor allem von Kriegsgewinnern besucht. Im Programm steht seichte Unterhaltung, Gesellschaftskritik ist nicht gefragt und bis 1926 sogar zensiert. Doch der österreichische Humor setzt sich bald durch. Politisch bissig ist zum Beispiel Karl Kraus; anfänglich selbst kriegsbegeistert, wird er bald zum Verfechter des Friedens. Seine Ablehnung der Kriegstreiberei verarbeitet er 1919 im satirischen Theaterstück „Die letzten Tage der Menschheit“. Während die Donaumonarchie sonst meist romantisiert wird, liefert er darin eine schonungslose Abrechnung mit dieser untergehenden Gesellschaft.

21.12.20 zeit.geschichte Wuchteln, Schmäh, Politsatire - Geschichte des österreichischen Kabaretts 1918 - 1945 281220

ORF/Neulandfilm/Thomas Sessler Verlag/Peter Kurz

Erwin Steinhauer.

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ORF/Neulandfilm/Thomas Sessler Verlag/Peter Kurz

Karl Farkas.

Auch Fritz Grünbaum beginnt in dieser Zeit als Kabarettist aufzutreten. „Wenn er den Mund auftat - ein ‚Feuerwerk des Gehirns. Schießt pausenlos seine Witzraketen und Bonmots mit überdrehter Logik ins überraschte Parkett. Famose Begabung! Viel zu schade für Wien“, schreibt ein Zeitgenosse. Ab 1922 treten Fritz Grünbaum und Karl Farkas zusammen im Kabarett Simpl in Wien im kabarettistischen Streitgespräch auf. Dieses Format der „Doppelconférence“ wurde von den beiden nicht erfunden, doch unter ihnen erreichte es im Österreich der 1920er und 1930er Jahre seinen unbestrittenen Höhepunkt. Farkas und Grünbaum waren es auch, die zu dieser Zeit Kabarett-Revuen ins Simpl brachten.

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ORF/Neulandfilm/Thomas Sessler Verlag/Peter Kurz

Peter Wehle, Gerhard Bronner.

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ORF/Neulandfilm/Thomas Sessler Verlag/Peter Kurz

Karl Farkas, Fritz Grünbaum.

Für das Kabarett eine Blütezeit - doch schon bald droht der nächste Krieg. Verfolgung und Zensur durch den Nationalsozialismus radieren die Kabarettszene Österreichs fast aus. Viele jüdische Humoristen fliehen ins Ausland oder werden deportiert. Unter ihnen auch Fritz Grünbaum. Zu Silvester 1940 tritt er noch einmal vor seinen Leidensgenossen im KZ Dachau auf und stirbt zwei Wochen später - laut Totenschein „an Herzlähmung abgegangen“.

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ORF/Neulandfilm/Thomas Sessler Verlag/Peter Kurz

Karl Farkas, Ernst Waldbrunn.

Dienstag, 29.12.2020, 20.15 Uhr

Wh. Mi 00.35 Uhr, Do 09.15 Uhr,
Sa 03.10 Uhr und 09.45 Uhr,
Mo 00.55 Uhr

Teil 2: 1945 - 1961

1945 ist der Zweite Weltkrieg endlich zu Ende. Wien liegt in Trümmern, doch Österreich hat schon eine provisorische Regierung und entsteht aus der Asche der Bomben wieder auf. So, wie sich die ersten Lebenszeichen der Freiheit unter der alliierten Besatzung zeigen, regt sich auch die Kabarettszene - Simpl, Werkl, Literatur am Naschmarkt und Lieber Augustin öffnen wieder ihre Pforten. Auch die überlebenden Größen der Szene kehren wieder nach Wien zurück. Hermann Leopoldi, Karl Farkas oder Gerhard Bronner treten wieder auf.

21.12.20 zeit.geschichte Wuchteln, Schmäh, Politsatire - Geschichte des österreichischen Kabaretts 1918 - 1945 281220

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„Der Herr Karl“: Helmut Qualtinger.

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„Der Herr Karl“: Helmut Qualtinger.

Der Umgang des Landes mit seiner eigenen Täterschaft im Nationalsozialismus ist fragwürdig. Schon 1948 sind alle offiziellen Entnazifizierungs-Maßnahmen de facto zu Ende. Die Wehrmachtsgeneration bestimmt den Blick auf die Vergangenheit. Ein Zustand, der von den eben heimgekehrten Kabarettisten und Kabarettistinnen immer wieder bissig kommentiert wird. Farkas übernimmt in den 50ern die künstlerische Leitung des Simpl und bringt es zu neuer Blüte, sowohl auf der Bühne, als auch im Fernsehprogramm mit seinen berühmten Bilanzen. In seinem Ensemble ist auch Fritz Muliar.

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Lukas Resetarits.

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„Der Herr Karl“: Helmut Qualtinger.

Zum eher unpolitischen Unterhaltungskabarett im Simpl gesellt sich in den 1950er Jahren das „namenlose Ensemble“; ihm gehören Gerhard Bronner, Carl Merz und Helmut Qualtinger an. Letzterer trifft mit seinem Ein-Personen-Stück „Der Herr Karl“ mitten in die Seele der österreichischen Nachkriegsgeneration und schreibt damit Fernsehgeschichte. Kein anderes Stück Kabarettgeschichte fängt den Zeitgeist seiner Entstehung so präzise und schonungslos ein. Doch das mit Carl Merz geschrieben Stück löst auch einen Skandal aus. Viele fühlen sich darin vorgeführt.

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ORF/Neulandfilm/Thomas Sessler Verlag/Peter Kurz

Georg Kreisler.

Mittwoch, 30.12.2020, 20.15 Uhr

Wh. Do 00.50 Uhr, Do 10.00 Uhr,
Sa 04.00 Uhr und 10.35 Uhr,
Mo 01.40 Uhr

Teil 3: 1961 - 1978

„Sehen Sie, es ist meine Überzeugung, wer etwas von Kabarett versteht, versteht auch etwas von Demokratie.“ sagte schon Gerhard Bronner Anfang der 1960er Jahre. Ab 1963 betreut er die Sendung „Zeitventil“. Durch das Fernsehen kommt das österreichische Kabarett langsam in das Wohnzimmer der Österreicherinnen und Österreicher. Ein Umstand, der den Kleinkunstbühnen zu schaffen macht. Es ist eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, aber auch der Probleme. Auch die fortschreitende Etablierung des Fernsehens setzt den Bühnen zu und zwingt sie so dazu neue Konzepte und Programme zu schreiben. Ein Konkurrenzkampf, der in eine breite Programmvielfalt mit sich bringt.

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Andreas Vitasek.

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ORF/Neulandfilm/Thomas Sessler Verlag/Peter Kurz

Florian Scheuba.

Österreichs Umgang mit seiner Vergangenheit ist schwierig. Das zeigen auch Skandale wie der Freispruch des SS-Mannes Franz Murers - dem „Schlächter von Wilna“, oder die Tötung des Pensionisten Ernst Kirchwegers durch einen rechtsextremen Studenten bei einer Demonstration gegen einen antisemitischen Professor. Auch der jüdisch-stämmige Gerhard Bronner bekommt immer wieder antisemitische Zuschriften.

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Andrea Händler.

Ein Lieblingsthema des Kabaretts der 1960er Jahre ist Österreichs neuer Platz in der Welt - nicht mehr als Großmacht, sondern als provinzieller Kleinstaat. Während sich der Kalte Krieg zuspitzt und die Angst vor einem atomaren Weltkrieg den Globus in Atem hält, herrscht in Österreich eine Mischung aus Zynismus und Inselmentalität; zum Tod hatte man hier ohnehin stets ein morbides Verhältnis und Österreich wird der Krieg schon nicht betreffen. Sorgen macht man sich im Falle eines Weltkrieges nur über das Schicksal seines Haustieres - so zumindest in Georg Kreislers Chanson „Mein Hund“.

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Angelika Niedetzky.

Abseits der parlamentarischen Politik erwacht in Österreich Mitte der 70er Jahre eine politische Zivilgesellschaft, die sich in neuen sozialen Bewegungen organisiert. Protestiert wird etwa gegen das geplante Atomkraftwerk Zwentendorf. Spätestens mit Beginn der 1980er Jahre etabliert sich dann auch eine neue Generation an Kabarettisten und Kabarettistinnen.


Weitere Sendungen dieser Reihe:

  • Skilegenden: Annemarie Moser-Pröll, Franz Klammer und Toni Sailer

    Am Hahnenkamm-Wochenende erinnert die ORF-III-zeit.geschichte an Österreichische Skilegenden.

  • Mythos Hahnenkamm

    Das Hahnenkammrennen ist das wohl bekannteste und spektakulärste Skirennen der Welt und ein Ort, an dem Legenden geboren werden.

  • Skilegenden: Toni Innauer

    Eine ORF-III-Neuproduktion auf den Spuren von Toni Innauer, dem bekanntesten Vertreter des Skisprungwunderteams der 1970er Jahre.

  • Skilegenden: Petra Kronberger

    Die Dokumentation wirft einen Blick auf das Leben und die Karriere einer der erfolgreichsten Ski-Rennläuferinnen Österreichs. Petra Kronberger ist heute als Frauenbeauftragte für den ÖSV tätig und kümmert sich um die Nachwuchsläuferinnen.